Britischen Pensions-Fonds droht Pleite-Welle

 

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01.02.2018 17:21
Zwei Drittel aller britischen Pensionsfonds haben zu wenig Kapital, um die Ansprüche der Versicherten zu gewährleisten.
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Einer Untersuchung der Aufsichtsbehörde Pension Protection Fund (PPF) zufolge verwalten etwa zwei Drittel aller britischen Pensionsfonds ein Defizit und verfügen demnach nicht über ausreichend Kapital, um alle Ansprüche ihrer Versicherten zu decken.

Wie Yahoo Finance berichtet, beläuft sich der gesamte Fehlbetrag aller Pensions-Fonds auf etwa 210 Milliarden Pfund (rund 240 Milliarden Euro). Der Untersuchung zufolge erwirtschaften derzeit 3.710 der 5.588 vom Pension Protection Fund überwachten Pensionsfonds von Unternehmen und öffentlichen Institutionen ein Defizit. Die Fehlbeträge könnten sich negativ auf die Pensionen von Millionen Versicherten auswirken.

Der PPF musste bereits zweimal in den vergangenen Wochen aktiv werden. Im Dezember des vergangenen Jahres mussten kurzfristig knapp 10 Millionen Pfund (11 Millionen Euro) in den Pensionsfonds des insolventen Spielzeugherstellers Toys’R’Us gesteckt werden, um Auszahlungen an Mitarbeiter zu sichern.

Der Bankrott des großen Baukonzerns Carillion im Januar führte dazu, dass der PPF derzeit an der Schließung eines Schätzungen zufolge 800 Millionen Pfund (910 Millionen Euro) großen Defizits in den Vorsorgesystemen des Unternehmens arbeiten muss. Die Gesamtschulden von Carillion belaufen sich auf etwa 1,3 Milliarden Pfund (1,5 Milliarden Euro).

Unter den Unternehmen, welche hohe Defizite in ihren Pensionssystemen aufweisen, gehören auch Schwergewichte, die im britischen Leitindex FTSE100 gelistet sind.

Die größten Fehlbeträge entfallen demnach auf das Telekommunikationsunternehmen BT mit umgerechnet rund 10 Milliarden Euro, auf den Erdölkonzern Royal Dutch Shell mit etwa 7,8 Milliarden Euro, den Erdölkonzern BP mit etwa 7,6 Milliarden Euro, auf die Supermarktkette Tesco mit etwa 7,5 Milliarden Euro sowie auf den Rüstungskonzern BAE Systems mit ebenfalls rund 7,5 Milliarden Euro.

Beobachtern zufolge wird es in Zukunft vermehrt zu Zusammenbrüchen von Fonds kommen. „Die Frage ist nicht, ob es ein neues Carillion geben wird, sondern nur, wann dies geschehen wird. Wenn zwei Drittel aller Vorsorgesysteme in den roten Zahlen stecken, dann ist es unausweichlich, dass es noch mehr Insolvenzen geben wird, die beim PPF landen“, wird der frühere Sozialminister und jetzige Direktor der Pensionsgesellschaft Royal London, Steve Webb, von Yahoo Finance zitiert.

Die Beratungsgesellschaft PwC schätzte in einem im Oktober veröffentlichten Bericht das Gesamtdefizit britischer Fonds sogar auf 410 Milliarden Pfund (470 Milliarden Euro). PwC zufolge haben die etwa 5.800 untersuchten Pensionsfonds Aktiva in Höhe von 1,6 Billionen Pfund und Verbindlichkeiten von 2 Billionen Pfund.

Die Situation in Großbritannien ist keine Ausnahme. In der gesamten westlichen Welt stehen die Renten- und Pensionssysteme vor Zerreißproben, weil die demografische Entwicklung deren Fundament erschüttert und weil viele Gesellschaften im gegenwärtig von den Zentralbanken erzeugten Niedrigzinsumfeld keine Rendite mehr erwirtschaften können. Vor kurzem wurde beispielsweise bekannt, dass der Pensionsfonds des EU-Parlaments ebenso ein Defizit verwaltet wie der staatliche Pensionsfonds Spaniens und zahlreiche Fonds in den USA.


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