Finanzen

Großbritannien will Steuern für Unternehmen auf Rekord-Niveau senken

Lesezeit: 2 min
22.11.2016 02:09
Großbritannien hat angekündigt, die Steuern für Unternehmen deutlich abzusenken, um Firmen von einem Wegzug abzuhalten. Der Schritt könnte andere Staaten unter Zugzwang setzen.
Großbritannien will Steuern für Unternehmen auf Rekord-Niveau senken

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

Die britische Premierministerin Theresa May versucht die Firmen mit weitreichenden Versprechen im Land zu halten, berichtet Reuters. Um eine wirtschaftliche Schwächung des Landes nach dem angestrebten Brexit zu verhindern, kündigte May am Montag Pläne zu einer deutlichen steuerlichen Entlastung an. „Mein Ziel ist nicht nur, die niedrigste Unternehmensteuer in der G20 zu haben, sondern auch eine, die Innovationen umfassend unterstützt“, sagte sie vor hochrangigen Vertretern des heimischen Unternehmerverbandes CBI. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble warnte die Regierung in London davor, einen Dumping-Wettbewerb bei der Firmenbesteuerung in der EU auszulösen. Kritik an den Londoner Plänen kam auch von EU-Abgeordneten.

Der Zeitung Daily Telegraph zufolge will May die Körperschaftsteuer möglicherweise auf unter 15 Prozent drücken. Derzeit liegt der Satz bei 20 Prozent. Damit sollen auch Firmen aus anderen Ländern nach Großbritannien gelockt werden. Der künftige US-Präsident Donald Trump hatte im Wahlkampf Unternehmen ebenfalls eine Absenkung des Steuersatzes auf 15 Prozent zugesagt. Eine Sprecherin Mays verwies darauf, dass die Regierung bereits Pläne vorgelegt habe, die Unternehmenssteuer bis 2020 auf 17 Prozent zu verringern. Berichte über eine zusätzliche Absenkung nannte sie spekulativ.

Viele in Großbritannien beheimatete Unternehmen befürchten Nachteile durch den geplanten Austritt aus der EU. Sie wollen rasch Klarheit über die Bedingungen und Konsequenzen des Brexit. Das bringt May immer stärker unter Druck. „Wir wollen eine Vereinbarung, die am besten ist für das Vereinigte Königreich“, sagte die Premierministerin zu den anstehenden Austrittsverhandlungen mit den EU-Ländern. Sie hat in Aussicht gestellt, den sogenannten Artikel 50 des EU-Rechts bis März zu aktivieren.

Schäuble erinnerte in Berlin daran, dass Großbritannien in Steuerfragen an europäisches Recht gebunden ist, solange es zur EU gehört. Danach gelte weiter das, was das Land beim G20-Gipfel von Antalya versprochen habe. Dort brachten die Finanzminister der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) vor fast genau einem Jahr eine Reihe von Maßnahmen auf den Weg, um die Steuertricks von Konzernen zu bekämpfen und unfairen Steuerwettbewerb zu vermeiden.

In der 15 Punkte umfassenden Initiative gegen steuersparende Gewinnverschiebungen (BEPS) ist aber keine Vereinbarung enthalten, bestimmte Mindeststeuersätze einzuhalten. Die Initiative geht auf die Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) zurück, zu der Großbritannien ebenso gehört wie zu den G20-Staaten. Die EU-Kommission, die bereits an der Umsetzung der BEPS-Maßnahmen arbeitet, hat bisher stets allen Spekulationen widersprochen, einheitliche Mindestsätze einführen zu wollen. Mays Pläne zur Absenkung der Unternehmenssteuer wollte die Brüsseler Behörde zunächst nicht kommentieren.

Einen Mindeststeuersatz forderte dagegen der EU-Parlamentarier Sven Giegold von den Grünen. Er nannte die britischen Pläne einen „politischen Marketing-Gag“. Viele Großunternehmen führten bereits ihre Gewinne zu niedrigsten Sätzen in britischen Steueroasen in der Karibik und im Ärmelkanal ab. Wie Schäuble erinnerte der EU-Abgeordnete Markus Ferber (CSU) an die Vereinbarungen mit Großbritannien auf Ebene von G20 und OECD. Der Regierung in London stehe es zwar frei, die Körperschaftssteuersätze zu senken. „Schaut man sich jedoch die Höhe der britischen Staatsverschuldung an, habe ich erhebliche Zweifel, dass das eine nachhaltige Strategie wäre“, sagte Ferber.

In Europa hat vor allem Irland mit niedrigen Steuersätzen internationale Konzerne angezogen. Dort gilt ein Satz von 12,5 Prozent. In Deutschland werden Unternehmen mit knapp 30 Prozent besteuert.

May begrüßte in ihrer Rede vor den Unternehmern auch die Ankündigung des Online-Netzwerkes Facebook, trotz des Brexit-Votums die Präsenz in Großbritannien auszubauen. Das sei nur ein Beispiel der Zuversicht von Firmen in die britische Wirtschaft, sagte May.

EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager signalisierte, dass es von ihrer Seite vorerst keine Einwände gegen die Vereinbarungen der britischen Regierung mit dem japanischen Autobauer Nissan gibt. Der Konzern hatte die Zusicherung erhalten, dass seine Fabrik in Sunderland bei Newcastle auch dann wettbewerbsfähig bleiben wird, wenn Großbritannien die EU verlässt.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Deutschland
Deutschland Bund und Länder verhängen massive neue Corona-Einschränkungen

Bund und Länder haben sich bei ihrem Corona-Krisengespräch am Mittwoch auf vorübergehende massive Beschränkungen des öffentlichen...

DWN
Deutschland
Deutschland Psychotherapeuten-Vereinigung: "Die Bundesregierung muss umfangreich und differenziert aufklären und die Menschen beteiligen"

Die ständig schlechten Nachrichten sind eine massive Bedrohung für die psychische Gesundheit. Der Bundesvorsitzende der Deutschen...

DWN
Deutschland
Deutschland Risiko einer zweiten Rezession in Deutschland steigt

Ökonomen schließen wegen der stark steigenden Corona-Positivtests und wegen der drohenden Gegenmaßnahmen einen Rückfall der deutschen...

DWN
Deutschland
Deutschland So verrückt sind manche Corona-Regelungen in Deutschland

Karneval ohne Schunkeln, Fußball ohne Fangesänge, Sex nur mit einem Partner: Eine Auswahl von interessanten Corona-Regelungen in den 16...

DWN
Finanzen
Finanzen Ende des Börsenbooms? Was der drohende Lockdown für Anleger bedeutet

Freitag letzter Woche veröffentlichten wir einen Artikel von Andreas Kubin. Angesichts der Ereignisse, die in den vergangenen drei Tagen...

DWN
Deutschland
Deutschland Ärzte-Verbände fordern Strategiewechsel in Corona-Politik

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung und Dutzende weitere Mediziner-Fachverbände fordern von Bund und Ländern einen Strategiewechsel in...

DWN
Deutschland
Deutschland Labor liefert reihenweise falsch positive Corona-Ergebnisse

Täglich werden in den deutschen Laboratorien abertausende Corona-Tests ausgewertet. Mitunter wird den Patienten ein falsch positives...

DWN
Politik
Politik Will die italienische Regierung das Militär gegen Anti-Corona-Demonstranten einsetzen?

In Italien droht offenbar ein Einsatz des Militärs im Inland, um die Anti-Corona-Proteste einzudämmen. Ein renommierter...

DWN
Deutschland
Deutschland Einzelhandel fürchtet Einbruch bei wichtigem Weihnachtsgeschäft

Wegen des drohenden zweiten Lockdowns droht den deutschen Einzelhändlern nach einem schlechten Jahr nun auch ein schlechtes...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Londoner Airport Heathrow verliert europäischen Spitzenplatz

Die Corona-Pandemie kostet den Londoner Flughafen seinen europäischen Spitzenplatz. Das Management kürzte für das kommende Jahr seine...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Krisen-Profiteur Delivery Hero liefert jetzt mehr als nur Essen

Nachdem der Essenslieferdienst seinen Umsatz im dritten Quartal verdoppeln konnte, will er nun weitere Märkte erschließen. An der Börse...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin klettert auf höchsten Stand seit Anfang 2018

Die starken Kursgewinne des Bitcoin setzen sich fort. Erreicht die größte Kryptowährung noch vor Weihnachten ein neues Allzeithoch?

DWN
Marktbericht
Marktbericht Steigende Infektionszahlen drücken Dax unter psychologisch wichtige Marke von 12.000 Punkten

Die deutschen Börsen werden weiter von der Pandemie belastet. Da konnten auch positive Nachrichten der Deutschen Bank nur wenig helfen,...

DWN
Deutschland
Deutschland Deutsche Exporteure fürchten verstärkte Corona-Maßnahmen

Die deutschen Exporteure blicken mit Sorge in die Zukunft, wie das Ifo-Institut am Dienstag mitteilte. Denn wichtige Handelspartner drohen...