Finanzen

Bondmarkt nervös: Italien steuert auf Neuwahlen zu

Lesezeit: 1 min
26.01.2017 10:59
Die Nervosität der Investoren bezüglich italienischer Anleihen steigt. Dem Land drohen nach einem Gerichtsbeschluss Neuwahlen und politische Auseinandersetzungen.
Bondmarkt nervös: Italien steuert auf Neuwahlen zu

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Aus Angst vor politischer Instabilität haben sich die Anleger am Mittwoch und Donnerstag aus italienischen Staatsanleihen zurückgezogen, berichtet Reuters. Zuvor hatte das Verfassungsgericht des Landes Teile der Wahlrechtsreform gekippt und den Weg für baldige Parlaments-Neuwahlen damit freigemacht. Die Renditen der italienischen zehnjährigen Papiere stiegen im Gegenzug zu den fallenden Anleihekursen am Mittwoch um bis zu neun Basispunkte auf 2,11 Prozent - den höchsten Stand seit mehr als sechs Wochen. Am Donnerstag stiegen die Renditen weiter deutlich auf 2,18 Prozent.

Besonders stark stiegen die Renditen - welche die Risikozuschläge für die Geldgeber beinhalten - auch für kurzlaufende Anleihen. Die Rendite von Papieren mit Laufzeit zwei Jahren legten um fast 45 Prozent zu. Jene von Titeln mit einer Laufzeit von fünf Jahren um knapp 10 Prozent.

Italien ist ein Sorgenkind in der Euro-Zone, weil kein Staat des Währungsraumes außer Griechenland im Vergleich zur Wirtschaftsleistung so hoch verschuldet ist. Auch der Bankensektor des Landes - allen voran die Banca Monte Paschi - sind schwer angeschlagen. Die sozialdemokratische Regierungspartei PD und die oppositionelle Fünf-Sterne-Bewegung sprachen sich nach dem Urteil für eine schnelle Neuwahlen aus. Die Chancen für die Fünf-Sterne-Bewegung, an die Macht zu kommen, seien angesichts der momentanen Umfragewerte von rund 28 Prozent zwar eher gering, sagte Rabobank-Stratege Lyn Graham-Taylor. „Doch die Kehrseite der Medaille ist, dass das auch bedeutet, dass sich die Regierung aus gespaltenen Koalitionen zusammensetzen wird und so wird es schwierig sein, Reformen durchzusetzen.“ Die Fünf Sterne Bewegung führt die Umfragen in Italien derzeit allerdings an, sie strebt ein Referendum zum Euro an.

Die Richter entschieden am Mittwoch, dass die Abgeordneten der ersten Kammer des Parlaments wieder ebenso wie der Senat nach dem Verhältniswahlrecht gewählt werden müssen. Die vom damaligen Ministerpräsidenten Matteo Renzi 2015 durchgesetzten Wahlrechtsreform hatte das Mehrheitswahlrecht für die Abgeordnetenkammer eingeführt, um die Regierungsbildung zu erleichtern. Die „Italicum“ genannte Reform sah auch de facto die Abschaffung des Zwei-Kammer-Systems vor, weil die Zuständigkeiten des Senats stark eingeschränkt werden sollten. Die Italiener lehnten die Entmachtung des Senats jedoch im Dezember in einem Referendum ab. Renzi trat daraufhin zurück.

Präsident Sergio Mattarella wies damals Forderungen nach vorgezogenen Neuwahlen zurück. Er lehnte es ab, das Parlament aufzulösen, solange für beide Parlamentskammern unterschiedliche Wahlrechte gelten.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Ratgeber
Ratgeber 5 Immobilienweisheiten – oder wie Sie den Wert Ihrer Immobilie steigern können

Aufgrund der hohen Nachfrage zeigen Immobilien eine äußerst positive Wertentwicklung. Mit ein paar Maßnahmen lässt sich der Preis der...

DWN
Politik
Politik Völkerrechtler: Der Great Reset ist ein großer Schwindel - das Weltwirtschaftsforum gehört aufgelöst

Lesen Sie heute den zweiten Teil des Interviews, das DWN-Autor Ralf Paulsen mit Alfred de Zayas, dem ehemaligen Sekretär der...

DWN
Deutschland
Deutschland Kubicki deckt auf: Grundrechte der Deutschen wurden jahrelang auf Basis von Behauptungen beschnitten

Die Deutschen wurden in den vergangenen zwei Jahren offenbar auf Basis bloßer Behauptungen von RKI und Gesundheitsministerium gegängelt....

DWN
Politik
Politik Putins Tauschbörse: Getreideexporte aus der Ukraine gegen Aufhebung der Sanktionen

Russlands Präsident Wladimir Putin telefoniert mit dem italienischen Regierungschef Mario Draghi.

DWN
Finanzen
Finanzen Kommt die Vermögensabgabe – und wie schützen sich Anleger?

Immer mehr Stimmen fordern einen Corona- oder Ukraine-Lastenausgleich – also eine verpflichtende Vermögensabgabe, die die exorbitanten...

DWN
Politik
Politik Ukraine: Deutschland soll sich selbst das Gas abdrehen

Der ukrainische Netzbetreiber fordert von Deutschland, sich selbst schweren Schaden zuzufügen.

DWN
Politik
Politik Nach russisch-chinesischem Manöver: Japan und USA setzen auf Abschreckung

Der Konflikt im Indopazifik schaukelt sich zunehmend hoch.

DWN
Politik
Politik China wirft NATO und USA Einmischung, Übertreibung und Doppelmoral vor

Die USA versuche, so der chinesische Außenamtssprecher Wang Wenbin, "Chinas Entwicklung einzudämmen und zu unterdrücken und die...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Chinesische Frachten zu teuer: Turbulenzen auf hoher See

Nicht nur gebrochene Lieferketten, sondern auch die globalen Frachtpreise bereiten deutschen Unternehmen Kopfzerbrechen.