Korea: Historisches Gipfeltreffen kündigt Zeitenwende an

Lesezeit: 2 min
27.04.2018 11:14
Süd- und Nordkorea haben auf einem historischen Gipfeltreffen mehrere politische Durchbrüche erzielt.
Korea: Historisches Gipfeltreffen kündigt Zeitenwende an

Die beiden koreanischen Staaten wollen die geteilte Halbinsel schrittweise von Atomwaffen befreien und den seit fast sieben Jahrzehnten andauernden Kriegszustand beenden. Gemeinsam mit den USA und China werde noch in diesem Jahr der nach dem Korea-Krieg von 1950 bis 1953 geschlossene Waffenstillstand in einen Friedensvertrag überführt, hieß es am Freitag zum Abschluss des ersten Korea-Gipfels seit über zehn Jahren.

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Il umarmte den südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In und sagte: „Nord- und Südkorea sind Brüder, die nicht getrennt voneinander leben sollten.“ Moon ergänzte: „Es gibt kein Zurück mehr.“ US-Präsident Donald Trump twitterte: „Der Korea-Krieg endet“. Nach einem „wilden Jahr“ mit Atom- und Raketentests passierten gute Dinge. Die Übereinkunft auf dem von viel Symbolik geprägten Treffen wurde international begrüßt.

„Die beiden Führer erklären vor dem 80-Millionen-Volk und der ganzen Welt, dass es nie wieder Krieg auf der koreanischen Halbinsel gibt und das Zeitalter des Friedens begonnen hat“, hieß es in der Erklärung. Die beiden Staaten wollen ihre Armeen verkleinern, feindliche Handlungen unterlassen und ihre schwer befestigte Grenze zu einer „Friedenszone“ umbauen. Eine „Nicht-Angriffsvereinbarung“ sorge dafür, dass alle feindlichen Aktivitäten „zu Land, zu Wasser und in der Luft“ eingestellt würden.

Im Herbst will Moon Kim die nordkoreanische Hauptstadt Pjöngjang besuchen. Bereits im Mai soll ein Treffen der Militärführungen stattfinden. Auf ziviler Ebene werden wieder Familienzusammenführungen geplant. An Sportereignissen wie den Asien-Spielen 2018 wollen die Mannschaften gemeinsam teilnehmen.

Der innerkoreanische Gipfel geht einem geplanten Treffen von Kim mit Trump voraus, das Ende Mai oder im Juni stattfinden soll. Die USA waren bereits im Korea-Krieg mit dem Süden verbündet und haben dort knapp 30.000 Soldaten stationiert. Trump will Nordkorea zur Aufgabe seines Atomprogramms bewegen.

Kim hatte erst am vergangenen Wochenende angekündigt, die Atom- und Raketentests auszusetzen und die Atomtestanlage im nördlichen Landesteil zu schließen. Er begründete dies damit, sein Land habe das Ziel erreicht, Atomwaffen zu entwickeln. Er wolle nun im Dialog mit der internationalen Gemeinschaft Frieden und Wirtschaftswachstum erreichen. Experten äußerten Zweifel, ob dies Kims wahre - oder einzige - Absicht ist. Die Atomtestanlage gilt als marode und das Land als wirtschaftlich ausgelaugt.

Das Gipfeltreffen in Panmunjom in der entmilitarisierten Zone stand im Zeichen der Versöhnung und war voller symbolischer Gesten - ein klarer Kontrast zur kriegerischen Rhetorik noch vor einigen Monaten, als die Atom- und Raketentests Sorgen vor einer militärischen Eskalation auch mit den USA schürten. Nach Angaben von Delegationsteilnehmern entschuldigte sich Kim scherzend für die Tests. Er habe gehört, dass er damit Moon wiederholt aus dem Schlaf gerissen habe. Dies werde aber nicht mehr vorkommen.

Kim und Moon zeigten sich entspannt, scherzten, lächelten und hielten sich wiederholt an den Händen. Am Morgen hatte Kim als erster nordkoreanischer Staatschef überhaupt südkoreanischen Boden betreten. Er griff Moons Hand und führte in spontan auch auf nordkoreanisches Gebiet - ein Schritt, den das minutiös ausgearbeitete Protokoll nicht vorgesehen hatte. „Jetzt beginnt eine neue Ära“, schrieb Kim in einem Gästebucheintrag: „Ein Zeitalter des Friedens“. Später pflanzten die beiden eine Kiefer und enthüllten einen Gedenkstein mit der Aufschrift: „Frieden und Wohlstand pflanzen.“ Beide führten mehrere Gespräche unter vier Augen, davon eines im Freien, wie TV-Sender live zeigten.

Das chinesische Außenministerium erklärte, es habe die Hoffnung, dass beide Seiten einen politischen Prozess zur Lösung der Probleme auf der Halbinsel vorantreiben könnten. China sei bereit, bei diesem Punkt weiter eine proaktive Rolle zu spielen. China gilt als engster nordkoreanischer Verbündeter.

Auch die Bundesregierung äußert sich erfreut. „Grundsätzlich sind wir froh darüber, dass Nordkorea endlich die ausgestreckte Hand Südkoreas angenommen hat“, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes. Man hoffe, dass Nordkorea nun mit der gleichen Ernsthaftigkeit wie Südkorea in den Dialog eintrete.

Das russische Präsidialamt sprach von einer „sehr positiven Entwicklung“. Russland werde alle weiteren Schritte begrüßen, um die Spannungen zu verringern, wie ein Treffen von Trump und Kim. Japans Regierungschef Shinzo Abe sagte, er erwarte von Nordkorea konkrete Schritte. Auch Abe erwägt ein baldiges Treffen mit Kim.


Mehr zum Thema:  

DWN
Finanzen
Finanzen Termingeschäfte eingeschränkt: Weltgrößter Pensionsfonds geht gegen Spekulanten vor

Mit einer Neuregelung zu seinem Aktienportfolio macht Japans staatlicher Pensionsfonds Leerverkäufern einen Strich durch die Rechnung....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Telefonica: Europas viertgrößter Telekom-Konzern in der Schuldenspirale, die EZB hängt als Gläubiger mit drin

Um seine massiven Schulden zu tilgen, plant Telefonica einen spektakulären Rückzug aus allen Märkten Lateinamerikas. Doch die dringend...

DWN
Deutschland
Deutschland Während Ungelernte kommen: 180.000 Akademiker und Fachkräfte verlassen Deutschland jedes Jahr

Rund 180.000 gut ausgebildete Fachkräfte oder Akademiker verlassen Deutschland jedes Jahr. Anstatt ständig den Zuzug ausländischer...

DWN
Politik
Politik Machtkampf um Bulgarien: Amerikaner gehen gegen dominante Russen in die Offensive

In Bulgarien begegnen sich die Einflussbereiche der USA und Russlands. Aktuell scheinen die Amerikaner wieder einen Schritt voraus gemacht...

DWN
Technologie
Technologie Beginnt die Abkopplung der Supermächte? Huawei baut erstmals Handy ohne US-Bauteile

Das neueste Handy des chinesischen Herstellers Huawei kommt ganz ohne in den USA gefertigte Chips aus. Es könnte das erste Anzeichen für...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Lithium-Reserven in Bolivien: Morales Sturz ist ein herber Rückschlag für China

Ende September sollen die Chinesen mit der inzwischen gestürzten bolivianischen Regierung eine vertiefte Zusammenarbeit im Lithium-Markt...

DWN
Politik
Politik Das Schicksal der Welt in den Händen von 5 Staaten

Die UN dient faktisch als Instrument von fünf Staaten, die international ihre eigenen Interessen verfolgen. Im UN-Sicherheitsrat verfügen...

DWN
Finanzen
Finanzen Japans Regierung versucht Rezession mit riesigem Kreditprogramm abzuwenden

Seit Monaten schwächt sich die Produktion und der Export des Landes ab. Nun versucht die Regierung mit dutzenden Milliarden gegenzuhalten.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Autozulieferer Bertrandt streckt Fühler nach Wasserstoff-Markt aus

Der schwäbische Industriedienstleister Bertrandt stemmt sich mit einem neuen Geschäftsfeld gegen den Abschwung. Der Markt dafür ist...

DWN
Finanzen
Finanzen Bundesregierung plant deutliche Verschärfung des Strafrechts für Firmen

Das Bundesjustizministerium arbeitet an einer Verschärfung der Gesetze zur Unternehmenskriminalität.

DWN
Finanzen
Finanzen Flucht in den Dollar: Syriens Währung fällt auf Rekord-Tief

Der Kurs der syrischen Lira ist Anfang der Woche auf ein neues historisches Tief gesunken. Hintergrund ist nicht zuletzt die Krise im...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Weißrussland ruft Serbien zu Beitritt in die Eurasische Wirtschaftsunion auf

Serbien hat bereits ein Abkommen mit der euroasiatischen Wirtschaftsunion (EAWU) unterzeichnet - der Konkurrenzorganisation zur EU. Jetzt...

DWN
Politik
Politik Moral predigen, Macht ausüben: Die Herrschaft der internationalen Organisationen

Eine neue Art von Akteuren spielt auf der Bühne der globalen Machtkämpfe mit. Doch ihnen und den etablierten internationalen...

DWN
Finanzen
Finanzen Lebens- und Rentenversicherungen: Die Luft wird dünn, Finanzaufsicht kündigt Intervention an

Die Situation bei den deutschen Lebens- und Rentenversicherungen spitzt sich weiter zu. Ursächlich dafür ist die seit Jahren betriebene...

celtra_fin_Interscroller