Finanz-Investoren wollen deutsche Lebensversicherungen kaufen

Ergo und Generali wollen große Bestände an Lebensversicherungen verkaufen.

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Solvency II soll Risiken minimieren, schränkt aber Investitionen von Versicherungen ein. (Foto: dpa)

Alte Bestände von Lebensversicherungen sind noch immer attraktiv. (Foto: dpa)

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Die milliardenschweren Lebensversicherungs-Bestände von Ergo und Generali rufen Insidern zufolge neue Interessenten aus dem Ausland auf den Plan. Sowohl die Swiss Re als auch die Resolution Group, die in Großbritannien seit fast 15 Jahren Lebensversicherungen ohne Neugeschäft abwickelt, hätten bereits vorgefühlt, sagten mehrere mit den Vorgängen vertraute Personen am Montag der Nachrichtagentur Reuters. Auch der mit dem Bestandsmanager Viridium bereits in Deutschland aktive britische Finanzinvestor Cinven sei bereit, dafür frisches Kapital bereitzustellen. Ob sie aber bei Ergo und Generali überhaupt zum Zug kommen, sei angesichts der kritischen Haltung der Finanzaufsicht BaFin fraglich, sagten drei Branchenkenner.

Die Münchener-Rück-Tochter Ergo und die Deutschland-Tochter der italienischen Generali loten derzeit aus, ob sich ihre alten Lebensversicherungs-Bestände verkaufen lassen. Generali will das Neugeschäft bei der deutschen Generali Leben Anfang des Jahres einstellen. Sie hat vier Millionen Policen mit Kapitalanlagen von mehr als 40 Milliarden Euro im Bestand. Hinter den sechs Millionen Verträgen von Ergo Leben und der Schwester Victoria stehen Kapitalanlagen von mehr als 60 Milliarden Euro. Das Neugeschäft von Ergo – vor allem mit kapitalgebundenen Versicherungen – läuft über eine neue Tochter.

Ergo will nach Angaben einer Sprecherin „möglichst bald“ die Grundsatzentscheidung über einen Verkauf des Portfolios oder eine interne Abwicklung fällen. Das Handelsblatt berichtete, Ergo habe Interessenten bis Mitte November um unverbindliche Gebote für die Bestände gebeten. Die Sprecherin betonte, es gehe immer noch darum, „ob ein Verkauf überhaupt eine tragfähige Option sein könnte“. Die Düsseldorfer Münchener-Rück-Tochter hatte die Unternehmensberatung Willis Towers Watson dafür angeheuert. Für Generali arbeitet die Investmentbank Morgan Stanley.

Banker und Manager aus der Branche sind aber skeptisch, ob die BaFin einen Verkauf so großer Bestände genehmigen würde. Das könne Jahre dauern. „Ob die BaFin Ergo und die Münchener Rück aus der Pflicht entlässt, ist längst nicht ausgemacht“, sagte ein Insider. „Die Hürden für einen Verkauf sind weiterhin sehr hoch“, hieß es in Aufsichtskreisen. BaFin-Exekutivdirektor Frank Grund hatte erst vor kurzem bekräftigt: „Wir werden die Belange der Versicherten wahren – nicht nur in finanzieller Hinsicht.“ Je größer der Bestand, desto größer seien auch die Anforderungen an einen Käufer, die Kunden und die Kapitalanlagen zu managen.

„Wir konnten schon in drei Fällen zeigen, dass die Bestände bei uns in guten Händen sind“, sagte Viridium-Chef Heinz-Peter Roß zu Reuters. „Wir können schneller, schlagkräftiger und in Summe effizienter sein als ein traditioneller Versicherer, bei dem das Managen inaktiver Bestände nicht im strategischen Fokus ist.“

Die BaFin hat bisher nur den Verkauf von fünf kleineren Beständen genehmigt, zuletzt den der Arag Leben. Ermutigt fühlen sich verkaufswillige Versicherer vor allem von der Erlaubnis für Viridium, den Bestand der ehemaligen Mannheimer Leben zu übernehmen, die 2002 von der gesamten Branche in Deutschland aufgefangen worden war. „Darauf haben alle gewartet“, sagte ein hochrangiger Manager. Denn die BaFin pochte stets darauf, dass die Kunden unter einem neuen Eigentümer nicht schlechter dran sind als vorher – ein Käufer der Ergo-Policen müsste also so kapitalstark sein wie die Münchener Rück.

Swiss Re und Cinven wollten sich nicht zu den Informationen äußern. Die Schweizer wollen das Geschäft mit der Verwaltung von Lebensversicherungs-Beständen aber erklärtermaßen ausbauen. Im Mittelpunkt steht für sie bislang Großbritannien. Resolution war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

„Kapital ist kein limitierender Faktor“, sagte ein Insider. So hatte der Abwickler Athene, hinter dem unter anderem der US-Investor Apollo steht und dem die frühere Deutschland-Tochter von Delta Lloyd gehört, hatte im Frühjahr 2,2 Milliarden Euro für Zukäufe in Europa eingesammelt. Die Preisvorstellungen von Käufern und Verkäufern klafften aber in solchen Fällen weit auseinander. „Ich bin skeptisch, dass Ergo und Generali einen attraktiven Preis bekommen“, sagte ein Branchenkenner.

 

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