Tages- und Festgeldrechner präsentiert von ZINSPILOT

 

EZB spekuliert mit Unternehmens-Anleihen und verliert

Lesezeit: 2 min
07.12.2017 17:02
Die EZB hat mit dem Kauf von Anleihen des Möbelherstellers Steinhoff hohe Kursverluste eingefahren.
EZB spekuliert mit Unternehmens-Anleihen und verliert

Die Europäische Zentralbank hat mit dem Kauf von Anleihen des weltweit zweitgrößten Möbelkonzerns Steinhoff Kursverluste in unbekannter Höhe eingefahren. Das deutsch-südafrikanische Unternehmen muss sich dem Vorwurf der Bilanzfälschung stellen, der Aktienkurs war in den vergangenen Tagen massiv eingebrochen.

Wie der Finanzblog Wolfstreet berichtet, hatte die EZB zuvor Anleihen des Unternehmens in unbekannter Höhe gekauft. Dies geht aus offiziellen Dokumenten der Zentralbank hervor.

Steinhoff hatte im Juli des laufenden Jahres Anleihen im Gesamtwert von 800 Millionen Euro zu einem Zinssatz von 3,5 Prozent verkauft, die im Januar 2025 fällig werden. Weil das Unternehmen zur damaligen Zeit solvent schien, erhielten die Papiere eine gute Bewertung und durften folglich von der EZB im Zuge ihres umstrittenen Anleihe-Kaufprogramms erworben werden, berichtet finanzmarktwelt.de.

Zum Zeitpunkt des Kaufes lag der Kurs der Papiere bei 100 Prozent für jeden Euro. Als die Spekulationen um mögliche Bilanzfälschungen auftauchten, sackte der Kurs ab. Am Mittwoch lag er bei nur noch 33 Prozent für den Euro. Dies bedeutet, dass die EZB derzeit Buchverluste im Umfang von etwa 70 Prozent auf ihre Steinhoff-Bonds verkraften muss. Diese können sich noch ausweiten. Weil die Zentralbank den Umfang der Käufe nicht veröffentlicht, ist nicht klar, wie hoch der Buchverlust derzeit ist.

Reuters berichtet, dass Steinhoff-Aktien am Mittwoch und Donnerstag zusammen mehr als 80 Prozent an Wert eingebüßt haben. Die von den Euro-Wächtern gehaltene Steinhoff-Anleihe reagierte ebenso heftig: Binnen weniger Tage stieg die Rendite auf fast zwölf Prozent.

Wolfstreet berichtet unter Berufung auf Daten von UBS und Bloomberg, dass die EZB derzeit 26 Anleihen mit Junk Bond-Status (Bonität von BB+ oder tiefer) sowie 233 Anleihen ohne Bonitätsprüfung hält.

Bei den Aktionären von Steinhoff liegen die Nerven inzwischen blank. Nach dem Kurssturz am Mittwoch von 63 Prozent brachen die Titel am Donnerstag um weitere 35 Prozent auf nur noch 72 Cent ein, berichtet Reuters. Der nach Ikea weltweit zweitgrößte Möbelhändler verlor seit Wochenbeginn mehr als elf Milliarden Euro an Börsenwert. Dies entspricht in etwa der gesamten Marktkapitalisierung des Dax-Wertes RWE.

„Die Aktie will aktuell keiner mehr haben, alle wollen raus“, sagte ein Händler. Um seinen Platz im Nebenwerteindex MDax müsste Steinhoff auf dem aktuellen Kursniveau zwar noch nicht bangen – noch so ein schwarzer Börsentag würde den einstigen Dax-Anwärter aber in die Bredouille bringen. „Noch reicht der Börsenwert aus, erst wenn die Aktie weiter an Wert verliert, wird es gefährlich“, sagte Index-Experte Tobias Adler von der Oddo Seydler Bank. Seinen Berechnungen zufolge wäre es bei einem Fall des Aktienkurses unter 50 Cent kritisch. „Dann könnte die Aktie beim nächsten Überprüfungstermin der Börse im März in den SDax absteigen.“

Für Steinhoff ist es so oder so ein Tiefpunkt in der Firmengeschichte. Im August 2016 hatten die Aktien bei 6,16 Euro ein Rekordhoch erreicht, galten einst als Anwärter auf einen Platz im Leitindex Dax. Gemessen an den alten Höchstständen haben Aktionäre einen Kursverlust von rund 90 Prozent in den Büchern stehen. Das ursprünglich aus Westerstede bei Bremen stammende Unternehmen ist auch an der südafrikanischen Börse gelistet. Am Donnerstag fielen sie an der Börse in Johannesburg um 30 Prozent.

Das Management des Konzerns werde zunehmend zur Belastung, sagte Fondsmanager Michael Treherne vom Vermögensverwalter Vestact. „Einer der Gründe in Steinhoff investiert zu sein, war bislang eigentlich, dass sie das Wertpotenzial gut ausschöpfen konnten.“

Seit Monaten stehen Manager des Betreibers der „Poco“-Möbelhäuser unter dem Verdacht der Bilanzfälschung. In dieser Woche erschütterte der Rücktritt des seit zwei Jahrzehnten amtierenden Konzernchefs Markus Jooste das ohnehin angeschlagene Vertrauen der Anleger. Zudem räumte der Aufsichtsrat ein, dass neue Informationen in Bezug auf Bilanzunregelmäßigkeiten weitere Nachforschungen erforderlich machten. Die Firma teilte zuletzt mit, ihre Liquidität mit Verkäufen verbessern zu wollen.



DWN
Politik
Politik China baut Griechenland zum europäischen Brückenkopf der Neuen Seidenstraße auf

Chinas Staatschef Xi Jinping hat während seines Besuches weitere Investitionen in Griechenland angekündigt. Mithilfe der Chinesen stieg...

DWN
Politik
Politik „Die EU darf nicht gegen Amerikaner, Russen oder Chinesen sein. Sie muss mit allen zusammenarbeiten“

Ende Oktober fand in Verona - inzwischen zum zwölften Mal – das Eurasische Wirtschaftsforum statt. Die Deutschen Wirtschaftsnachrichten...

DWN
Politik
Politik Bolivien: Morales flieht nach Mexiko, im Land brechen Unruhen aus

Der bolivianische Ex-Präsident Morales ist nach Mexiko ins Exil geflohen. Zuvor wurde er vom Militär unter dem Vorwand der Wahlfälschung...

DWN
Deutschland
Deutschland Gewerkschaft fordert nationalen Rettungsplan für die Windkraft-Branche

Angesichts des nahezu stagnierenden Neubaus von Anlagen sowie des massiven Stellenabbaus beim Betreiber Enercon werden Rufe nach einem...

DWN
Deutschland
Deutschland Heckler&Koch steht zum Verkauf: BND untersucht dubiose Interessenten

Der deutsche Waffenproduzent Heckler&Koch wird von Schulden bedrückt. Jetzt gibt es Meldungen, dass er verkauft werden soll. An wen, ist...

DWN
Technologie
Technologie Das Wohlstandsversprechen des Technologie-Zeitalters hat sich als Farce entpuppt

Zu Beginn des digitalen Zeitalters wurden Chancengleichheit und Wohlstand für alle propagiert. Davon ist heute nichts mehr zu erkennen,...

DWN
Politik
Politik Türkei: Gründer der White Helmets tot aufgefunden

Der ehemalige britische Offizier und Gründer der Zivilschutzorganisation White Helmets, James Le Mesurier, wurde in Istanbul tot...

DWN
Technologie
Technologie Experte: Rabatte auf Neuwagen werden steigen - Interessenten sollten Kauf also aufschieben

Im Oktober waren die Rabatte für Neuwagen rückläufig. Das heißt aber nicht, dass die Rabatte auch in den kommenden Monaten zurückgehen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Bei Russlands Staatsbahn kriecht die Fracht im Schneckentempo über die Gleise

Die russische Staatsbahn RZD betreibt ein riesiges Netz, das sich über mehrere Zeitzonen erstreckt, und ist mit mehr als 700.000...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Nach Morales-Sturz: Lithium-Projekt mit Deutschland könnte wieder aufgenommen werden

Der gestürzte bolivianische Präsident Evo Morales hatte ein Projekt zur Verarbeitung von Lithium mit einem deutschen Unternehmen...

DWN
Finanzen
Finanzen ETFs stocken Goldbestände deutlich auf

Börsengehandelte Fonds haben im dritten Quartal ungewöhnlich viel Gold gekauft.

DWN
Politik
Politik EU-Staaten bauen ihre militärische Zusammenarbeit aus

Im Rahmen des Pesco-Programms bauen die EU-Staaten ihre militärische Zusammenarbeit mit 13 neuen Projekten weiter aus.

DWN
Politik
Politik Ungarn treibt strategische Allianz mit Russland und der Türkei voran

Ungarns Präsident Orbán baut die Beziehungen seines Landes zu Russland und zur Türkei deutlich aus. Ungarn hat mittlerweile als einziges...

DWN
Deutschland
Deutschland Gewalt gegen Schiedsrichter: Sportgericht sperrt fast komplette Mannschaft von Kreisligist

Ein Sportgericht hat fast die gesamte Mannschaft des Kreisligisten BV Altenessen II wegen einer Hetzjagd auf einen Schiedsrichter gesperrt....

celtra_fin_Interscroller