Gemischtes
Restwerte der Autos sinken

Studie: VW spart hunderte Millionen durch Sammelklagen

Einer Studie zufolge soll Volkswagen aufgrund der sich in die Länge ziehenden Musterfeststellungsklage hunderte Millionen Euro an Strafen sparen.
24.08.2019 08:10
Lesezeit: 2 min
Studie: VW spart hunderte Millionen durch Sammelklagen
VW-Vorstand Jürgen Stackmann bei der Vorstellung des ID 3. (Foto: AFP) Foto: AFP

Seit November 2018 haben sich mindestens 427.000 Menschen in die Musterfeststellungsklage gegen VW eingeschrieben. Ein abschließendes Urteil in dem Prozess wird jedoch frühestens im Jahr 2023 erwartet. Dadurch spart der Wolfsburger Konzern jährlich mehr als 100 Millionen Euro, die eigentlich den geschädigten Verbrauchern zustünden. Die betroffenen Fahrzeuge verlieren nämlich durch die weitere Nutzung kontinuierlich an Wert. Das ist das Ergebnis einer Analyse des Verbraucherportals rightnow.eu. Das Unternehmen hat die Daten aus fast 1.000 Gerichtsprozessen im Abgasskandal ausgewertet.

Demnach spart VW bis zur Urteilsverkündung sogar mehr als eine halbe Milliarde Euro. Die individuelle Entschädigungssumme jedes Klägers setzt sich aus dem ursprünglichen Kaufpreis abzüglich einer Nutzungsentschädigung für die bereits gefahrene Strecke zusammen. Für Letztere ziehen die zuständigen Gerichte eine ungefähre maximale Laufleistung des jeweiligen Fahrzeuges heran und berechnen darauf basierend den Wertverlust aufgrund der bislang zurückgelegten Strecke. Im Schnitt gehen die Gerichte in ihren bisherigen Einschätzungen von einer maximalen Laufleistung in Höhe von 272.367 Kilometern pro Fahrzeug aus.

Jährlich verlieren die betroffenen Fahrzeuge mehr als 5 Prozent ihres Wertes

Laut Kraftfahrtbundesamt legt ein durchschnittlicher PKW in Deutschland jährlich 13.922 Kilometer zurück. Demnach verlieren die betroffenen Fahrzeuge pro Jahr rund 5,11 Prozent ihres Wertes. Bezogen auf den Kaufpreis in Höhe von 24.621 Euro, den die von rightnow.eu vertretenen VW-Halter durchschnittlich für ihren PKW zahlten, bedeutet das eine jährliche Wertminderung von mehr als 1.250 Euro pro Fahrzeug. Insgesamt verlieren die Fahrzeuge der 427.000 in der Musterfeststellungsklage eingeschriebenen VW-Halter demnach rund 537,4 Millionen Euro an Wert – jedes Jahr.

Ausgeglichen wird diese Summe zumindest in Teilen durch den Deliktzins in Höhe von 4 Prozent pro Jahr, den Volkswagen seinen geschädigten Kunden wahrscheinlich auszahlen muss. In diese Richtung hat sich bislang unter anderem das Oberlandesgericht Köln ausgesprochen. Insgesamt müsste Volkswagen seinen geschädigten Kunden bis 2023 demnach Deliktzinsen in Höhe von rund 420,5 Millionen Euro pro Jahr zahlen. Das sind dennoch mehr als 116,9 Millionen Euro weniger als die betroffenen Fahrzeuge jährlich an Wert verlieren.

Alexander Voigt, Rechtsanwalt von rightnow.eu, kommentiert die Analyse:

“Das Musterfestellungsverfahren ist ein ähnlich schwerer Betrug an den deutschen Verbrauchern wie der Manipulationsskandal selbst. Volkswagen wird das Verfahren bis vor den EuGH ziehen. Der Konzern selbst rechnet nicht mit einem Urteil vor 2023. Durch den Wertverlust der betroffenen Fahrzeuge, der währenddessen entsteht, spart VW demnach mindestens 584 Millionen Euro und dieser Betrag könnte sogar noch höher ausfallen: Sollten die Kläger letztlich Recht bekommen, müssten sie anschließend nämlich erneut gegen VW vor Gericht ziehen, um ihre individuelle Entschädigung zu erhalten. Da bislang rund 427.000 VW-Kunden Teil dieses Verfahrens sind, würde die daraus resultierende Klagewelle die deutschen Gerichte komplett überfordern und den Prozess weitere Jahre in die Länge ziehen."

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Wachstum in Europa: EIB-Ökonom rät Unternehmen, stärker nach Süden zu blicken
24.10.2026

Deutschland erholt sich, doch Europas Wirtschaft kämpft weiter mit Bürokratie, Investitionsschwäche und einem fragmentierten...

DWN
Finanzen
Finanzen Steuervergleich 2026: Was von 50.000 Euro Gehalt, Gewinn und Kapital wirklich übrig bleibt
24.10.2026

50.000 Euro verdienen und trotzdem völlig unterschiedlich viel Geld behalten? In Deutschland entscheidet nicht nur die Höhe des...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Online-Handel: Amazon plant Investitionen von rund 16 Milliarden Euro
24.10.2026

16 Milliarden Euro will Amazon 2027 in Deutschland investieren – ein großer Teil soll in Cloud und KI rund um Frankfurt fließen. Was...

DWN
Finanzen
Finanzen Flucht in die Endlichkeit: Wie ein überforderter Anleihemarkt den Bitcoin-Kurs treibt
24.10.2026

Das US-Finanzministerium kauft seine eigenen Schulden zurück, damit sie überhaupt noch jemand haben mag, und der Bitcoin hat das...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft BMW X5 im Test: Warum die fünfte Generation alles anders macht
24.10.2026

Fast 100.000 Euro Einstiegspreis, bis zu 845 Kilometer elektrische Reichweite und ein Auftritt, der kaum zu übersehen ist: Mit dem neuen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kokain am Arbeitsplatz: Wenn ausgerechnet die besten Mitarbeiter abhängig werden
24.10.2026

Kokain ist längst keine Droge mehr, die nur auf Partys konsumiert wird. Immer häufiger erreicht der Konsum auch den Arbeitsalltag....

DWN
Finanzen
Finanzen Aktien kaufen: Diese Branchen könnten den KI-Hype schlagen
24.10.2026

Die Börsen brechen Rekorde, doch der Höhenflug steht auf wackligen Beinen. Wenige Technologiekonzerne treiben die Kurse, während...

DWN
Politik
Politik China macht seine Grenzen dicht: Ein neuer Eiserner Vorhang
24.10.2026

China macht seine Grenzen dicht, und längst trifft es nicht mehr nur politisch unbequeme Bürger. Lehrer, Ärzte und KI-Ingenieure dürfen...