Erstes chinesisches Unternehmen baut Autos in Europa

Der chinesische Autobauer Geely drängt auf den europäischen Markt.

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Der chinesische Autobauer Geely will in Zukunft Fahrzeuge der Marke „Lynk & Co“ auch in Europa verkaufen. Laut einer Pressemitteilung von Volvo sollen die Autos ab 2019 im Volvo-Werk in Gent (60 Kilometer nordwestlich von Brüssel) produziert und ab Frühjahr 2020 in Europa verkauft werden. Später sollen sie auch auf den amerikanischen Markt kommen. Geely ist seit 2010 Eigentümer von Volvo und der erste chinesische Autohersteller, der Autos außerhalb von China baut und außerhalb von China, Südost-Asien und Afrika verkaufen will. Die Marke Lynk wurde 2016 von Geely gegründet und richtet sich an eine jüngere Käuferschicht.

Gründer und Vorstandsvorsitzender von Geely ist der chinesische Unternehmer Li Shufu, der sich im Februar dieses Jahres mit 9,69 Prozent bei Daimler einkaufte und seitdem größter Einzelaktionär des Stuttgarter Konzerns ist. Gegenüber Bloomberg sagte Shufu, es sei „Geelys Traum, ein globales Unternehmen“ zu werden.

Lynks Chancen, sich auf Märkten durchzusetzen, die von europäischen, amerikanischen und japanischen Autobauern dominiert werden, beurteilen Marktbeobachter unterschiedlich. „Wer soll chinesische Autos kaufen? Wo ist der Bedarf?“, fragt Doug Betts vom Auto-Marktforschungsinstitut J.D. Power. Bob Lutz sieht das ähnlich. Der ehemalige Europa-Chef von Ford und stellvertretende Vorstandsvorsitzende von General Motors glaubt, dass Lynx´ Stil nur diejenigen Käufer anspreche, die bereits jetzt schon Autos aus Japan und vor allem Korea favorisieren: „Im Endeffekt wird Lynx keinen großen Marktanteil bekommen.“

Der im April als VW-Vorstandsvorsitzender zurückgetretene Matthias Müller äußert sich anders: „Die Konkurrenz aus China muss ernst genommen werden – das Land hat in den letzten Jahren eine beeindruckende Entwicklung durchlaufen.“

Peking hat ausländischen Unternehmen erlaubt, ab 2022 auch ohne einheimischen Partner-Konzern in China Autos zu bauen. Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen interpretiert das als „Druck auf die eigenen Autobauer, schneller international wettbewerbsfähig zu werden“.

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