Hype um Uber: Bestimmt kein Betrug mit gezinkten Karten

 

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06.07.2019 09:00
Viele Investoren sind derzeit vom Taxidienst Uber enttäuscht. Denn es steht immer noch in den Sternen, wann der Dienstleister schwarze Zahlen schreibt. Trotzdem hat CEO Khosrowshahi bereits jetzt schon einen schier unglaublichen Erfolg erzielt.
Hype um Uber: Bestimmt kein Betrug mit gezinkten Karten
Ungewöhnlich: Die Märkte sind vom Erfolg von Uber mehr überzeugt als der Boss des Unternehmens selbst. Foto: DPA

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Es sieht ganz so aus, als würde der US-amerikanische Taxi-Dienst Uber nach seinem vielbeachtete Börsengang vor sechs Wochen stark enttäuschen: Die Aktie dümpelt bisher bei Werten um ihren Ausgabepreis von 45 US-Dollar, ohne die Anleger positiv zu beeindrucken. Darüber hinaus hat der Dienstleister im ersten Quartal des laufenden Jahres tiefrote Verluste in Milliarden-Dollar-Höhe eingefahren.

Folglich zeigten sich die Medien von der Entwicklung des Logistikers alles andere als begeistert: „Ein ziemlicher Reinfall“, titelte beispielsweise die Börsen-Website der ARD. „Wenig überzeugend“ fand auch der Fachdienst „finanzen.net“ den Dienstleister. Und das Wirtschaftsmagazin „Forbes“ schrieb zuletzt in seiner Juli-Ausgabe: „Uber – einfach eine Enttäuschung.“

Doch stimmt das so nicht. Denn der amerikanisch-persische CEO von Uber, Dara Khosrowshahi, hat bereits jetzt einen schier unglaublichen Erfolg erzielt ­– und zwar, wenn es um die Vermarktung seines Unternehmens geht. Noch ein halbes Jahr vor dem Initial Public Offering (IPO) – ­hatte der 50jährige Manager die Anleger ganz offen gewarnt, Uber werde wohl nie rentabel wirtschaften. „Die operativen Kosten dürften in absehbarer Zeit bedeutend wachsen“, hatte der Geschäftsmann erklärt, eine Aussage, die Unternehmenslenkern eigentlich nie über die Lippen kommt, weil sie sich grundsätzlich positiv über ihre Firma äußern müssen.

Trotzdem hat der Börsengang von Mitte Mai satte 8,1 Milliarden Dollar in die Kassen des Unternehmens gespült. Damit avanciert das IPO sogar zu einem der größten im ersten Quartal ­– neben der Erstnotiz des Betreibers einer Online-Pinwand, Pinterest, und des IT-Unternehmens Zoom. Doch das ist noch nicht alles.

Denn auch die internationalen Investmenthäuser glauben unerschütterlich an den Erfolg des Taxidienstes, dessen CEO sich selber so skeptisch zeigt. So äußern sich 25 Analysten, deren Einschätzung „finanzen.net“ Anfang Juni veröffentlicht hat, grundsätzlich positiv über das Unternehmen.

Deutsche Bank: „attraktivster Internet-Börsengang seit Facebook“

Beispielsweise bezeichnet die Deutsche Bank Uber als den attraktivsten Internet-Börsengang seit Facebook und ist der Ansicht, dass Bedenken in Bezug auf die Rentabilitätsaussichten von Uber ein geringeres Risiko darstellen als die Umstellung von Facebook auf Mobilgeräte zu diesem Zeitpunkt. Die Mizuho Financial Group setzt auf Ubers Wettbewerbsfähigkeit und geht von 10,4 Prozent Gewinnspanne bis 2023 aus. Aus der Sicht von Goldman Sachs ist Uber der Marktführer auf dem herausfordernden Markt der Mobilität. Die Analysten des Finanzhauses setzen für das Unternehmen, trotz starker Konkurrenz, ein Kaufrating mit einem Kursziel von 56 US-Dollar an.

Doch nicht nur die Fachleute vom Kapitalmarkt, sondern auch die Konkurrenz glauben mehr an Taxidienst, als dessen Chef selber: So versuchen die deutschen Autohersteller, mit eigenen Angeboten am Markt dem Dienstleister die Stirn zu bieten. Zuletzt erlaubte Anfang Juli ein Gericht, dass der VW-Anbieter Moia in Hamburg 500 bis 1.000 eigene elektrische Busse auf die Straßen schickt. Bisher hatten die Behörden nur maximal 200 genehmigt.

Außerdem präsentierten Daimler und BMW ihren strategischen Plan, um Uber künftig in die Schranken zu weisen: Beide Produzenten wollen Ende des Monats den Konsumenten ein Angebot machen, das der Dienstleistung von Uber ähnelt: Allerdings soll man über eine App nicht nur Taxis buchen können, sondern auch Mietwagen. Der Start wird in Hamburg sein, danach geht es in Berlin und in Frankfurt am Main weiter, so der Plan.

Potenzial für Markt liegt bis 2030 bei 285 Milliarden Dollar

Grundsätzlich sieht das Potenzial, das der Dienstleister hat, auch verlockend aus. Das Wirtschaftsmagazin „Forbes“ schätzt die Umsätze, die der Markt für Carsharing weltweit bis 2030 erreichen kann, auf 285 Milliarden Dollar. In den westlichen Ländern suchen insbesondere junge Leute verstärkt nach kostengünstigen Dienstleistungen, weil sie zunehmend Probleme haben, ihre Lebensunterhaltungskosten zu bezahlen. Außerdem verändert sich im Westen die Kultur. Es wird vielen Konsumenten immer weniger wichtig, selber Autos zu haben. Geringe Kosten stehen für sie im Mittelpunkt.

Entsprechend dynamisch entwickelten sich auch die Umsätze von Uber in den vergangenen Jahren. So haben sich die Erlöse zwischen 2015 und 2018 auf 11,2 Milliarden Dollar nahezu versechsfacht. Und das haben die Anleger honoriert und somit für die Milliarden-Einnahmen beim IPO gesorgt, über die sich CEO Khosrowshahi und seine Führungsriege freuen konnte.

Allerdings haben die Investoren damit auch eine riesige Blase erzeugt, die insbesondere bei vielen älteren Anlegern gerade jetzt ungute Erinnerungen an die finstersten Zeiten an den deutschen Kapitalmärkten weckt.

Uber-Blase weckt böse Erinnerungen an Neuen Markt

Denn fast genau genau vor 20 Jahren hat der Neue Markt in Frankfurt am Main seine Pforten eröffnet. Die Manager deutscher Internet- und Technologie-Unternehmen holten sich damals vom Finanzplatz Geld, um Geschäftsmodelle zu finanzieren, von denen sie selber nicht so genau wussten, ob diese überhaupt funktionieren würden. Und alle anderen Marktteilnehmer machten dabei ohne Einschränkung mit: Die Investmentbanken, welche die zweifelhaften Aktien in ihre Coverage aufnahmen, die Händler, die diese Titel anboten, und nicht zuletzt die Politiker, die den Börsenhype lauthals beklatschten.

Was dann folgte, war eine Geldvernichtung ungeheuren Ausmaßes. Die Unternehmen machten reihenweise Bankrott und stürzten viele Anleger ins Unglück. Nur drei Jahre nach seiner Eröffnung wurde der Neue Markt schließlich wieder dichtgemacht. Gegen prominente Konzernbosse wurden Prozesse geführt – beispielweise gegen die Brüder Thomas und Florian Haffa vom Filmrechte-Vermarkter EM.TV, der anfangs noch als Aushängeschild des neuen Wachstumssegment gegolten hatten. „Ein Betrug mit gezinkten Karten“, kritisierte die Börsenlegende Andre Kostolany in scharfem Ton.

Uber-Boss Khosrowshahi hingegen kann sich entspannt zurücklehnen, selbst wenn die riesige Blase platzen sollte, die sein Unternehmen erzeugt hat. Prozesse von Anlegern dürfte der Manager kaum zu fürchten haben, sollte der Taxidienst wirklich nie schwarze Zahlen schreiben. Denn mit gezinkten Karten hat er die Anleger bestimmt nicht betrogen. Schließlich hat er ja schon alles Monate vor dem Börsengang gesagt - und das auch noch ungewöhnlich deutlich.

Dass der Markt trotzdem von der Story des Unternehmens überzeugt bleibt, ist ein ungewöhnlicher Vermarktungserfolg, den sich der Uber-Chef schon jetzt auf die Fahnen schreiben kann – sämtlicher Kritik durch die Medien zum Trotz.


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