Unternehmen

Starbucks dreht den Spieß um: Mehr Baristas statt mehr Maschinen

Starbucks gibt auf die Maschinen auf: Statt weiter in teure Technik zu investieren, stellt das Unternehmen 3.000 Baristas ein. Nach jahrelangem Versuch, den Service durch Automatisierung zu verbessern, erkennt CEO Brian Niccolò nun, dass der Mensch doch unersetzlich ist – ein klarer Rückschritt in Zeiten von Technologie-Hypes.
10.05.2025 08:43
Lesezeit: 3 min
Starbucks dreht den Spieß um: Mehr Baristas statt mehr Maschinen
Entgegen dem Trend: Starbucks setzt auf den menschlichen Faktor. (Foto: dpa | Richard Drew) Foto: Richard Drew

Personalabbau als Fehleinschätzung

Starbucks hat einen bemerkenswerten Kurswechsel vollzogen. Nachdem das Unternehmen Anfang des Jahres eine der größten Entlassungswellen in seiner Geschichte angekündigt hatte, gab es nun eine überraschende Entscheidung: Das Kaffeeunternehmen plant, rund 3.000 zusätzliche Baristas in seinen weltweit etwa 40.000 Filialen einzustellen. Diese Kehrtwende verdeutlicht, dass Starbucks auf den Mensch zurücksetzt – trotz der wachsenden Tendenz, in der Lebensmittel- und Getränkebranche verstärkt auf Technologie und Automatisierung zu setzen.

Brian Niccolò, CEO von Starbucks, erklärte in einer Stellungnahme gegenüber Investoren, dass das Unternehmen in den letzten Jahren die Zahl der Mitarbeiter reduziert hatte, in der Hoffnung, durch den verstärkten Einsatz von Automatisierungstechnik die Auswirkungen auf die Servicequalität auszugleichen. „Wir haben gehofft, dass die Ausstattung den Personalabbau kompensieren könnte“, so Niccolò, der jedoch einräumte, dass diese Annahme nicht zutraf. Trotz erheblichem Investitionsaufwand in Maschinen und Technologien sei die erhoffte Effizienzsteigerung ausgeblieben, sodass das Unternehmen nun auf mehr Personal setzt.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache

Starbucks hat die neuesten Finanzergebnisse veröffentlicht, die einen Umsatzrückgang von 1 % im Zeitraum bis Ende März 2025 zeigen – das fünfte Quartal in Folge mit rückläufigen Einnahmen. Obwohl das Unternehmen in den USA Schwierigkeiten hat, verzeichnete Starbucks in China und Kanada einen Anstieg des Umsatzes. Doch die Schwäche auf dem US-Markt zwingt den Konzern, seine Strategie zu überdenken und sich wieder stärker auf die Bedürfnisse der Kunden zu konzentrieren.

Der Mensch bleibt unersetzlich

„Die Ausrüstung ist nicht die Lösung für das Kundenerlebnis, das wir bieten müssen“, so Niccolò in einer Erklärung. Trotz des höheren Kostenaufwands durch die Einstellung zusätzlicher Mitarbeiter erhofft sich der CEO, dass diese Maßnahme langfristig zu einem Wachstum führen wird. Der Fokus auf mehr Baristas und damit auf eine individuellere Kundenbetreuung stellt eine Reaktion auf die wachsenden Erwartungen der Konsumenten an Servicequalität und persönliche Ansprache dar. Dieser Schritt ist ein Versuch, die Kundenbindung zu stärken und verlorene Marktanteile zurückzugewinnen.

Strategische Anpassungen und Veränderungen

Dieser Schritt fällt in die Zeit, in der Niccolò, der im September 2024 die Leitung von Starbucks übernahm, die Unternehmensstrategie tiefgreifend überarbeitet. Eine der ersten Maßnahmen war die Testphase, bei der einige Filialen mit mehr Personal ausgestattet wurden – und das positive Ergebnis führte nun dazu, dass diese Strategie auf 3.000 Filialen ausgeweitet wird. Parallel dazu kündigte Starbucks an, ab dem 12. Mai einige Menüangebote zu streichen und Änderungen an der Uniformpolitik vorzunehmen, um das Arbeitsumfeld und das Kundenerlebnis zu verbessern.

Ein CEO mit einer teuren Vision

Brian Niccolò, ehemaliger CEO von Chipotle, kam mit einem der größten Führungsdeals in der US-Unternehmensgeschichte zu Starbucks: Ein Gehaltspaket von 113 Millionen US-Dollar, was fast viermal so hoch war wie das seines Vorgängers. Niccolò hatte zu seiner Ankunft versprochen, das „übermäßig komplexe Menü“ von Starbucks zu vereinfachen und die Preisstrategie zu überarbeiten, um der zunehmenden Kundenabwanderung und sinkenden Ausgaben entgegenzuwirken.

Rückschläge und Perspektiven

Doch der Kurswechsel in der Personalpolitik stellt auch eine Reaktion auf die im Februar angekündigten Entlassungen von 1.100 Mitarbeitern dar – vor allem aus der Verwaltung und den Support-Abteilungen. Damals wurde betont, dass die Maßnahmen keine Auswirkungen auf die Mitarbeiter in den Cafés oder der Produktion haben würden. Ziel der Entlassungen war es, die Effizienz zu steigern und die Geschäftsstruktur zu verschlanken.

Fazit: Starbucks setzt auf den menschlichen Faktor

Der Schritt, inmitten eines Trends hin zu Automatisierung und Technologie zusätzliche Baristas einzustellen, zeigt, dass Starbucks erkannt hat, dass Maschinen nicht die persönliche Note und den direkten Kontakt zum Kunden ersetzen können. In einem Markt, der zunehmend von Effizienz und Kostensenkung geprägt ist, setzt Starbucks auf die Stärke der Mitarbeiter, um das Kundenerlebnis zu verbessern und langfristig wieder profitabel zu werden.

Der CEO ist überzeugt, dass diese Investitionen in Menschen und Servicequalität der richtige Weg sind, um die Kundenbindung zu stärken und verlorene Marktanteile zurückzuerobern. Der Wettlauf um die Kunden hat sich weiter intensiviert, und Starbucks setzt alles daran, nicht nur als Kaffeekette, sondern auch als Anbieter eines unverwechselbaren, menschlichen Serviceerlebnisses wahrgenommen zu werden.

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