Politik

Verdächtiger von Chemnitz erhängt in Zelle gefunden

Lesezeit: 2 min
12.10.2016 22:40
Der unter Terrorverdacht festgenommene Mann aus Chemnitz, der von der Polizei als Syrer mit dem Namen Dschaber al-Bakr geführt wurde, ist tot. Er soll sich laut sächsichem Staatsministerium in seiner Gefängniszelle erhängt haben. Es ist völlig unklar, wie es dazu kommen konnte.
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Der unter Terrorverdacht festgenommene Mann, laut Polizei ein Syrer mit dem Namen Dschaber al-Bakr, ist tot. Nach dpa-Informationen wurde der 22-Jährige am Mittwoch erhängt in seiner Zelle in der JVA Leipzig gefunden.

Das Sächsische Staatsministerium der Justiz teil in einer Pressemitteilung mit: "Suizid des Terrorverdächtigen Al-Bakr. Am Abend des 12. Oktober 2016 hat sich der der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat hauptverdächtige Jaber Al-Bakr in der Justizvollzugsanstalt Leipzig im Haftkrankenhaus das Leben genommen. Einzelheiten werden im Rahmen einer Pressekonferenz bekanntgegeben." Die PK wird am Donnerstag stattfinden.

Der Anwalt des Toten, Alexander Hüber, sagte der Dresdner Morgenpost, dass es noch nichts über die Umstänbe wisse: "Heute Nachmittag habe ich mich noch nach ihm erkundigt. Da ging es ihm noch gut. Sowohl die Suizidgefahr als auch der Hungerstreik von al-Bakr waren bekannt. Deshalb stand er unter besonderer Beobachtung." Laut Dresdner Morgenpost war der Mann in einem streng bewachten Hochsicherheitstrakt untergebracht. Wie es dann trotzdem zum Suizid kommen konnte ist unklar.

Der Mann soll einen Sprengstoff-Anschlag geplant haben. Die Behörden gaben außerdem an, dass er Kontakte zum IS gehabt haben soll. Er soll der Polizei von anderen Syrern überwältigt, gefesselt übergeben worden sein, nachdem diese ihn zur Fahndung ausgeschrieben hatte. Die Bild-Zeitung hatte ein Foto von dem gefesselten Mann gebracht. Woher das Foto stammte, ist unklar. Es ist auch nicht zu erkennen, ob der Mann auf dem Foto bei Bewusstsein ist.

Der Mann soll die anderen Syrer der Mitwisserschaft beschuldigt haben. Entsprechende Aussagen habe der 22-Jährige bei seiner Vernehmung gemacht, berichtete die Deutsche Presse-Agentur in Dresden am Mittwoch aus Ermittlerkreisen. Ob die Männer Syrer sind, kann unabhängig nicht überprüft werden. Es ist unklar, ob gegen die Männer aufgrund der Aussage des Mannes nun Ermittlungen eingeleitet werden.

Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe, die die Ermittlungen führt, wollte die Angaben der dpa nicht bestätigen. Auch zur Frage, ob die drei Syrer, die ihn überwältigt hatten, noch als Zeugen oder Verdächtige in dem Ermittlungsverfahren behandelt würden, antwortete die Behörde der dpa nicht. Den Angaben zufolge gab es aber keine weiteren Festnahmen.

Der Mann soll laut Verfassungsschutz einen Sprengstoffanschlag auf einen Berliner Flughafen vorbereitet haben. Woher der Verfassungsschutz diese Erkenntnis hat ist unbekannt.

Die Bild-Zeitung spekuliert ohne Angabe von Quellen über die Todesursache. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist die Todesursache völlig unklar.

Unabhängige Belege liegen zu keiner einzigen der Angaben vor. Es ist zum gegenwärtigen Standpunkt nicht möglich, die Angaben der Behörden zu überprüfen.

Mit dem Tod des Tatverdächtigen ist davon auszugehen, dass die Ermittlungen nicht mehr fortgeführt werden können. In der Regel werden Ermittlungen in diesem Fall eingestellt. Es ist nicht bekannt, ob der Mann eine Straftat begangen hat (unerlaubter Sprenstoffbesitz). Er war zur Fahndung ausgeschrieben, weil die Behörden nach eigenen Angaben "Hinweise" hatten, dass der Mann einen Anschlag geplant haben soll. Überprüfbare Belege liegen auch zu diesen Aussagen nicht vor.

Der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, hat am Donnerstag dringende Aufklärung über den Tod des Terrorverdächtigen Dschaber al-Bakr gefordert. „Man muss sich zwar die Zeit nehmen, um das alles sorgfältig aufzuarbeiten, aber mit der Information der Bevölkerung darf man sich in der Tat nicht viel Zeit lassen“, sagte Wendt im Sender SWRInfo.

Von einem Justizskandal zu sprechen, wie es der Anwalt von Al-Bakr getan hatte, hält Wendt für verfrüht. „Das haben wir ja auch beim Polizeieinsatz gesehen. Da ist ja auch, was die missglückte Festnahme angeht, sehr schnell von einer Polizeipanne gesprochen worden, ohne über die näheren Umstände Bescheid zu wissen.“

Es ist unbekannt, ob sich der Mann einer Therapie wegen einer Depression unterzogen hat. Solche Therapien sind vor allem im Fall von Depressionen mittlerweile sehr erfolgreich und können das Risiko eines Selbstmords deutlich senken (siehe dazu Informationen der Deutschen Depressionshilfe).

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