Banken-Krise Italien: Aktienkurs der Banca Carige bricht ein

Die Banca Carige ist ins Zentrum der schwelenden Bankenkrise in Italien geraten.

Ihren XING-Kontakten zeigen
linkedin
abo-pic
Die Banca Carige in Genua. (Foto: dpa)

Die Carige Bank in Genua. (Foto: dpa)

+++Werbung+++

Der Finanzsektor Italiens kommt nicht zur Ruhe. Erst vor wenigen Wochen war die älteste heute noch bestehende Geschäftsbank der Welt, Banca Monte dei Paschi di Siena, mit finanzieller Unterstützung der italienischen Regierung an die Börse zurückgekehrt. Nun machen Turbulenzen um das nächste angeschlagene Geldinstitut, die im Jahr 1483 gegründete Banca Carige aus Genua, Schlagzeilen.

Wieder einmal geht es um ausfallgefährdete Kredite, hohe Verluste und eine extreme Verschuldung. Außerdem wurde vor einigen Monaten einer der Topmanager der Bank wegen Geldwäsche und Betrugs verurteilt. Die Aktie von Banca Carige wurde Ende vergangener Woche mit einem Kurs von 0,1473 Euro aus dem offiziellen Aktienhandel genommen.

Wie die Börsenaufsicht Consob am Freitag berichtete, sei die Aussetzung des Handels im Hinblick auf die Unsicherheit um die gescheiterte Kapitalerhöhung und in Anbetracht möglicher laufender Initiativen der Aufsichtsbehörden und der Bank erfolgt. Die Notiz von Banca Carige lautete am Montagnachmittag an der Börse Mailand 0,080 Euro, was einem Abschlag von rund 46 Prozent entspricht. Immer weniger Anleger sind offenbar von den Papieren des italienischen Traditionshauses überzeugt.

Dabei hatte sich die Nachrichtenlage um die Banca Carige gerade in der jüngsten Vergangenheit aufgehellt. Nach eigenen Angaben habe man sich mit den wichtigsten Investoren nun doch auf eine Kapitalerhöhung geeinigt. Noch am späten Freitagabend hatte das Institut mitgeteilt, dass sie mithilfe der Ausgabe neuer Aktien von ihren Aktionären 500 Millionen Euro sowie weitere 60 Millionen Euro von ihren Anleihe-Haltern einnehmen wolle. Die neuen Aktien sind vom 22. November an bis zum 6. Dezember erhältlich. Ein internationales Bankenkonsortium, das aus der Deutschen Bank, der Barclays Bank und der Credit Suisse besteht, habe sich dazu verpflichtet, die bis zu diesem Zeitpunkt nicht an den Mann gebrachten neuen Aktien zu kaufen.

Die Banca Carige, die aktuell nur noch über eine Marktkapitalisierung von knapp 80 Millionen Euro verfügt, hat einen monumentalen Stapel an faulen Kredite und seit dem Jahr 2013 Verluste in einer Gesamtsumme von etwa drei Milliarden Euro angehäuft. Nun steht die Aktie der in die Bredouille geratenen Gesellschaft wohl vor dem größten Kurssturz ihrer Unternehmenshistorie. Denn die neuen Anteilsscheine sollen zu einem Preis von 0,01 Euro angeboten werden. Daher kommt auch das deutliche Absacken des Banca Carige-Kurses zum Wochenstart nicht sonderlich überraschend.

Die Banca Carige ist eine italienische Unternehmensgruppe, die dem Finanzdienstleistungssegment zugeordnet wird. Neben den traditionellen Bankgeschäften beinhaltet das umfangreiche Dienstleistungsangebot auch Darlehen, Vermögensverwaltung, Altersvorsorge, Leasing, e-banking und e-trade für Unternehmens- und Privatkunden sowie für öffentliche Haushalte. Der Konzern betreut in Italien mit über 600 Filialen über eine Million Kunden.

Durch die immer wieder aufflammenden Schwierigkeiten sind erneut Zweifel an der Stabilität des italienischen Bankensektors entstanden. Sollte es zu einer Zahlungsunfähigkeit kommen, wäre Carige seit dem Jahr 2015 das achte italienische Finanzinstitut, das die Pforten schließen müsste. Offenbar war es in dem südeuropäischen Land nicht möglich, faule Kredite wie in anderen Staaten in so genannte „Bad Banks“ auszulagern.

Dagegen scheint die Schwäche des Genueser Konkurrenten den Chart der ebenfalls unter die Räder gekommenen, aber inzwischen in einem sichereren Fahrwasser befindlichen Monte dei Paschi di Siena zu beflügeln. Der Kurs des ältesten Geldhauses der Welt explodierte geradezu zum Beginn der neuen Woche und verbesserte sich bis Montagmittag um 11,5 Prozent auf glatt 4,00 Euro. Und das kommt den Bankmanagern aus Siena wohl nicht ungelegen. Denn seit der staatlichen Rettungsaktion Ende Oktober – die entgegen der strikten Auslegung der europäischen Bail-in-Regeln erfolgte – war der Monte die Paschi-Kurs von über 5,20 Euro auf etwa 3,25 Euro abgerutscht. Dabei hatte Monte die Paschi sogar zuletzt durch einen Sondereffekt aus dem Rettungsprogramm wieder einen Gewinn verbuchen können.

Im Fall der Banca Carige scheinen sich Spekulanten bereits zu positionieren: Im Netz wird darüber gemutmaßt, man könne einige Stücke des 0,01 Euro teuren Banken-Pennystocks ins Depot nehmen, um sie dann einige Wochen später mit einem formidablen Gewinn von 100 Prozent für 0,02 Euro wieder zu veräußern.