Finanzen

US-Anleihemarkt sendet Signal einer nahenden Rezession

Lesezeit: 2 min
22.03.2019 15:13
Am US-Anleihemarkt kam es zu einem Vorzeichen für eine bevorstehende Rezession.
US-Anleihemarkt sendet Signal einer nahenden Rezession
Eine US-Staatsanleihe. (Foto: National Review)

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Am US-Anleihemarkt stehen die Zeichen auf Rezession. Die Renditen kurzfristiger Staatsanleihen waren am Freitag erstmals seit zwölf Jahren wieder höher als bei langfristigen. Fachleute sprechen von einer inversen Zinsstruktur, die sie als Zeichen eines nahenden Konjunktureinbruchs werten.

So warfen dreimonatige Bonds erstmals seit dem Sommer 2007 wieder mehr ab als zehnjährige. Die Kurzläufer rentierten bei 2,460 und die Langläufer bei 2,450 Prozent. Üblicherweise steigt die Verzinsung mit der Laufzeit. "Die Realität sieht so aus, dass der Markt in den nächsten zehn Jahren im Durchschnitt niedrigere Zinssätze erwartet als derzeit", sagte Zinsstratege Jon Hill vom Vermögensverwalter BMO Capital. "Und es ist eine Kombination aus einer zurückhaltenden Fed und anhaltenden globalen Wachstumsbedenken."

Auslöser für die verstärkten Konjunktursorgen waren am Freitag schwache Wirtschaftsdaten aus Deutschland und den USA. Der deutsche IHS-Einkaufsmanagerindex fiel im März um 2,9 auf 44,7 Punkte. Von Reuters befragt Ökonomen hatten einen Anstieg auf 48,0 Punkte erwartet. Erst bei mehr als 50,0 signalisiert das Barometer ein Wachstum. Das Stimmungsbarometer für das verarbeitende Gewerbe in den USA fiel um 0,5 Prozent auf 52,5 Punkte, statt wie erwartet bei 53,6 zu liegen.

Vor allem der Zollstreit zwischen den USA und China sorgt seit Monaten für Verunsicherung in der Wirtschaft. An den Aktienmärkten ging es am Freitag weiter abwärts. Dax und EuroStoxx verloren jeweils knapp ein Prozent, an den US-Börsen ging es bei Dow Jones & Co ebenfalls um rund ein Prozent nach unten. Investoren griffen hingegen zu Anleihen, vor allem zu der als sicher geltenden Bundesanleihe. Die Rendite der viel beachteten zehnjährigen Titel fiel im Gegenzug erstmals seit zweieinhalb Jahren wieder unter die Null-Prozent-Marke auf bis zu minus 0,001 Prozent. Das bedeutet, dass die Anleger dafür bezahlen müssen, dass sich vom deutschen Staat Geld leihen dürfen. Die 30-jährigen Titel steuerten auf den größten Rendite-Rückgang seit September 2016 zu.

ZINSKURVE SORGTE BEI FED FÜR DISKUSSIONEN

Das Schreckgespenst einer inversen Zinsstrukturkurve beschäftigt auch die US-Notenbank Fed bereits seit längerem: Schon Mitte vorigen Jahres hatten die Währungshüter mitten in der Phase aggressiver Zinserhöhungen eine breite Diskussion darüber geführt, ob sich anhand solcher Marktdaten Risiken für eine möglicherweise drohende Rezession ableiten ließen. Damals war der Renditeabstand zwar abgeschmolzen, hatte sich aber noch nicht zugunsten der kurzlaufenden Zinsen umgekehrt.

Eine Reihe von Fed-Führungsmitgliedern plädierte seinerzeit dafür, die Kurve weiter genau im Auge zu behalten Zuletzt hat die Fed eine Leitzins-Pause eingelegt und signalisiert, angesichts der unsicheren Konjunkturaussichten 2019 stillzuhalten. An den Märkten rechnen Händler nun für das Jahresende sogar mit einer Zinssenkung: Die Chancen dafür werden auf 54 Prozent taxiert. Für Anfang 2020 wird die Wahrscheinlichkeit dafür auf 62 Prozent geschätzt.


Mehr zum Thema:  

DWN
Politik
Politik Republikaner nominieren Trump offiziell für die Präsidentschaftswahlen
15.07.2024

Die Republikaner haben Donald Trump offiziell als ihren Kandidaten für die Präsidentschaftswahlen nominiert. Trump erreichte beim...

DWN
Finanzen
Finanzen Ehegattensplitting: Paus fordert das Ende, Lindner-Ressort widerspricht
15.07.2024

Mit der geplanten Reform der Steuerklassen bereitet die Bundesregierung laut Familienministerin Lisa Paus das Ende des Ehegattensplittings...

DWN
Finanzen
Finanzen DWN-Marktausblick: Attentat auf Donald Trump folgenlos – reguläre Wirtschaftsdaten bestimmen das Geschehen
15.07.2024

Auf den Anschlag auf US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump reagieren die Finanz- und Rohstoffmärkte gelassen. Inflationsdaten bleiben...

DWN
Politik
Politik Ulrich Schneider zum umstrittenen Bürgergeld: „Ohne Barmherzigkeit kann Solidarität sehr hart werden.“
15.07.2024

In der Öffentlichkeit wird über das Bürgergeld immer häufiger diskutiert. In Zeiten von Wirtschaftskrise und Aufrüstung erscheint es...

DWN
Politik
Politik Nach Trump-Attentat: Trump und Biden werben für Einheit
15.07.2024

Nach dem Attentat auf den Präsidentschaftsbewerber Donald Trump rufen sowohl der Republikaner als auch der demokratische Amtsinhaber Joe...

DWN
Panorama
Panorama Positive Bilanz der Sicherheitsbehörden nach der Fußball-EM
15.07.2024

Vor der Fußball-Europameisterschaft waren Bedenken bezüglich potenzieller Sicherheitsrisiken weit verbreitet. Nach Abschluss des Turniers...

DWN
Technologie
Technologie Start des größten Sanierungsprogramms seit Jahrzehnten: Deutsche Bahn startet Bauprogramm
15.07.2024

Die Fußball-Europameisterschaft ist zu Ende und bei der Deutschen Bahn beginnt das größte Sanierungsprogramm für die Infrastruktur seit...

DWN
Finanzen
Finanzen DAX-Ausblick: Trump-Attentat als Unterstützung für die Märkte?
15.07.2024

Trotz EZB-Sitzung am Donnerstag richten Anlegerinnen und Anleger ihr Augenmerk in dieser Woche auf die Berichtssaison. Analysten erwarten...