Großbritannien forciert den Freihandel mit Asien

Die britische Regierung will nach dem Austritt aus der EU dem geplanten pazifischen Freihandelsabkommen TPP beitreten. Die Chancen der Idee sind ungewiss.

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EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und die britische Premierministerin Theresa May reden am 04.12.2017 in Brüssel über den Freihandel. (Foto: dpa)

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und die britische Premierministerin Theresa May am 04.12.2017 in Brüssel. (Foto: dpa)

Für die Zeit nach dem EU-Austritt sieht sich Großbritannien einem Bericht zufolge im Pazifikraum nach neuen Handelspartnern um. Das Land sei an einem Beitritt zum Transpazifischen Freihandelsabkommen TPP interessiert und habe dazu bereits informelle Gespräche aufgenommen, berichtete die Financial Times.

Die USA waren unter Präsident Donald Trump aus dem TPP ausgestiegen, weil die Rahmenbedingungen des Abkommens Trump zufolge einen Wettbewerbsnachteil für die Amerikaner und einen Verlust an gut bezahlten Arbeitsplätzen bedeutet hätte. Die übrigen Staaten vereinbarten im November, das Abkommen unter dem Namen „Comprehensive and Progressive Agreement for Trans-Pacific Partnership“ fortzusetzen.

Mit Staaten wie Japan, Australien, Kanada und Mexiko sind bislang nur Pazifikanrainer an TPP beteiligt. Dem britischen Handelsstaatssekretär Greg Hands zufolge spricht die Lage des Vereinigten Königreichs jedoch nicht gegen einen Beitritt: „Dabei ist nichts ausgeschlossen. Bei solchen multilateralen Beziehungen muss es keine geografischen Beschränkungen geben.“

Doch selbst wenn die Briten dem Abkommen beitreten sollten, dürften die ökonomischen Vorteile begrenzt sein. Beispielsweise entfielen im Jahr 2016 auf Japan – der mit Abstand größten am TPP-Projekt beteiligten Volkswirtschaft – nur etwa 1,6 Prozent der britischen Warenexporte, wie aus Daten des Massachusetts Institute of Technology hervorgeht. Alle 11 TPP-Länder zusammen standen 2016 für nur 8 Prozent der britischen Warenexporte – auf Deutschland allein jedoch entfielen etwa 11 Prozent.

„Das Gleiche gilt für britische Exporte von Dienstleistungen. Im ersten Halbjahr 2016 exportierte Großbritannien Dienstleistungen im Umfang von fast 1,7 Milliarden Pfund nach Japan, aber etwa 16,6 Milliarden Pfund in die USA“, schreibt die FT.

Die Opposition in Großbritannien zeigt sich der Idee gegenüber skeptisch. Die Regierung in London solle sich stärker auf die „Schlüsselabkommen für die Zukunft“ mit der EU konzentrieren. „Natürlich könnte TPP helfen, aber es ist nur ein Nebenschauplatz und im Moment baut die Regierung das künstlich auf“, wird Barry Gardiner von der Labour Partei zitiert. „Das riecht nach Verzweiflung. Diese Leute wollen, dass wir den Markt vor unserer Haustüre verlassen und einem anderen, weit entfernten, kleineren Markt am anderen Ende der Welt beitreten. Das ist alles Wunschdenken“, zitiert die FT einen Abgeordneten der Liberaldemokraten.

Als Teil der Europäischen Union profitiert Großbritannien vom gemeinsamen Binnenmarkt und den Handelsabkommen mit wichtigen Partnern in Amerika und Asien. Den geltenden EU-Regeln zufolge kann Großbritannien aber solange keine neuen Handelsabkommen vereinbaren, bis es die Europäische Union im März 2019 verlassen hat. Die FT zitierte einen nicht näher genannten Vertreter eines TPP-Landes mit den Worten, es sei noch „viel zu früh“, die Beitrittsfrage zu erörtern. Die Regierung in London hatte bereits wenige Wochen nach dem Austritts-Referendum im Sommer 2016 angekündigt, dass sie für die Zeit nach dem Brexit Handelsvereinbarungen mit zahlreichen Staaten außerhalb der EU anstrebt – darunter auch mit Kanada und Australien.