Politik

Russland und Syrien fürchten Einsatz von IS-Söldnern in Syrien

Lesezeit: 2 min
19.10.2016 02:27
Russland und Syrien fürchten, dass mit dem Angriff auf Mossul ein Fluchtkorridor für ISIS-Kämpfer entstanden ist. Diese könnten sich nach Syrien absetzen und dort zum Einsatz kommen.
Russland und Syrien fürchten Einsatz von IS-Söldnern in Syrien

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

Die syrische Armee wirft der US-geführten Koalition in Mossul vor, einen sicheren Durchgang in Syrien für ISIS-Kämpfer geschaffen zu haben, damit diese in Richtung Syrien fliehen. Die Armee in Damaskus meldete in einer Erklärung am Dienstag, dass Washington und Riyad die Straßen sichern lassen, um den ISIS-Kämpfern den Rückzug zu ermöglichen und „neue Schlachtfelder“ in Ost-Syrien zu schaffen, berichtet Reuters in seinem englischsprachigen Dienst. Die geflüchteten ISIS-Kämpfer sollen deshalb mit allen Mitteln der syrischen Armee bekämpft werden. „Jeder Versuch, die Grenze zu überqueren, ist ein Angriff auf die Souveränität Syriens (...) und wird mit allen verfügbaren Kräften bekämpft werden“, so die syrische Armee. Die syrische Armee sagte nicht, worauf sie ihre Behauptung stützt.

Die Militäroperation auf Mossul wurde bereits seit Ende Juli geplant. Der US-Regierung geht es nach offiziellen Angaben darum, so viel Land wie möglich von ISIS zurückzuerobern. Die ISIS-Kämpfer in Syrien kontrollieren die Versorgungswege von der syrischen Stadt Deir Ezzor nach Mossul. Sie kontrollieren immer noch die syrische Stadt Al-Bukamal, in der Nähe eines Grenzübergangs in die Irak-Anbar-Provinz und eine lange Liefer- und Kommunikationslinie zwischen beiden Ländern.

Die US-Luftwaffe hatte vor einem Monat irrtümlich syrische Truppen in Deir Ezzor bombardiert, die dabei gewesen sind, ISIS-Kämpfer aus der Stadt zu vertreiben. Bei dem Angriff kamen 62 syrische Soldaten ums Leben und weitere 100 wurden verletzt.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow hat am Dienstag seine Bedenken über den Rückzug von ISIS aus Mossul geäußert. Die Nachrichtenagentur Tass zitiert Lawrow: „Die Stadt ist zwar umzingelt, doch nicht komplett umzingelt (…). Ich weiß nicht, warum (…). Es ist zu hoffen, dass sie gescheitert sind und nicht bewusst zögern, um die Stadt komplett zu umzingeln (…). Jedenfalls ist der verbleibende Korridor mit dem Risiko behaftet, dass der Islamische Staat sich von Mossul nach Syrien zurückzieht (…). Natürlich werden wir die Situation im Auge behalten und politische und militärische Entscheidungen treffen, wenn dies geschieht (…). Wenn in Syrien, wo sich unser Militär auf Wunsch der legitimen Regierung befindet, ISIS-Kontingente auftauchen.“

Lawrow hofft, dass der aktuelle Fluchtkorridor in Mossul der Terror-Miliz ISIS nicht vorsätzlich geschaffen wurde, um den Rückzug von ISIS nach Syrien und folglich nach Aleppo zu ermöglichen.

Die irakischen Streitkräfte hatten am Montag mit dem lange zuvor angekündigten Sturm auf Mossul begonnen und versuchen mit Hilfe von kurdischen und schiitischen Milizionären, ISIS aus der Stadt zu vertreiben. Regierungstreue Kämpfer vertrieben die Dschihadisten aus mehreren Dörfern rund um Mossul, wie ein Sprecher der irakischen Anti-Terror-Einheiten erklärte. Unterstützt wurden sie von Kampfjets der US-geführten Militärallianz. Auch britische, französische und US-Spezialkräfte waren vor Ort, um die irakischen Einheiten zu beraten.

Centcom meldet einige Aktionen und Lufteinsätze. Es ist allerdings unklar, wieviele Söldner sich überhaupt noch in Mossul befinden:

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

Ein Einwohner von Mossul sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Straßen der Stadt seien leer. "In uns ist Freude, weil wir das Gefühl haben, dass wir vor unserer Rettung stehen", sagte der 47-jährige Ex-Firmenchef Abu Saif. Zugleich herrsche Angst vor Racheakten des IS.

Hunderte Christen aus der Stadt Karakosch haben laut AFP den Einsatz der irakischen Regierungstruppen zur Befreiung ihres Heimatorts von der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) gefeiert. "Heute ist ein glücklicher Tag. Es gibt keinen Zweifel, dass unsere Heimat befreit wird, und wir danken Gott, Jesus Christus und der Jungfrau Maria", sagte einer der Feiernden, Hasem Dschedschu Cardomi, am Dienstag in einer Kirche der kurdischen Regionalhauptstadt Erbil.

Die Regierungstruppen hatten zuvor mehrere Viertel von Karakosch zurückerobert. Die Stadt 15 Kilometer südöstlich von Mossul wurde seit August 2014 von den Dschihadisten kontrolliert. Es ist unklar, ob sich noch IS-Kämpfer in der Stadt befinden. Vor der Blitzoffensive der IS-Miliz im August 2014 lebten rund 50.000 Menschen in Karakosch, die meisten von ihnen Christen, doch zwang der Vormarsch der sunnitischen Extremistengruppe praktisch alle Einwohner zur Flucht.

Karakosch war die größte christliche Stadt des Irak. George Dschahola, ein christlicher Flüchtling aus Karakosch, sagte bei den Feiern in Erbil, auch wenn ihre Häuser zerstört seien, wollten die Einwohner in ihre Heimatstadt zurückkehren. Die irakische Armee hatte in der Nacht zu Montag mit der Unterstützung kurdischer und schiitischer Milizen eine seit langem erwartete Großoffensive zur Rückeroberung von Mossul gestartet. Es wird aber ein langwieriger Kampf um die Großstadt erwartet.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

Anzeige
DWN
Panorama
Panorama Halbzeit Urlaub bei ROBINSON

Wie wäre es mit einem grandiosen Urlaub im Juni? Zur Halbzeit des Jahres einfach mal durchatmen und an einem Ort sein, wo dich ein...

DWN
Panorama
Panorama Der Chefredakteur kommentiert: Eine rauschende Ballnacht! Wirklich?
12.04.2024

Liebe Leserinnen und Leser, jede Woche gibt es ein Thema, das uns in der DWN-Redaktion besonders beschäftigt und das wir oft auch...

DWN
Finanzen
Finanzen Vor der nächsten Zinswende: Welche Zinsprodukte lohnen sich noch und wie viel Geld sollte man festverzinslich anlegen?
12.04.2024

Die nächste Zinswende steht kurz bevor, aber noch gibt es für Anleger attraktive Zinsen. Welche Zinsprodukte sind empfehlenswert und wie...

DWN
Immobilien
Immobilien Wohnungsnot? Wo zigtausende Häuser und Apartments leer stehen
12.04.2024

Nicht überall gibt es vergleichbare Probleme auf dem Wohnungsmarkt wie in Berlin, Hamburg oder München. Entsprechend macht eine generelle...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Das KaDeWe ist verkauft und darf nun auf eine neue Blütezeit hoffen
12.04.2024

Während mit der Pleite von Rene Benkos Signa-Holding in Wien wohl der letzte Dominostein gefallen ist, herrscht wenigstens bei der...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Krieg in der Ukraine: So ist die Lage
12.04.2024

Die Schweiz plant einen Friedensgipfel zur Beendigung des Ukraine-Kriegs, doch Moskau bleibt fern. Ohne Russland – ein...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Scholz' China-Reise: Drahtseilakt zwischen Wirtschaft und Diplomatie
12.04.2024

Bundeskanzler Olaf Scholz führt für vier Tage eine Delegation nach China. Sein Besuch im Reich der Mitte soll auf wirtschaftliche...

DWN
Finanzen
Finanzen Volkswirt: Die Phase hoher Inflation ist beendet
12.04.2024

Sinkende Preise bei Nahrung und Energie bringen Erleichterung: Inflationsrate auf tiefstem Stand seit Jahren. Was bedeutet das für die...

DWN
Politik
Politik Eineinhalb Jahre bis zur Bundestagswahl: Was wuppt die Ampel noch?
12.04.2024

Wann hat der Bundestag eigentlich das letzte große Gesetz verabschiedet? Die Ampel-Koalition vermittelt das Gefühl, mehr festzustecken...