Finanzen

Harley Davidson will Produktion nach Thailand verlagern

Lesezeit: 2 min
26.06.2018 15:35
Der US-amerikanische Motorradbauer Harley Davidson will einen Teil seiner Produktion nach Thailand verlagern.
Harley Davidson will Produktion nach Thailand verlagern

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  
Strafzölle  
EU  
USA  
Wirtschaft  
Asien  

Der US-amerikanische Motorradbauer Harley Davidson hat angekündigt, seine Produktion infolge der von der EU erhobenen Importzölle teilweise nach Thailand zu verlagern.

US-Präsident Donald Trump kritisierte die geplante Produktionsverlagerung. „Anfang des Jahres sagte Harley-Davidson, dass sie einen Großteil ihrer Anlagen in Kansas City nach Thailand verlegen wollten“, schrieb Trump am Dienstag auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. „Das war lange, bevor die Zölle bekanntgegeben wurden.“ Daher nutzten sie die Handels- und Zollauseinandersetzung als Ausrede. Dies zeige, wie unausgewogen und unfair der Handel sei.

Das werde aber behoben. „Wir bringen andere Länder dazu, Zölle und Handelshemmnisse, die seit Jahren ungerechtfertigterweise gegen unsere Landwirte, Arbeitnehmer und Unternehmen verwendet werden, abzubauen und zu beseitigen“, schrieb Trump. „Wir öffnen geschlossene Märkte und bauen unsere Präsenz aus. Sie müssen fair spielen oder sie zahlen Zölle!“

Harley hatte die Entscheidung für den Bau einer Fabrik in Thailand mit der Entscheidung Trumps begründet, dass sich die USA aus dem transatlantischen Freihandelsabkommen TPP zurückziehen. Dieses hätte die Zölle für Motorräder in einigen der am schnellsten wachsenden asiatischen Märkte gesenkt. Harley-Davidson hatte am Montag zudem angekündigt, wegen der EU-Strafzölle - die in Reaktion auf die US-Zölle auf Aluminium und Stahl erhoben wurden - Produktion für den europäischen Markt ins Ausland zu verlegen.

Die EU verfügt mit Thailand über kein Freihandelsabkommen. Wie das Bundeswirtschaftsministerium schreibt, ruhen die im Mai 2013 begonnenen Verhandlungen mit Thailand aufgrund der Machtübernahme durch das Militär seit der vierten Verhandlungsrunde im April 2014. Ein Verhandlungsabschluss werde aber nur mit einer demokratisch gewählten Regierung in Thailand möglich sein.

Trotzdem ergeben sich für Harley wahrscheinlich deutliche Kostenvorteile durch die Produktion in Thailand. Einer Aufstellung von länderdaten.info zum durchschnittlichen Einkommen zufolge liegen die USA mit einem durchschnittlichen Einkommen von 51.000 Dollar pro Jahr auf Platz 8. Thailand liegt mit einem jährlichen Durchschnittseinkommen von rund 5.000 Dollar auf Platz 52.

Destatis zufolge beträgt das Bruttonationaleinkommen pro Einwohner in den USA rund 56.000 Dollar und jene sin Thailand etwa 5.600 Dollar.

Die USA erheben seit dem 1. Juni Strafzölle von 25 Prozent auf Stahl und zehn Prozent auf Aluminium aus Europa. Die EU hatte am Freitag im Gegenzug Zölle auf US-Waren im Wert von 2,8 Milliarden Euro in Kraft gesetzt, von denen auch die legendären Motorräder von Harley-Davidson getroffen werden. Sie verteuern sich dem Unternehmen zufolge bei der Einfuhr nach Europa im Schnitt um 2200 Dollar (1880 Euro).

***

Für PR, Gefälligkeitsartikel oder politische Hofberichterstattung stehen die DWN nicht zur Verfügung. Bitte unterstützen Sie die Unabhängigkeit der DWN mit einem Abonnement:

Hier können Sie sich für einen kostenlosen Gratismonat registrieren. Wenn dieser abgelaufen ist, werden Sie von uns benachrichtigt und können dann das Abo auswählen, dass am besten Ihren Bedürfnissen entspricht. Einen Überblick über die verfügbaren Abonnements bekommen Sie hier.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Ratgeber
Ratgeber Ausweg aus der Krise durch alternative Bezahlplattform

Das Vertrauen in die Banken und die Politik schwindet zusehends. Die aktuell schwierige wirtschaftliche Lage, welche aufgrund der Covid-19...

DWN
Politik
Politik Neuer Brennpunkt im Nahen Osten: Wer steckt hinter der Palast-Intrige in Jordanien?

Jordanien galt als Stabilitätsanker im Nahen Osten. Doch jetzt könnte ein Umsturzversuch das Land entscheidend destabilisieren - und...

DWN
Technologie
Technologie Neue wissenschaftliche Erkenntnisse: Fangen E-Autos tatsächlich schneller an zu brennen?

Nicht wenige glauben, dass E-Autos schneller Feuer fangen als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Die TU Braunschweig hat dazu jetzt...

DWN
Finanzen
Finanzen Nie zuvor haben Investoren so viel Geld in ETFs investiert

Im ersten Quartal gab es Rekordzuflüsse von 359,2 Mrd. Dollar in börsengehandelte Fonds. Der historische Rekord ist eine Folge der...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Regierung muss keine Geldgeschenke verteilen: Selbsterarbeiteter Wirtschaftsboom in China erreicht Verbraucher

Der starke Anstieg der Importe zeigt, dass der Wirtschaftsboom in China nun auch bei den Verbrauchern angekommen ist. Im Gegensatz zu den...

DWN
Technologie
Technologie Ein nationaler Stromausfall rückt immer näher: Deutschland schaufelt sich mit seiner radikalen Energie-Politik sein eigenes Grab

DWN-Kolumnist Ronald Barazon liefert eine brisante Analyse der fehlenden Energiesicherheit unseres Landes.

DWN
Finanzen
Finanzen Darum sollten Sie Ihren Nachlass rechtzeitig regeln

Niemand denkt gerne an den eigenen Tod. Und doch ereilt er uns irgendwann alle. Vor allem, wenn man selbst Kinder hat, sollte man früh...

DWN
Politik
Politik Keine Masken, keine Polizei, keine Lockdowns: Wie DWN-Autor Christian Kreiß die Pandemie in Costa Rica erlebte

Um den Anti-Corona-Maßnahmen in Deutschland zu entfliehen, verbrachte Christian Kreiß drei Monate in Costa Rica. Der DWN-Autor liefert...

DWN
Politik
Politik Bericht: Russland verhindert Attentat auf weißrussischen Präsidenten Lukaschenko, Minsk beschuldigt Biden

Die russischen Sicherheitsbehörden haben eine Gruppe von Personen festgenommen, die ein Attentat auf den weißrussischen Präsidenten...