Elektrokonzern ABB erlebt Auftragskrise

Lesezeit: 2 min
27.10.2016 12:33
ABB -Chef Ulrich Spiesshofer bekommt den Auftragsschwund des Elektrokonzerns nicht in den Griff.
Elektrokonzern ABB erlebt Auftragskrise

Im dritten Quartal sackte das Volumen der Neubestellungen binnen Jahresfrist abermals um 14 Prozent auf rund 7,5 Milliarden Dollar ab, wie die Schweizer am Donnerstag mitteilten. Der Umsatz schrumpfte um drei Prozent auf 8,26 Milliarden Dollar, der Konzerngewinn fast im gleichen Umfang auf 568 Millionen Dollar. Der zunehmend unter Druck stehende Manager bekräftigte, über die Zeit werde sein Unternehmen durch die neue Digitalisierungsstrategie auf den Wachstumspfad zurückkehren. An der Börse überwog die Skepsis: Die ABB-Aktien stürzten um gut sechs Prozent ab.

"Im dritten Quartal kam alles zusammen", erklärte Spiesshofer. Ein schlechtes Marktumfeld, die Brexit-Entscheidung, der US-Wahlkampf und die Investitionsscheu der Kunden infolge der unsicheren Zukunft der ABB-Netzwerktechnik hätten die Bestellungen neuerlich zusammenschnurren lassen. Spiesshofer hatte fast ein Jahr darüber gebrütet, ob er das Geschäftsfeld verkauft und sich Anfang Oktober schließlich gegen den Willen des Großaktionärs Cevian für einen Verbleib entschieden.

"Ich kann nicht vorhersagen, in welchem Quartal wir wieder Wachstum haben werden, aber wir werden dahin zurückkehren", sagte Spiesshofer. "Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht. Es wird aber eine Weile dauern." Auf kurze Sicht bleibe der Markt schwierig. ABB leidet vor allem unter der Investitionsscheu der Öl- und Gasförderbranche infolge des niedrigen Ölpreises. Auch bei Konkurrenten wie Siemens und GE hinterließ der Trend zuletzt Spuren, die Rivalen schnitten aber deutlich besser ab. Siemens will seine aktuellen Quartalszahlen in zwei Wochen vorlegen.

Spiesshofer verwies auf die jüngsten Sparanstrengungen: ABB habe das achte Quartal in Folge seine operative Marge nach oben getrieben. Bei dem Sparkurs werde es bleiben. "Wir führen das Unternehmen weiterhin diszipliniert und nutzen konsequent unsere Wachstumschancen, während wir gleichzeitig Erträge und den Cashflow steigern." Einen konkreten Ausblick für das verbleibende Geschäftsjahr gab der Schwabe nicht. An seinen mittelfristigen Zielen hielt er indes fest, wonach bis 2020 der Umsatz jährlich um drei bis sechs Prozent zulegen und die operative Rendite (op. Ebita) elf bis 16 Prozent betragen soll. Der Aktienkurs werde auf absehbare Zeit von zuletzt gut 20 Franken auf 35 Franken steigen, wie vom Investor Cevian verlangt.

Experten betrachten die Versprechen misstrauisch. "Der Gegenwind ist sogar noch stärker geworden", urteilte Analyst Panagiotis Spiliopoulos von Vontobel. "Die Auftragslage verschlechterte sich von ohnehin niedrigen Vergleichswerten im Vorjahr. Wir fürchten das der Wendepunk weiter in die Ferne rückt und alle operativen Verbesserungen von den schwindenden Einnahmen für weitere Quartale aufgezehrt werden." Seine Kollegen von Barclays nannten die Quartalszahlen schlicht "eine Enttäuschung".

Für Aufsehen sorgte Spiesshofer auch mit einer überraschenden Personalie. Im kommenden Früjahr ersetzt er seinen bisherigen Finanzvorstand Eric Elzvik durch den 50-jährigen Finnen Timo Ihamuotila, der von Nokia kommt. "Wenn man das Unternehmen verändert, muss man sich auch das Team anschauen", sagte der ABB-Chef. "Wir haben diese Entscheidung gemeinsam getroffen", sagte Elzvik. "Für mich persönlich ist es die richtige Zeit, eine andere Richtung einzuschlagen." Der 56-jährige Schwede war 32 Jahre bei ABB, davon letztlich drei als Finanzchef.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Elektromobilität: In jedem Wandel stecken Chancen

Emissionen verringern, Kosten sparen und Imagegewinne erzielen – die Gründe für Unternehmen, in der Flotte auf Fahrzeuge mit...

DWN
Finanzen
Finanzen Bäckereikette Kamps: Mehrwertsteuer-Senkung bekommt nur, wer bargeldlos zahlt

Die von der Bundesregierung zur Stimulierung der Wirtschaft eingeführte Mehrwertsteuersenkung wird von der Bäckereikette Kamps zum Kampf...

DWN
Politik
Politik Israel ernennt erstmals Moslem zum Elite-Kommandanten

In Israel wurde erstmals ein muslimischer Druse zum Kommandanten einer Spezialeinheit ernannt.

DWN
Deutschland
Deutschland Die dunkle Seite des Kurzarbeitergelds: Die Autobauer nutzen es, um die Produktion zu verschlanken - und Massen-Entlassungen vorzunehmen

Das Kurzarbeiter-Geld sollte Entlassungen verhindern - doch im Endeffekt hat es den gegenteiligen Effekt.

DWN
Finanzen
Finanzen Private-Equity-Firmen nutzen Schulden-Boom, um sich selbst hohe Dividenden zu zahlen

Private-Equity-Firmen gehören zu den Profiteuren der aktuell starken Nachfrage nach Unternehmensschulden. Sie decken ihre Unternehmen im...

DWN
Politik
Politik Tier-Experimente: Etwa 2.000 Affen werden irre gemacht, missbraucht und gequält

In den USA werden in einem Versuchslabor etwa 2.000 Affen seit Jahrzehnten in den Wahnsinn getrieben und gequält. „In der Einrichtung...

DWN
Deutschland
Deutschland Datenschutz: Bundesregierung will Steuer-ID auch für Rentenübersicht nutzen

Einem Gesetzesentwurf zufolge soll ein Bürger, wenn er über das Internet seine Rentenansprüche abfragen will, seine...

DWN
Deutschland
Deutschland Corona-Panikmache: Es gab keine Superspreaderin in Garmisch-Partenkirchen

In Garmisch-Partenkirchen gab es keine Corona-Superspreaderin, die nachts von Kneipe zu Kneipe gezogen ist, um die Menschen zu infizieren....

DWN
Politik
Politik US-Geopolitiker Friedman: Eine russisch-deutsche Entente würde Europa dominieren

Im Gespräch mit den Deutschen Wirtschaftsnachrichten sagt der umstrittene US-Geopolitiker George Friedman, dass eine deutsch-russische...

DWN
Finanzen
Finanzen Hexensabbat: Dax schließt am Freitag letztlich klar im Minus

Der Dax ist am Freitag im Zuge des Verfalls an den Terminbörsen wieder unter die 13.200 Punkte gefallen. Letztlich war es eine schwache...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Aller politischen Querelen zum Trotz: Wie die Wirtschaft Deutschland und Polen zusammenhält

Polen hat nach der politischen Wende eine erstaunliche Entwicklung genommen. Das Land ist mittlerweile nicht mehr aus der Wirtschaft...

DWN
Politik
Politik Reine Planwirtschaft: EU-Bürokraten zwingen Autobauer zur Produktion von mehr E-Autos

Die europäischen Autobauer müssen in den nächsten zehn Jahren strengere Kohlendioxid-Emissionsvorschriften erfüllen. Für die Branche...

DWN
Deutschland
Deutschland Corona-Gesetze: Bundesregierung investiert in die Digitalisierung, nicht in mehr Ärzte

Die Bundesregierung wird angesichts der Corona-Krise Milliarden in Krankenhäuser und Gesundheitsämter investieren. Doch das Geld fließt...

DWN
Deutschland
Deutschland Bundestag beschließt Erhöhung der Kfz-Steuer bei Autos mit hohem Spritverbrauch

Ab 2021 steigt für neue Autos mit hohem Spritverbrauch die Kfz-Steuer.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Massenentlassungen und Werksaufgaben: In Deutschlands Zuliefer-Industrie herrscht der Ausnahmezustand

Die Serie an Massenentlassungen und Werksschließungen in Deutschlands Zulieferindustrie setzt sich ungebremst fort. Die Lage ist...

celtra_fin_Interscroller