Blockchain-Projekt Tezos: Größter ICO droht zu scheitern

Das Blockchain-Projekt Tezos ist kurz nach seiner Gründung zusammengebrochen. Die Episode symbolisiert die Risiken auf dem undurchsichtigen Markt für Digitalwährungen.

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Das Scheitern von Tezos symbolisiert die Risiken von Investitionen bei Digitalwährungen. (Foto: dpa)

Das Scheitern von Tezos symbolisiert die Risiken von Investitionen bei Digitalwährungen. (Foto: dpa)

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Bei einem Initial Coin Offering (ICO) im Juli hatte das Blockchain-Projekt Tezos von Investoren Bitcoin und Ether im Wert von zusammen 232 Millionen Dollar eingesammelt. Nie zuvor war mit einem ICO so viel Investorengeld eingesammelt worden. Nun hat das Management von Tezos mitgeteilt, dass das Projekt zum Stillstand gekommen ist und dass es nur schwer geeignete Mitarbeiter findet.

Hinzu kommt, dass „eine Schlacht zwischen den Unternehmensgründern und dem Chef der Schweizer Stiftung, die man eingesetzt hatte, um dem Projekt mehr Unabhängigkeit zu geben, den Handel der Tezos-Coins bis Anfang nächsten Jahres weitestgehend zum Erliegen gebracht hat“, wie das Wall Street Journal berichtet.

Am Mittwoch hatten die Tezos-Gründer Arthur und Kathleen Breitman die Verzögerung des Projekts in einem Blogartikel mitgeteilt. Der versprochene Termin im Dezember zur Ausgabe der Tezos-Tokens an die Investoren kann voraussichtlich nicht eingehalten werden. Die Tokens mit dem Namen „Tezzie“ sind noch nicht geschaffen worden.

Zudem erheben die beiden Tezos-Gründer schwere Vorwürfe gegen Johann Gevers, den Chef der Schweizer Stiftung, die das Geld für das Projekt managt und in der das französisch-amerikanische Ehepaar Breitman keine Funktionen innehat. Laut den Breitmans hat sich Gevers selbst zu viel Gehalt bezahlt und sich dafür am Investorenkapital bedient.

„Anfang September bemerkten wir, dass der Präsident der Tezos Foundation, Johann Gevers, versuchte, […] den Wert eines Bonus falsch darzustellen, den er sich selbst zahlen wollte“, schreiben Arthur und Kathleen Breitman. Sie hätten mit der Stiftung zusammen gearbeitet, um die Angelegenheit zu klären, und sich dabei „für seine Entfernung aus dem Stiftungsrat eingesetzt“.

In der Folge ist Johann Gevers nun suspendiert worden, bis der Buchprüfer der Stiftung seine Untersuchungen abgeschlossen hat. Allerdings sagte Johann Gevers zu Reuters, dass er nicht zurücktreten werde. Und weiter: „Arthur [Breitman] betreibt Rufmord, was er schon mit vielen anderen vor mir getan hat.“ Die Vorwürfe gegen ihn seien „irreführende Behauptungen und platte Lügen“.

Der Südafrikaner Johann Gevers ist eine der führenden Personen im Zuger „Crypto Valley“. Er ist unter anderem Chef von Monetas, einer auf der Blockchain basierenden Transaktionsplattform. Der Kurs des Tezos-Tokens an der Terminbörse BitMEX brach infolge der Nachricht über den Streit in der Projektführung vorübergehend um mehr als zwei Drittel ein und liegt nun wieder so niedrig wie zuletzt Anfang Oktober.

Das Initial Coin Offering im Juli war von der Tezos Foundation durchgeführt worden, die ihren Sitz in Zug hat. Nach Schweizer Recht muss die Stiftung unabhängig sein vom Unternehmen Dynamic Ledger Solutions (DLS), das Arthur und Kathleen Breitman gegründet hatten, um die Tezos-Technologien zu entwickeln.

Daher hält die Stiftung alle eingesammelten Finanzmittel. Da diese in Form von Bitcoin und Ether eingesammelt wurden, ist ihr Marktwert seit Juli von 232 Millionen Dollar auf etwa 400 Millionen Dollar angestiegen. Trotz dieser positiven Entwicklung bei den Finanzen könnte der Streit zwischen den Firmengründern und Johann Gevers nun das gesamte Projekt aufhalten.

Zudem drohen dem Tezos-Mitgründer Arthur Breitman juristische Probleme mit der US-Finanzmarktaufsicht FINRA. Denn als er im August 2015 im US-Bundesstaat Delaware das Tezos-Unternehmen Dynamic Ledger Solutions gründete, war er noch bei Morgan Stanley angestellt, wie Reuters berichtet.

Nach den Vorgaben von FINRA ist ein registrierter Mitarbeiter im Wertpapiergeschäft verpflichtet, seinen Arbeitgeber über Geschäftsaktivitäten zu informieren, wenn dabei die Aussicht auf eine höhere Vergütung besteht. Und laut dem „Tezos Business Plan“ von Anfang 2015 sollte Breitman als Unternehmenschef ab dem dritten Geschäftsjahr ein Gehalt in Höhe von 212.180 Dollar erhalten.

Zudem soll Tezos im Mai dieses Jahres den Fortschritt des Unternehmens übertrieben haben. Die Breitmans hatten die Werbefirma Strange Brew Strategies mit der Vermarktung des ICO beauftragt, und deren Direktor John O’Brien, sagte damals im Gespräch mit Reuters, dass „Ernst & Young, Deloitte, LexiFi, etc. Tezos in ihre Entwicklungsumgebungen übernommen“ hätten.

Anfang Oktober sagte dann aber eine Sprecherin des Wirtschaftsprüfers Ernst & Young zu Reuters: „Die Aussage ist nicht richtig. EY hat Tezos nicht übernommen.“ Und ein Sprecher der Beratungsfirma Deloitte sagte, dass der Programmiercode von Tezos „eine von vielen Technologien“ sei, die man im Bereich Blockchain prüfe. Man habe die Technologie aber noch nicht für Kundenprojekte eingesetzt.

Wenn nun die Aufsichtsbehörden tatsächlich gegen Tezos aktiv werden, so wollen die Firmengründer ihr Projekt nach eigenen Angaben aus den USA in die Schweiz verlagern. Denn dort gebe es nicht „zu viel Aufsicht“.

Die Probleme bei Tezos verdeutlichen die Gefahren auf dem ICO-Markt. Investoren stellen massiv Kapital für ICO-Projekte bereit. Sie hoffen offenbar, dass sich das jeweilige Projekt zum nächsten Bitcoin entwickelt. Doch bei vielen dieser Start-ups gibt es bisher nur Ideen, die sie in ihren „White Papers“ den Investoren vorstellen. Im Verlauf dieses Jahres haben ICOs laut einem Bericht von Bloomberg bereits Kapital in Höhe von 3 Milliarden Dollar aufgebracht.

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