Finanzen

Deutsche Börse will Geschäft mit Mittelstands-Anleihen beleben

Lesezeit: 1 min
22.04.2018 17:39
Die Deutsche Börse hat strengere Richtlinien für die Ausgabe von Mittelstandsanleihen erlassen, um das Geschäft mit ihnen wiederzubeleben.
Deutsche Börse will Geschäft mit Mittelstands-Anleihen beleben

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Die Deutsche Börse hat strengere Richtlinien für den Handel mit Mittelstands-Anleihen (SME-Anleihen) erlassen, berichtet das Wall Street Journal. Die neuen Regularien beinhalten strengere Zulassungskriterien für Anbieter als auch umfassendere Pflichten, die sie nach Ausgabe ihrer Anleihe erfüllen müssen. Unter anderem muss jeder Anbieter einen positiven Jahresüberschuss sowie eine positive Eigenkapitalquote aufweisen und Insiderinformationen so schnell wie möglich veröffentlichen, um dem Insiderhandel vorzubeugen (Ad-hoc-Publizität). Außerdem muss jede Anleihe über ein Gesamtvolumen von mindestens 20 Millionen Euro verfügen.

Die Börse hat die neuen Regularien erlassen, um das SME-Anleihegeschäft wiederzubeleben. Es hatte nachgelassen, nachdem eine ganze Reihe von Anbietern ihren Rückzahlungsverpflichtungen nicht nachgekommen war. 2016 betrug die Gesamtsumme nicht zurückgezahlter Anleihen plus Zinskupons (Rendite) laut der Stuttgarter Beratungsfirma Capmarcon 889,6 Millionen. Das hatte potentielle Anleger abgeschreckt.

Experten begrüßen die neuen Regularien. Das Gleiche gilt für die Verantwortlichen von potentiellen Emittenten, vor allem solche, die in der Vergangenheit ihren Rückzahlungsverpflichtungen nachkamen. Die würden gerne weiterhin Anleihen begeben, tun das jedoch häufig nicht, weil das Misstrauen der Anleger so groß geworden ist, dass sie nur noch Anleihen mit äußerst hohen Zinskupons akzeptieren und kaufen.

Die Emission von SME-Anleihen hatte nach der Finanzkrise der Jahre 2007/2008 zugenommen, weil es für viele Mittelständler schwierig geworden war, sich auf dem regulären Finanzmarkt Geld zu besorgen. Anleihen haben für ihren Ausgeber außerdem den Vorteil, dass er keine Sicherheiten zu hinterlegen braucht und dem Käufer keine Rechenschaft über die Verwendung des geliehenen Geldes ablegen muss.

Für die Ausgabe von SME-Anleihen gebe es „keine einheitlichen Standards“, zitiert das Wall Street Journal Capmarcon-Geschäftsführer Hans-Werner Grunow. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) prüft Anleihen „in Hinblick auf die Verständlichkeit der Angaben, ihrer Vollständigkeit und Widerspruchsfreiheit“, so eine BaFin-Sprecher gegenüber den Deutschen Wirtschaftsnachrichten. Lägen diese Voraussetzungen vor, habe die BaFin die Anleihe zu billigen: „Eine inhaltliche Prüfung, beispielsweise im Hinblick auf die Seriosität des Anbieters, findet dagegen nicht statt.“


Mehr zum Thema:  

DWN
Finanzen
Finanzen Legale Tricks: Steuern sparen bei Fonds und ETFs - so geht's!
20.05.2024

Steuern fressen einen großen Teil der Börsengewinne auf. DWN zeigt Ihnen 11 legale Wege, wie Sie Steuern bei Fonds und ETFs sparen und...

DWN
Panorama
Panorama In wenigen Klicks: Verbraucher finden optimale Fernwärme-Tarife auf neuer Plattform
20.05.2024

Eine neue Online-Plattform ermöglicht es Verbrauchern, die Preise für Fernwärme zu vergleichen, was eine bedeutende Rolle in der...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft IEA schlägt Alarm: Rohstoffmangel gefährdet Klimaschutzziele
20.05.2024

Die Internationale Energie-Agentur warnt vor einem drohenden Mangel an kritischen Mineralien für die Energiewende. Mehr Investitionen in...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Fußball-EM 2024: Bierbranche hofft auf Rückenwind
20.05.2024

Weil die Deutschen immer weniger Bier trinken, schrumpft der hiesige Biermarkt und die Brauereien leiden. Eine Trendwende erhofft sich die...

DWN
Unternehmen
Unternehmen „Irreführende Praktiken“: Shein muss deutsche Website anpassen
20.05.2024

Nach einer Abmahnung durch deutsche Verbraucherschützer hat Shein eine Unterlassungserklärung unterzeichnet. Laut vzbv-Chefin Pop machen...

DWN
Technologie
Technologie BYD baut erstes Werk in der EU: Eine Gefahr für Deutschlands Autobauer?
20.05.2024

Bereits seit Dezember 2023 steht fest, dass BYD, Chinas wichtigste und staatlich geförderte Marke für Elektroautos, ein Werk in Szeged in...

DWN
Politik
Politik DWN-Interview mit Ex-Militärberater Jörg Barandat (zweiter Teil): Die Welt ist im Wasserkampf
20.05.2024

Jörg Barandat war unter anderem militärischer Berater im Auswärtigen Amt sowie Dozent für Sicherheitspolitik an der Führungsakademie...

DWN
Politik
Politik DWN-Interview mit Ex-Militärberater Jörg Barandat: „Wasser und Energie sind untrennbar miteinander verbunden.“
19.05.2024

Wasser sollte nicht getrennt von anderen Faktoren wie Energie und Klima betrachtet werden, sagt Jörg Barandat, langjähriger Berater...