Politik

US-Behörden wollen mehr Einblick bei Volkswagen

Lesezeit: 2 min
27.08.2018 14:56
Ein von der US-Justiz eingesetzter Aufpasser und sein 60-köpfiges Team haben ihren ersten Bericht veröffentlicht.
US-Behörden wollen mehr Einblick bei Volkswagen

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Der von der US-Justiz bei Volkswagen zur Aufarbeitung des Dieselskandals eingesetzte "Aufpasser" Larry Thompson will in seinem ersten Bericht einige Verstöße gegen US-Auflagen festgestellt haben. Das berichtet die Nachrichtenagentur AFP.

So seien ihm Informationen vereinzelt erst mit Verzögerung bereitgestellt worden. Als Independent Compliance Auditor (ICA) habe er seine Bedenken diesbezüglich geäußert. "Diese Thematik ist in der nächsten Berichtsperiode umgehend zu klären, damit der ICA seinen Auftrag effektiv erfüllen kann." Er erwarte, dass VW sämtliche Informationen, die er für notwendig erachte, zeitnah zur Verfügung stelle. Der Autobauer habe Verbesserungen zugesagt. Der Jahresbericht ist der erste von drei geplanten Berichten.

Zeitgleich mit der Veröffentlichung des Berichts hob Thompson bei einer Pressekonferenz in Wolfsburg hervor, dass Volkswagen seine Bedenken ernst nehme. "Es sind eine Reihe von positiven Prozessen angestoßen worden." Bis der Konzern alle Verpflichtungen gegenüber der US-Justiz hinsichtlich Integrität, Compliance und Kultur erfüllt habe, sei aber noch einiges zu tun. "Dort sind wir noch nicht angekommen."

Die von Volkswagen nach dem Dieselskandal eingesetzte Integritäts- und Rechtsvorständin Hiltrud Werner machte klar, dass die angestoßene Veränderung der Unternehmenskultur den Konzern noch viele Jahre beschäftigen werde. Bis 2020 wolle man das Integritäts-Programm auf alle Marken ausdehnen und dann rund 70 Prozent der Belegschaft erreichen. "Wir haben einen Marathon vor uns." Fünf Jahre später sollten weltweit alle Tochtergesellschaften und damit alle rund 650.000 Mitarbeiter erreicht werden.

Die von Thompson aufgezeigten Verstöße bezeichnete sie als weniger gravierend. In einem Fall gehe es dabei um einen Katalog von Compliance-Fragen in Handbüchern, die das Management bei der Beachtung von US-Umweltgesetzen unterstützen sollten, aber "aus Versehen" nicht aufgenommen worden seien. Der andere Fall beziehe sich auf schriftliche Mitteilungen, die innerhalb eines bestimmten Zeitraums vor Beginn von Abgasmessungen an die kalifornische Umweltbehörde CARB gesendet werden müssten. Dies sei "schlichtweg übersehen" worden. Im Grunde seien dies Dinge, "die wir hätten umsetzen können, wenn wir achtsamer gewesen wären", räumte Werner ein.

Auf Fragen nach den Ursachen des Dieselskandals verwies Thomson auf die laufenden Untersuchungen in den USA und in Deutschland. "Das ist nicht auf meiner Verantwortungsliste." Er sei kein Ermittler, sondern dafür zuständig, dass VW seine Verpflichtungen erfülle. Er könne noch nicht bewerten, ob die eingeleitete Veränderung wirksam seien, sagte Thompson, der früher stellvertretender US-Generalstaatsanwalt war.

Um zu illustrieren, dass Volkswagen den Wandel ernst nehme, verwies der 72-Jährige auf Aussagen von Konzernchef Herbert Diess. Dieser will den Wolfsburger Großkonzern, der seit fast drei Jahren mit den Folgen des Dieselskandals ringt, "anständiger" machen. Volkswagen müsse ehrlicher, offener und wahrhaftiger werden, hatte Diess im Mai vor den Aktionären angekündigt.

Thompson hat ein Team von rund 60 Spezialisten zusammengestellt, denen der Autobauer auf Verlangen alle erforderlichen Unterlagen zugänglich machen muss. Der Monitor überwacht, ob die Wolfsburger den mit den US-Behörden geschlossenen Vergleich einhalten und die versprochenen Reformen umsetzen. In den Verhandlungen mit der US-Justiz hatte VW zugegeben, mit Abgasangaben Behörden und Kunden jahrelang betrogen, Umweltrecht verletzt und die Justiz behindert zu haben. Der strafrechtliche Vergleich hat ein Volumen von gut vier Milliarden Euro. Insgesamt kostet die Aufarbeitung der weltweit millionenfachen Abgasmanipulation VW bislang mehr als 27 Milliarden Euro.

Auch andere europäische Unternehmen haben bislang Erfahrung mit US-Aufpassern gemacht. So muss die Credit Suisse seit Jahren einen vom US-Justizministerium eingesetzten Überwacher bezahlen, welcher Millionenkosten verursacht und trotz des offiziellen Endes seiner Tätigkeit noch in der Bank verblieb.

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