Syrien: Türkei unterstützt russische Offensive in Idlib, USA halten sich bedeckt

 

Mehr zum Thema.

Benachrichtigung über neue Artikel:  
 
Lesezeit: 3 min
09.05.2019 14:40
Russland und Syrien attackieren die letzten Stellungen der al-Nusra-Front in Idlib. Dabei werden sie von der Türkei unterstützt. Die USA nehmen die Angriffe billigend in Kauf.
Syrien: Türkei unterstützt russische Offensive in Idlib, USA halten sich bedeckt
Die syrische Armee und die russische Luftwaffe attackieren den Südwesten der Provinz Idlib. (Grafik: Syria Live Map)

Benachrichtigung über neue Artikel:  

Russlands Vizeaußenminister Sergey Vershinin hat am Donnerstag bekannt gegeben, dass die syrische Armee (SAA) und die russische Luftwaffe Angriffe gegen Stellungen der al-Nusra-Front (heute Hayat Tahrir al-Scham - HTS) in der syrischen Provinz Idlib ausgeführt haben. Vershinin zufolge werden die Angriffe mit der türkischen Armee koordiniert. Am Ende des Monats soll angesichts der Lage in Idlib im UN-Sicherheitsrat eine Sitzung stattfinden. Nach Informationen des türkischsprachigen Diensts von Voice of America (VoA) ist die SAA unter Billigung der Türkei und mit Unterstützung Russlands in das Dorf Kfar Nabudah im Südwesten Idlib eingedrungen. Westlich der Stadt befand sich zuvor eine HTS-Kommandozentrale, die im Februar 2019 von der SAA und der russischen Luftwaffe zerstört wurde.

Am Donnerstag soll die SAA nach Informationen der staatlichen syrischen Nachrichtenagentur SANA einen Infiltrationsversuch von HTS aus dem Gebiet aus dem Gebiet von Abu al-Dohour in Richtung einiger Dörfer, die unter der Kontrolle der SAA stehen, vereitelt haben. In den Städten al-Habeet und Qalet al-Madiq, die beide in der Nachbarprovinz von Idlib - Hama - liegen, zerstörte die SAA Verstecke von HTS. Am Donnerstagnachmittag soll die SAA nach Angaben des englischsprachigen Diensts von Reuters Qalet al-Madiq zurückerobert haben.

Al-Monitor berichtet, dass Hayat Tahrir al-Scham in Idlib über etwa 10.000 Kämpfer verfügt. Doch dem türkischsprachigen Dienst der BBC zufolge verfügt die Gruppe über schätzungsweise 30.000 Söldner. Reuven Erlich, Chef des Meir Amit Intelligence and Terrorism Information Center (ITIC), bestätigte den Deutschen Wirtschaftsnachrichten, dass sich die Anzahl der Söldner von Hayat Tahrir al-Scham in Idlib schätzungsweise auf 30.000 Personen belaufe.

Pentagon: "Wir werden weiterhin die russische Regierung und das russische Militär auf höchster Ebene einbeziehen"

Auf Nachfrage der Deutschen Wirtschaftsnachrichten, was die USA tun würden, wenn die SAA in der Provinz Idlib Chemiewaffen einsetzt, sagte ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums: “Die Vereinigten Staaten werden weiterhin unermüdlich mit ihren Verbündeten zusammenarbeiten, um eine dauerhafte diplomatische Lösung der Feindseligkeiten in Syrien unter der Schirmherrschaft der Resolution 2254 des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen zu finden. Lassen Sie es mich klar und deutlich sagen: es bleibt unsere feste Haltung, dass die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten schnell und angemessen reagieren werden, wenn Präsident Baschar al-Assad erneut chemische Waffen einsetzt. Wir werden weiterhin die russische Regierung und das russische Militär auf höchster Ebene einbeziehen, um zu verdeutlichen, dass die USA und ihre Verbündeten schnell und angemessen auf jegliche Chemiewaffen-Nutzung in Idlib oder anderswo in Syrien reagieren werden.”

Im Verlauf des Syrien-Konflikts gab es bisher eine enge Kooperation zwischen den USA, Russland, der Türkei und Israel. Es gab keine einzige Militäroffensive, worüber sich die vier Staaten nicht gegenseitig in Kenntnis gesetzt haben. Die Kooperation verlief und verläuft allerdings insbesondere auf der militärisch-nachrichtendienstlichen Ebene. Eine Sonderstellung hat hierbei die Türkei. Sie verfügt über enge Beziehungen zur Nato und den USA, aber auch zu Russland, dem Iran und Israel. Das Land wagt aufgrund ihrer geographischen und geopolitischen Lage zwischen Ost und West einen Balanceakt. Doch der Hauptpartner in der Provinz Idlib ist Russland.

Russland und die Türkei teilen Idlib auf

Dem Guardian zufolge befinden sich die Türkei und Russland in einer entscheidenden Phase, um die Provinz Idlib in Einflusszonen aufzuteilen. Der russische Präsident Wladimir Putin und sein türkischer Amtskollege Recep Tayyip Erdoğan einigten sich im vergangenen September darauf, dass Moskau und Ankara gemeinsam eine neun Meilen lange demilitarisierte Zone zwischen Söldner- und Regierungsfrontlinien überwachen werden, um die beiden Seiten auseinander zu halten. Dieses Abkommen war das Kernstück eines Deeskalationspakts gewesen, der die Provinz bis Mitte April relativ stabil gehalten hatte. In der Folge könnten eben jene Gebiete, in denen sich russische und türkische Militärs auch die Einflusszonen bilden.

Währenddessen ist es im syrisch-russischen Lager zu Verwirrungen gekommen. Die syrische Führung kritisierte Russland für seine engen Beziehungen mit Israel. Das israelisch-nachrichtendienstliche Portal DEBKAfile führt aus: “Anonyme syrische Militärquellen teilten am Montag, den 15. April, mit: ,Israel besitzt einen der mächtigsten militärischen Geheimdienstflügel der Welt’ und ",profitiert nicht nur von engen nachrichtendienstlichen Beziehungen zur US-Koalition, sondern auch zum russischen Militär.’ Syrische Beamte hatten es zuvor nie gewagt, das russische Militär zu kritisieren (...) Allerdings löste der israelische Luftangriff auf das syrische Wissenschafts- und Forschungszentrum in Masyaf am Samstag, den 13. April, einen Dissens in der syrischen Armee und der Bevölkerung aus. Es war das wichtigste syrisch-iranische Produktionszentrum für die Aufrüstung der Oberflächenraketen und Luftverteidigungsfähigkeiten der syrischen Armee und der Hisbollah. Noch ärgerlicher war, dass die russische S-300-Luftverteidigungsbatterie, die in der Nähe von Masjaf stationiert war, keine einzige Rakete gegen die feindlichen Angreifer abfeuerte.”



DWN
Politik
Politik Geopolitik: Im Iran kommt die Kurden-Karte ins Spiel

In den Kurden-Gebieten des Irans könnte es bald brodeln. Mehrere Anzeichen sprechen für diese These.

DWN
Technologie
Technologie US-Verkehrsbehörde leitet Untersuchung gegen Tesla ein

Aufgrund mehrerer Unfälle, die offenbar durch ein Autopilot-System ausgelöst wurden, hat die US-Verkehrsbehörde eine Untersuchung gegen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Trotz positiver PR-News: Irritationen um den deutschen Schiffbau

Die deutschen Schiffbauer konzentrieren sich schon lange auf den Bau von Nischenprodukten wie Fähren und Luxusschiffe. Denn die Konkurrenz...

DWN
Politik
Politik Geheimdienst-Gipfel in Moskau: Kommt jetzt das Bündnis zwischen Erdogan und Assad?

In Moskau fand ein türkisch-syrischer Geheimdienst-Gipfel statt. Offenbar bahnt sich eine enge Kooperation zwischen der Türkei und Syrien...

DWN
Finanzen
Finanzen Viele Banken werden wegen Blockchain sterben

Wie einst Amazon den Einzelhandel verändert hat, so werde die Blockchain-Technologie vermutlich das Bankensystem verändern, sagt Stephen...

DWN
Politik
Politik Frankreich verlegt Flugzeugträger ins östliche Mittelmeer

Frankreichs Präsident Macron hat die Entsendung eines Flugzeugträgers in das östliche Mittelmeer verkündet. Aus einer Übersicht geht...

DWN
Politik
Politik Lebensarbeitszeit: Massive Unterschiede in Europa

Die massiven Unterschiede bei den erwarteten Lebensarbeitszeiten in der EU und angrenzenden Ländern lassen sich vor allem auf die...

DWN
Deutschland
Deutschland Die deutsche Polizei setzt auf Autos von Volkswagen

Bei der deutschen Polizei kommen vor allem Autos der Marke Volkswagen zum Einsatz. Passat und VW-Bus sind besonders beliebt.

DWN
Politik
Politik Pentagon veröffentlicht neues Strategiepapier zur Eindämmung Russlands auf Europas Energiemarkt

Aus einem Strategiepapier der Pentagon-Denkfabrik Rand geht hervor, wie Russlands Rolle auf dem europäischen Energiemarkt zurückgedrängt...

DWN
Finanzen
Finanzen Kindergeld: Über 370 Millionen Euro fließen ins Ausland

Im Jahr 2018 sind über 370 Millionen Euro an Kindergeld ins EU-Ausland geflossen. Die Kommunen beklagen zahlreiche Betrugsfälle.

DWN
Finanzen
Finanzen Deutsche misstrauen der Geldpolitik, bunkern Bargeld und Gold

Tresorhersteller und Anbieter von Schließfächern verzeichnen eine extreme Nachfrage. Denn in dem Bemühen, ihr Vermögen vor den Folgen...

DWN
Deutschland
Deutschland Wegen Großbritannien: Deutschlands EU-Beitrag steigt um 14 Milliarden Euro

Nach dem Brexit wird Deutschlands EU-Beitrag um jährlich 14 Milliarden Euro auf etwa 39 Milliarden Euro steigen.

DWN
Finanzen
Finanzen Weltgrößter Hedgefonds erwartet neue Rekorde beim Goldpreis

Vor dem aktuellen Hintergrund könnte der Goldpreis bis Ende des Jahres um 30 Prozent steigen, sagt Greg Jensen, Chief Investment Officer...

DWN
Finanzen
Finanzen USA setzen Schweiz auf Watchlist wegen Manipulation des Franken

Die USA haben die Schweiz auf eine Beobachtungsliste von Staaten gesetzt, die sie der Währungsmanipulation beschuldigen, und fordern von...

celtra_fin_Interscroller