Wirtschaft

Wirtschaftsflaute: Wenn Panzer Autos ersetzen - Rüstungsindustrie soll Rettungsanker und Chance sein

Die Absatzschwäche deutscher Autohersteller und Zulieferer trifft auf eine boomende Rüstungsindustrie: Deutschland ist inzwischen viertgrößter Waffenexporteur der Welt. Einige Autokonzerne setzen deshalb verstärkt auf Panzer statt Autos. Warum der Rettungsanker nicht zu einem nachhaltigen Wirtschaftsaufschwung führt.
18.03.2026 19:08
Lesezeit: 2 min

Krise in Autobranche - Rüstungsindustrie als Rettungsanker

Für die kriselnde Auto-Zulieferbranche bieten sich laut einer Studie Chancen in der Rüstungsindustrie. «Rüstung ist nicht der alleinige Rettungsanker für den Automotive-Bereich», sagte der Branchenexperte Werner Olle der Deutschen Presse-Agentur. «Aber die Unternehmen müssen sich breiter aufstellen und da kann Rüstung eine Komponente sein.» Als Beispiele nannte Olle die Fertigung von Karosserieteilen, Antriebskomponenten, aber auch Fahrzeug- und Assistenzsystemen.

Die Absatzschwäche der deutschen Auto-Industrie und der Wandel hin zur Elektromobilität trifft viele Zulieferbetriebe. Jobabbau ist die Folge. Dagegen verzeichnet die Rüstungsindustrie wegen internationaler Konflikte wie den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine starke Zuwächse und expandiert.

So hat etwa der Konzern KNDS das frühere Waggonwerk in Görlitz übernommen, um dort Panzerteile zu produzieren. Die Auto-Industrie hat ebenfalls Rüstungsprojekte im Blick, um Überkapazitäten abzubauen. So sucht Volkswagen eine Zukunft für sein Werk im niedersächsischen Osnabrück und führt dazu nach eigenen Angaben auch Gespräche mit Rüstungsunternehmen.

Sonderfahrzeuge, Panzerung, Elektronik

Schon heute sind etliche Unternehmen der Automobilbranche für Rüstung tätig, wie die Analyse belegt, die Olle im Auftrag des Verbandes Automotive Thüringen erstellt hat. Dabei wurden bundesweit 150 Zulieferer der Rüstungsindustrie näher analysiert.

Mehr als 40 davon seien der weitgefächerten Zulieferstruktur der Automobilindustrie zuzuordnen: von Metallbearbeitung über die Kunststoff-, Glas- und Keramikindustrie bis hin zu IT- und Ingenieurdienstleistungen. Das zeige, dass heute Unternehmen der Automobilbranche und ihre Zulieferindustrien bereits in beachtlichem Umfang für den sogenannten Defence-Bereich tätig seien, heißt es in der Studie.

Die Auto-Branche biete technologisch viele Anknüpfungspunkte gerade mit Blick auf Produkte, die zivil und militärisch genutzt werden können, erklärte Olle. Zudem gehe es bei Rüstungsaufträgen um kleinere Stückzahlen. Das biete auch kleinen und mittleren Unternehmen die Chance, hier als Zulieferer aktiv zu werden.

Doch gibt es dabei Hürden, wie Olle erklärt. Die Rüstungsindustrie sei für viele interessierte Zulieferer Neuland - mit anderen Strukturen, Auftraggebern, Geschäftsmodellen und Anforderungen. Erfolgversprechend sei vor allem, Teile oder Komponenten an Rüstungsunternehmen zu liefern oder sich mit Unternehmen zusammenzutun, die schon in diesem Bereich tätig sind.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen Investor Felix: Der neue Anleger der DWN stellt sich vor

Wie können Sie ein Vermögen an der Börse aufbauen, wenn Sie weder Erfahrung bei der Aktienanalyse haben noch die Zeit für den...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Verkehrte Welt: Griechen lehren die Deutschen Reformen, griechische Börse renditestärker als deutsche
07.10.2026

Vor gut einem Jahrzehnt diskutierte Deutschland noch über einen möglichen Euro-Austritt Griechenlands. Heute wächst die griechische...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Märkte im Überblick: Nasdaq und S&P 500 schließen auf Rekordhochs; Anleiherenditen geben nach
06.10.2026

Welche Kräfte die Märkte antreiben und warum bestimmte Sektoren jetzt besonders profitieren.

DWN
Finanzen
Finanzen Pest-Verdacht in Russland treibt meine Aktie plötzlich zweistellig nach oben
06.10.2026

Die Aktie, die ich vergangene Woche noch als obskur bezeichnet hatte, ist um fast 13 Prozent gestiegen.

DWN
Technologie
Technologie Deutsche Bahn: Per 5-Jahres-Plan endlich pünktlich ans Ziel?
06.10.2026

Marode Gleise und unpünktliche Züge belasten den Bahnverkehr in Deutschland. Ein neuer Infraplan soll verbindliche Ziele setzen und die...

DWN
Politik
Politik Staatshaushalt: Finanzierungsdefizit im ersten Halbjahr 2026 von fast 99 Milliarden Euro
06.10.2026

Der deutsche Staat gibt deutlich mehr aus, als er einnimmt: Die öffentlichen Haushalte verzeichnen im ersten Halbjahr 2026 ein Defizit von...

DWN
Finanzen
Finanzen Investor Felix: Eine Anlage, der ich keinen Erfolg wünsche
06.10.2026

Alpha Pro Tech ist klein, langweilig und an der Börse meist nahezu unsichtbar. Doch sobald eine Gesundheitskrise ausbricht, können Umsatz...

DWN
Finanzen
Finanzen Frankreichs Schulden treiben den Euro in die Krise
06.10.2026

Der Euro fällt auf den tiefsten Stand seit 17 Monaten, während Frankreichs Schuldenkrise die Finanzmärkte verunsichert. Warum Experten...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Nissan Qashqai im Test: Elektrogefühl ohne Ladekabel
06.10.2026

Der Nissan Qashqai e-Power ist ein Hybrid, funktioniert aber anders als die meisten Konkurrenten. Die Räder treibt immer ein Elektromotor...