Skoda überrascht alle und wird zur Perle von Volkswagen

Skoda befindet sich auf einem nachhaltigen Erfolgskurs und meldet Steigerungen bei Gewinn, Umsatz und Absatz.

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Monitore sind am 01.12.2017 in einer E-Studie von Skoda auf der Essen Motor Show in Essen (Nordrhein-Westfalen) zu sehen. (Foto: dpa)

Monitore sind am 01.12.2017 in einer E-Studie von Skoda auf der Essen Motor Show in Essen (Nordrhein-Westfalen) zu sehen. (Foto: dpa)

Die tschechische VW-Tochter Skoda expandiert seit Jahren kräftig und meldet stetig wachsende Verkaufszahlen. 2017 setzte der Autobauer mit Sitz in Mlada Boleslav (60 Kilometer nordöstlich von Prag) weltweit fast 1,25 Millionen Fahrzeuge ab, ein Plus von 6,6 Prozent im Vergleich zum Jahr davor. In Deutschland waren es 2017 196.000 Fahrzeuge, was einer Steigerung von knapp 5,4 Prozent entspricht. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres wurden in Deutschland 106.800 Skodas verkauft, ein Plus von 8,1 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum 2017 und fast das Dreifache des Wachstums des deutschen Gesamtautomobilmarkts (2,9 Prozent). Der Anteil von Skoda an diesem Markt beträgt 5,7 Prozent. Damit sind die Tschechen hierzulande seit 2009 ununterbrochen der größte Auto-Importeur. Marktbeobachter bezeichnen Skoda häufig als „Perle des VW-Konzerns“.

Die Erfolgsgeschichte begann im Jahr 1991, als der Staatskonzern Skoda privatisiert wurde und Volkswagen 31 Prozent der Anteile erwarb. Auch General Motors, BMW und Renault hatten ihr Interesse bekundet, die tschechische Regierung das Zukunftskonzept der Wolfsburger jedoch als erfolgversprechendstes angesehen. Skoda setzte vor der Übernahme durch VW rund 170.000 Autos im Jahr ab, wobei sich die Angebotspalette auf lediglich zwei Modellreihen beschränkte, die von 21.000 Beschäftigten gebaut wurden (heute sind es 31.600 Mitarbeiter, die Produktivität pro Beschäftigtem hat sich also nahezu verfünffacht).

1998 hatten sich die Verkaufszahlen auf rund 400.000 mehr als verdoppelt. Im Mai 2000 übernahm VW die letzten noch im Fremdbesitz befindlichen Anteile und wurde damit alleiniger Inhaber des 1895 als Fahrrad-Fabrik gegründeten böhmischen Traditionsunternehmens. 2005 wurde der zehnmillionste Skoda abgesetzt, womit in der knapp fünfzehnjährigen VW-Ära mit fünf Millionen Einheiten genauso viele Skodas verkauft worden waren wie in der fast 100 Jahre langen vorherigen Firmengeschichte. 2016 wurde der zwanzigmillionste Skoda abgesetzt. 2014 wurde zum ersten Mal die Marke von einer Million verkaufter Einheiten im Jahr überschritten. Seitdem hat Skoda in jedem Jahr mehr als eine Million Autos im Jahr verkauft.

Skoda galt in Osteuropa schon vor dem Fall des Eisernen Vorhangs als Edelmarke; bei der Übernahme durch Volkswagen sei der tschechische Autobauer eine Marke mit „Potential“ gewesen, so der damalige VW-Vorstandsvorsitzende Matthias Müller anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der Fusion von Skoda und VW im Jahr 2016. Die Plattform-Strategie von Ferdinand Piech (Vorstands-Chef von 1993 bis 2002) habe den Erfolg von Skoda ermöglicht, so Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen im Gespräch mit den Deutschen Wirtschafts Nachrichten. Piech habe darüber hinaus eine „preußische Qualitätsoffensive“ eingeleitet. Als VW Skoda übernahm, wurde jedem tschechischem Manager ein deutscher Berater an die Seite gestellt. Im derzeitigen Skoda-Vorstand befinden sich fünf Deutsche, ein Franzose und ein Tscheche.

Derzeit steht Skoda hervorragend dar. Das Unternehmen erzielte 2017 mit 31.600 Mitarbeitern einen Umsatz von circa 16,6 Milliarden Euro, was einem Plus von 20,8 Prozent gegenüber dem vorhergehenden Jahr entsprach. Die Umsatzrendite nach Steuern betrug 1,274 Milliarden Euro (2016: 951 Millionen). Skoda ist wirtschaftlich erfolgreicher als der Mutterkonzern VW: Pro verkauftem Neuwagen machen die Tschechen 1.607 Euro Gewinn, was einer Gewinnmarge von neun Prozent entspricht – die Wolfsburger kommen nur auf 1.103 Euro Gewinn pro Fahrzeug (Gewinnmarge: fünf Prozent).

Skoda unterhält drei Standorte in Tschechien, wo neben den eigenen Autos (in Mlada Boleslav sowie Kvasini) auch Komponenten wie Motoren und Getriebe für Fahrzeuge anderer Tochter-Unternehmen von VW hergestellt werden (in Vrchlabi). Weitere Fertigungsstätten im Rahme von Konzern-Partnerschaften bestehen in der Slowakei, in Russland, China, Algerien und Indien. In der Ukraine und in Kasachstan wird in Zusammenarbeit mit lokalen Unternehmen produziert. Wichtigstes Abnehmerland ist seit einigen Jahren China, wo letztes Jahr 325.000 Fahrzeuge verkauft wurden. An zweiter Stelle liegt Deutschland (196.000 Fahrzeuge) vor Tschechien (95.000), Großbritannien (80.000), Polen (67.000) und Russland (62.000). Die Steigerungsraten in diesem Jahr sind teilweise enorm. Beispielsweise betrugen sie im Monat Mai 23,6 Prozent in Osteuropa (ohne Russland), 19,8 Prozent in Russland und 35,4 Prozent in China. Weltweit betrug die Steigerung 13,4 Prozent (in absoluten Zahlen: 112.400 Fahrzeuge im Mai dieses Jahres, 99.100 im Mai 2017). Insgesamt ist Skoda in 102 Ländern vertreten. Derzeit bietet das Unternehmen sieben Modellreihen und über 40 Modellvarianten an, wobei der Octavia das erfolgreichste Modell darstellt: Von ihm wurden bisher über sechs Millionen Einheiten verkauft. Besonders stark ist Skoda im Wachstumsmarkt SUVs – so kam der Kodiaq in seinem ersten Verkaufsjahr auf rund 100.000 Auslieferungen.

Skoda kann gegenüber der Konkurrenz mit einem gewichtigen Pfund wuchern: Deutsche Technologie. Autos von Skoda und VW unterscheiden sich größtenteils nur in Nuancen. Bei Vergleichen diverser Fachmagazine erweisen sich die getesteten Skoda-Modelle denen anderer Autohersteller dann auch als ebenbürtig, teilweise sogar als überlegen. Dennoch sind die Autos der VW-Tochter vergleichsweise günstig, was zu einem hohen Grad an den niedrigen Gehältern der tschechischen Skoda-Arbeiter liegt: Trotz einer gerade erfolgten Lohnerhöhung von zwölf Prozent verdienen sie im Durchschnitt weniger als 2.000 Euro brutto im Monat.

Der große Erfolg von Skoda wurde von Volkswagen nicht immer begrüßt, schließlich macht das Tochter- dem Mutterunternehmen konzerninterne Konkurrenz. Beispielsweise sind viele Unternehmen dazu übergegangen, ihren Mitarbeitern einen Octavia anstelle eines Passats als Firmenwagen zur Verfügung zu stellen. Bereits 2010 versuchte der damalige Vorstands-Chef Martin Winterkorn, Skoda wieder zu einem Billig-Anbieter herabzustufen, der billige und kompakte Stufenheckautos für Schwellenländer entwickeln sollte. Das Vorhaben misslang jedoch. In den letzten Jahren hat es immer wieder Versuche gegeben, Änderungen bei Skoda herbeizuführen. Zuletzt hatte es Ende 2017 Erwägungen bei VW gegeben, mehrere Tausend Arbeitsplätze aus Tschechien nach Deutschland zu verlagern. Die Pläne wurden jedoch wieder fallengelassen. Skoda-Vorstands-Chef Bernhard Maier: „Es ist richtig, dass wir durch unseren Heimatsandort in Tschechien über einen Fertigungskostenvorteil verfügen. Davon haben unsere Kunden bisher profitiert, und ich gehe stark davon aus, dass dies auch noch länger der Fall sein wird.“ Auf Anfrage der Deutschen Wirtschafts Nachrichten, wie Volkswagen zum Erfolg von Skoda stehe, antwortete VW-Kommunikations-Chef Peik von Bestenbostel: „Volkswagen strebt eine optimale Marktausschöpfung an, weswegen sich VW und Skoda hervorragend ergänzen. Das sieht man nicht zuletzt daran, dass sowohl der Marktanteil von Skoda als auch der von Volkswagen in den letzten Jahren gestiegen ist. Wir sind grundsätzlich daran interessiert, unterschiedliche Kundenprofile zu bedienen, und das gelingt uns mit unseren unterschiedlichen Marken – neben VW und Skoda beispielsweise auch Audi und Seat – ganz ausgezeichnet.“

Skodas Bedeutung innerhalb des VW-Konzerns dürfte weiterwachsen. Bislang hatten die Tschechen nur Teile für den Gesamtkonzern produziert. Das hat sich vor kurzem geändert: Die Wolfsburger haben Skoda die konzernweite Verantwortung für die MQB AO IN Plattform übertragen. Auf dieser sollen vor allem Fahrzeuge in den Schwellenländer-Wachstumsmärkten gebaut werden, vor allem in Indien (wo seit 2011 bereits der Skoda Rapid gefertigt wird).

Die Tschechen haben sich ehrgeizige Ziele gesetzt. „Wir wollen weiter wachsen und unsere Marktposition weiter ausbauen – international genauso wie auf dem deutschen Markt“, sagte ein Skoda-Sprecher den Deutschen Wirtschafts Nachrichten. Im Jahr 2025 will man zwei Millionen Autos verkaufen (also fast das Doppelte wie derzeit), 600.000 davon allein in China. Im Reich der Mitte verfolgt das Unternehmen ein ganz eigenes Konzept, wie Skoda-Vorstand Bernhard Maier erläutert: „In China gibt es neben Mega-Städten wie Peking, Shanghai und Hongkong rund 50 weitere Städte, in denen mehr als eine Million Menschen leben. Während in den Metropolen die Nachfrage nach Automobilen nur noch leicht zulegt, steigt die Nachfrage in den übrigen Millionenstädten unverändert deutlich an. Es ist daher nur logisch, dass wir diese Märkte für unsere Marke erschließen wollen.“ Insgesamt will Skoda die Zahl seiner Märkte von derzeit 102 auf rund 120 erhöhen, will unter anderem auch nach Amerika expandieren. Maier: „Niemand kann es sich leisten, einen Weltmarkt wie die USA zu ignorieren.“

Skoda verfügt auch über ein paar Schwachstellen. Die Ausrüstung mit Assistenzsystemen ist spärlich, mit der Elektromobilität hat man sich erst zu einem relativ späten Zeitpunkt beschäftigt (auf der „Auto Schanghai“-Messe 2017 stellten die Tschechen mit dem Vision E die erste Design- und Technologie-Studie eines E-Autos vor). In seiner Ende 2016 vorgelegten „Strategie 2025“ zeigt das Unternehmen auf, wie es diese Schwächen zu beheben gedenkt. Unter anderem sollen Konnektivität und Digitalisierung vorangetrieben werden, wofür das „Skoda Auto DigiLab“ eingerichtet wurde, wo neue Geschäftsmodelle, Lösungen und Produkte entwickelt werden sollen. Ab 2019 soll die Produktion des ersten Skoda-Hybrid-Modells anlaufen, 2020 soll das erste rein elektrisch angetriebene Modell angeboten werden. Das soll jedoch erst der Anfang sein: „Bis 2025 wollen wir zehn elektrifizierte Modelle auf den Markt bringen“, so der Skoda-Sprecher im Gespräch mit den Deutschen Wirtschafts Nachrichten. Bis 2025 soll rund ein Viertel aller ausgelieferten Skodas über einen Elektro-Antrieb verfügen.