Politik

EZB lockert Kapitalvorschriften für Deutsche Bank und Commerzbank

Lesezeit: 2 min
28.12.2016 01:50
Die Deutsche Bank und die Commerzbank können künftig mit einer niedrigeren Kernkapitalquote arbeiten. Die kleinen Banken werden dagegen von der Bafin aufgefordert, ihre Quote zu erhören.
EZB lockert Kapitalvorschriften für Deutsche Bank und Commerzbank

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Die Deutsche Bank braucht wie die meisten Großbanken in Europa laut Reuters von 2017 an keine so dicke Kapitaldecke mehr. Die Europäische Zentralbank (EZB), die als Bankenaufseher für die größten Geldhäuser der Euro-Zone fungiert, senkt die geforderte harte Kernkapitalquote für das Geldhaus auf 9,51 Prozent, wie die Deutsche Bank am Dienstag mitteilte. Das sind 1,25 Prozentpunkte weniger als in diesem Jahr. Das ist vor allem für die Zahlung von Dividenden, Zinsen auf bestimmte Hybridpapiere und Boni wichtig. Nur wer die sogenannte SREP-Quote erfüllt, die für jede Bank individuell für ein Jahr festgelegt wird, unterliegt dabei keiner Beschränkung. Zugleich erwartet die EZB aber, dass die Banken weiterhin höhere Puffer vorhalten, auch wenn dies nicht mit unmittelbaren Sanktionen verbunden ist.

Die Deutsche Bank lag - dank Übergangsregelungen - Ende September mit 12,58 Prozent hartem Kernkapital deutlich über den offiziellen Anforderungen der EZB. Ohne Übergangsvorschriften, die bis 2018 auslaufen, wären es aber nur 11,1 Prozent gewesen. Diese Quote will das größte deutsche Geldhaus mittelfristig auf 12,5 Prozent schrauben. Der Verkauf von Anteilen an der Hua Xia Bank aus China und am britischen Versicherer Abbey Life hat die Quote im Herbst bereits um 0,6 Prozent erhöht, die Einigung auf eine Milliardenstrafe für Tricksereien am US-Immobilienmarkt knabbert aber nach Berechnungen von Experten 0,3 Prozent ab.

Die EZB hat die verpflichtenden Kernkapitalquoten für die meisten der von ihr beaufsichtigten Banken gesenkt. Sie sollen damit in schwierigen Zeiten mehr Spielraum erhalten. Bei der Deutschen Bank hatten sich Anleger in diesem Jahr immer wieder Sorgen gemacht, dass sie wegen der knappen Kapitaldecke ihre Zwangswandelanleihen (AT1) nicht mehr bedienen dürfe. Das dürfte nun kein Thema mehr sein.

Auch für die Commerzbank hatte die EZB die SREP-Anforderung gesenkt. Sie muss 2017 nur noch 8,5 Prozent hartes Kernkapital vorhalten, 2016 waren es noch 10,25 Prozent. Ihr kommt zugute, dass sie anders als die Deutsche Bank nicht zu den für das globale Finanzsystem wichtigsten Geldhäusern zählt, für die besonders scharfe Kapitauflagen gelten. Die Commerzbank hat die Risiken in seiner Bilanz deutlich gesenkt. Mit 13,6 Prozent lag sie dank Übergangsregeln zuletzt deutlich über den geforderten Werten.

Die Bankenaufseher haben seit der Finanzkrise 2008 versucht, die Branche mit Kapitalauflagen krisenfester zu machen, damit sie den Staaten nicht mehr zur Last fällt. Die SREP-Quoten gibt es allerdings nur für Großbanken. Doch müssen sich auch kleinere deutsche Banken auf Geheiß der Finanzaufsicht BaFin künftig mit einem zusätzlichen Puffer besser gegen einen raschen Zinsanstieg absichern. Die Bankenaufseher fürchten, dass sich die Zinserträge - etwa aus langfristigen Krediten - dann nur langsam verändern, die Zinsaufwendungen aber mit den Marktzinsen schnell stark steigen. Der neue Puffer soll diesen Zinsschock laut BaFin wenigstens zur Hälfte ausgleichen.

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