Politik

Wirtschaft und Flüchtlinge: May und Merkel besuchen Erdogan

Lesezeit: 2 min
26.01.2017 01:48
Die britische Premierministerin May will mit dem türkischen Präsidenten Erdogan über die wirtschaftliche Zusammenarbeit sprechen. Bundeskanzlerin Merkel trifft Erdogan zu Beratungen über die Flüchtlingskrise.
Wirtschaft und Flüchtlinge: May und Merkel besuchen Erdogan

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

Die britische Premierministerin Theresa May wird am Freitag US-Präsident Donald Trump in Washington treffen. Einen Tag später wird sie in die Türkei fliegen, um sich mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan zu treffen. Bei beiden Treffen soll es um die Themen Handel, Verteidigung und Sicherheit gehen. Die Briten streben ein Freihandelsabkommen mit der Türkei an, wie Außenminister Boris Johnson bereits unmittelbar nach seinem Antritt bei einem Besuch in Ankara gesagt hatte. Johnson hat türkische Wurzeln. Der Wunsch nach Freihandel mit der Türkei wirft Fragen für die EU auf: Denn eigentlich laufen die Beitrittsverhandlungen der EU mit Türkei offiziell noch immer. Allerdings haben die Briten klargemacht, dass sie das wenig beeindruckt. Wie der konservative britische Think Tank Open Europe in einer Analyse erläutert, wollen die Briten nach dem Prinzip verfahren, die politische Realität und die rechtlichen Vorgaben getrennt zu betrachten. Demnach könnte es auch zu einem Bruch mit der EU kommen, der schließlich vor den internationalen Gerichten geklärt werden müssten.

Auf Nachfrage der BBC, ob May sich kritisch zu den Verhaftungen seit der Niederschlagung des Putsches vom 15. Juli äußern wird, sagte eine Sprecherin der Premierministerin: „Wir haben uns in der Unterstützung der türkischen Demokratie und Institutionen seit dem Putsch im vergangenen Sommer deutlich gemacht. Die Premierministerin wird diese Gelegenheit nutzen, um unsere Unterstützung dafür zu bekräftigen, aber wir sagen auch deutlich, dass die Türkei verhältnismäßig darauf reagieren muss. Der Besuch wird die Tatsache widerspiegeln, dass die Türkei für Großbritannien in vielen Bereichen ein unentbehrlicher Partner und enger Verbündeter ist, was den Handel, die Sicherheit und die Verteidigung umfasst.“

Amnesty International (AI) fordert von May, dass sie bei ihrem Treffen mit Erdogan den Schwerpunkt der Gespräche auf den Bereich der Menschenrechte legt. Nach Ansicht von Kate Allen, die AI-Direktorin in Großbritannien, biete das Treffen eine „lebensnotwendige Gelegenheit“, um Kritik an den Festnahmen nach dem Putsch vom 15. Juli zu äußern, berichtet The Independent.

Vergangene Woche hatte sich eine britische Delegation unter der Leitung von Crispin Blunt, Vorsitzender des auswärtigen Komitees des britischen Unterhauses, mit Erdogan in Ankara getroffen. „Wir waren sehr zufrieden mit der Aufmerksamkeit, die uns in der Türkei entgegengebracht wurde. Wir hatten die Gelegenheit, uns mit dem Präsidenten für 90 Minuten zu treffen, was für ein parlamentarisches Komitee sehr ungewöhnlich ist“, zitiert Worldbulletin Blunt.

Zum Putschversuch sagte Blunt: „Präsident Erdogan und die Menschen, die auf die Straße gingen, um ihn zu unterstützen, haben der weltweiten Demokratie einen großen Dienst geleistet.“

Der türkische Sender TGRT berichtet, dass hinter den positiven Aussagen der Briten der Wunsch stecke, die Türkei als wirtschaftlichen und politischen Verbündeten zu gewinnen. Blunt soll beim Treffen mit Erdogan betont haben, dass sowohl Großbritannien als auch die Türkei zwei Länder seien, die sich außerhalb der EU befinden, doch gleichzeitig wichtige Handelspartner der EU seien. „Dies wird für beide Staaten neue gemeinsame Interessenbereiche schaffen und die Möglichkeit der Schaffung einer neuen strategischen Beziehung bieten“, so Blunt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel wird im Februar in die Türkei reisen, um sich mit Erdogan zu treffen. Sie wolle sich mit dem türkischen Präsidenten über die Flüchtlingskrise, den Kampf gegen den Terrorismus und über die deutsch-türkischen Wirtschaftsbeziehungen unterhalten, berichtet die Märkische Allgemeine. Die Zeitung Hürriyet berichtet, dass es bei dem Treffen vor allem um die Flüchtlingsproblematik und die Aktivitäten der PKK und der Gülen-Bewegung in Deutschland gehen soll. Im Bereich der Wirtschaft soll es hingegen keine verbindlichen Beschlüsse, sondern positive Botschaften bezüglich der türkisch-deutschen Wirtschaftsbeziehungen geben.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

Anzeige
DWN
Panorama
Panorama Halbzeit Urlaub bei ROBINSON

Wie wäre es mit einem grandiosen Urlaub im Juni? Zur Halbzeit des Jahres einfach mal durchatmen und an einem Ort sein, wo dich ein...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Stellenabbau wegen KI: Jetzt trifft es auch die Hochqualifizierten
16.04.2024

Der zunehmende Einsatz von KI verändert viele Branchen grundlegend und wird in Zukunft eine Reihe von Berufen überflüssig machen. Davon...

DWN
Politik
Politik Engpass bei Stromversorgung: Oranienburg zeigt Deutschland die Grenzen auf
16.04.2024

Noch ist es ein Einzelfall: Die Kleinstadt Oranienburg, nördlich von Berlin, kommt dem Bedarf ihrer Kunden nicht mehr umfänglich nach....

DWN
Politik
Politik Scholz in China: Deutliche Worte bei Xi zum Ukraine-Krieg und Klimaschutz
16.04.2024

Auf der letzten Etappe seiner China-Reise traf Bundeskanzler Scholz seinen Amtskollegen Präsident Xi Jinping. Bei ihrem Treffen in Peking...

DWN
Finanzen
Finanzen Börsenrückgang: DAX im Korrekturmodus - Was Anleger wissen müssen
16.04.2024

Der DAX hat die Woche mit einer Erholung gestartet, doch diese wurde schnell zunichte gemacht. Die Unsicherheit an den Börsen erreicht ein...

DWN
Politik
Politik Vom Kriegsrisiko bis zur politischen Krise: Chameneis Erbe und Irans Zukunft
16.04.2024

Die politische Landschaft des Irans ist geprägt von Unsicherheit und potenziellen Umwälzungen. Während sich die Diskussionen über die...

DWN
Politik
Politik Eskalation im Nahen Osten: Israel plant wohl Antwort auf iranischen Drohnenangriff
16.04.2024

Die Spannungen im Nahen Osten spitzen sich zu, nachdem der Iran Israel mit Raketen attackiert hat. Welche Optionen hat Israel? Wie reagiert...

DWN
Technologie
Technologie MAGAZIN 1 Unser neues Magazin ist da: In welchen Branchen Deutschland künftig erfolgreich sein kann
16.04.2024

Der Mond ist wieder Zentrum eines erbitterten Wettlaufs um Macht und Geld im Weltraum. Kann die Menschheit ihn erobern und unsere Probleme...

DWN
Politik
Politik Ampel-Regierung bringt Reform des Klimaschutzgesetzes und Solarpaket auf den Weg
15.04.2024

Mehr Solarkraft und neue Leitlinien beim Klimaschutz: SPD, Grüne und FDP haben sich auf eine Reform des umstrittenen Klimaschutzgesetzes...