Metropolitan Opera suspendiert James Levine wegen sexueller Übergriffe

Die Vorwürfe wegen sexueller Übergriffe haben die klassische Musik erreicht. Betroffen ist der amerikanische Dirigent James Levine.

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James Levine, damaliger Musikdirektor des Boston Symphony Orchestra, aufgenommen am 07.07.2006 in Lenox (USA). (Foto: dpa)

James Levine, damaliger Musikdirektor des Boston Symphony Orchestra, aufgenommen am 07.07.2006 in Lenox (USA). (Foto: dpa)

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Die Metropolitan Opera in New York lässt laut dpa den Vorwurf jahrelanger sexueller Übergriffe ihres Star-Dirigenten James Levine (74) auf einen Jugendlichen offiziell untersuchen. In einer Twitter-Nachricht erklärte das berühmte Opernhaus in der Nacht zum Sonntag, von jüngsten Berichten über Levines Verhalten «zutiefst getroffen» zu sein. «Wir ermitteln mit Hilfe von Kräften außerhalb unseres Hauses, ob Anschuldigungen des sexuellen Fehlverhaltens in den 1980er Jahren zutreffen, so dass wir angemessene Konsequenzen treffen können.»

Damit dürfte die Welle von Veröffentlichungen zu sexuellen Übergriffen, die mit dem Sturz der ehemaligen Hollywood-Ikone Harvey Weinstein begonnen hatte, nun auch die Welt der klassischen Musik erreicht haben.

Am Sonntag teilte die Met mit, dass sie angesichts der Vorwürfe das Engagement von Levine nach vier Jahrzehnten suspendiert habe. Levine wird die geplanten Opernaufführungen nicht dirigieren, berichtet die NYT.

Die New York Times veröffentlichte am Sonntag Einzelheiten aus einem Polizeibericht von 2016, der dem Opernhaus im vergangenen Jahr vorgelegt worden war. Außerdem interviewte das Blatt den betroffenen Mann und sprach mit seinen Familienangehörigen. Demnach soll Levine, damals Anfang 40, im Jahr 1985 am Rande eines Musikfestivals Kontakt zu dem damals 15-Jährigen aufgenommen und die Beziehung über Jahre weitergeführt haben.

Laut «New York Times» erklärte sich Levine 2016 auf Nachfrage der Met für nicht schuldig. Eine aktuelle Stellungnahme lag am Sonntag zunächst nicht vor. Die Met dürfte allerdings unter Druck geraten, weil sie die Sache nicht weiter verfolgt hatte. Die NYT schreibt, das Opernhaus habe seine eigenen Ermittlungen eingestellt, nachdem man von der Polizei nichts weiteres vernommen habe. Vor dem Hintergrund der Entwicklungen bei sexuellem Missbrauch dürfte sich die Met veranlasst sehen, der Sache nun erneut nachzugehen.

In einem weiteren Bericht der NYT melden sich insgesamt drei Opfer zu Wort. Die jungen Männer waren demnach von Levine missbraucht worden, als sie wegen ihrer Karrieren als Musiker von ihm abhängig waren.

Noch ist nicht abzusehen, ob die Vorwürfe Folgen für die künstlerische Position von Levine haben werden. Im Film-Bereich haben zahlreiche Unternehmen die Zusammenarbeit mit Stars umgehend beendet, als deren Verfehlungen bekannt geworden waren.