Politik

Frankreich: Fillon soll offiziell angeklagt werden

Lesezeit: 2 min
01.03.2017 12:44
Der republikanische Präsidentschaftsbewerber Francois Fillon soll offiziell angeklagt werden. Ein Sieg bei den bevorstehenden Wahlen rückt damit in weite Ferne.
Frankreich: Fillon soll offiziell angeklagt werden

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

Der französische Präsidentschaftskandidat François Fillon ist wegen des Verdachts der Scheinbeschäftigung seiner Frau von Ermittlungsrichtern für den 15. März vorgeladen worden, berichtet die dpa. Dabei soll ein Verfahren gegen den Konservativen eingeleitet werden und dieser damit offiziell als Beschuldigter eingestuft werden. Das sei seinem Anwalt mitgeteilt worden, sagte Fillon am Mittwoch in Paris. Er weise die Vorwürfe weiter zurück. Fillon sprach von einem Versuch, ihn politisch zu „ermorden“.

Fillons Frau Penelope hatte jahrelang als parlamentarische Mitarbeiterin für ihren Mann gearbeitet. Die Justiz ermittelt unter anderem wegen des Verdachts auf Hinterziehung öffentlicher Mittel. Am Freitag war das Verfahren in die Hände von Ermittlungsrichtern gelegt worden. Fillon hatte lange als Favorit für die Wahl gegolten, die Vorwürfe hatten seinen Wahlkampf in den vergangenen Wochen aber schwer belastet und ihn auch in den Umfragen zurückfallen lassen.

Die Kandidatur von Francois Fillon in Frankreich kam einem politischen Erdbeben gleich: Fillon vertritt in fast allen Positionen das genaue Gegenteil dessen, was Angela Merkel will. So äußerte er sich kritisch zum Euro und will eine Entspannungspolitik mit Russland einleiten.

Eine Übersicht der Ereignisse:

  1. Januar

Die satirische Investigativzeitung "Le Canard Enchaîné" enthüllt, dass Fillon als Abgeordneter seine Ehefrau Penelope jahrelang als parlamentarische Assistentin beschäftigte - ohne dass es Hinweise auf eine tatsächliche Arbeit gibt. Die nationale Finanzstaatsanwaltschaft leitet Vorermittlungen wegen des Verdachts der Veruntreuung öffentlicher Mittel ein.

  1. Januar

Fillon weist den Vorwurf einer Scheinbeschäftigung zurück: Die Beschäftigung seiner Ehefrau sei legal und "vollkommen transparent" gewesen.

  1. Januar

Der in der Republikaner-Vorwahl unterlegene Ex-Premierminister Alain Juppé schließt aus, Fillon bei einem Rückzug als Präsidentschaftskandidat zu ersetzen.

  1. Januar

Das Ehepaar Fillon wird erstmals von Ermittlern zu den Vorwürfen befragt.

  1. Januar

Ermittler sichern in der französischen Nationalversammlung Dokumente zur Beschäftigung von Penelope Fillon. Der Präsidentschaftskandidat bezeichnet sich als Opfer einer "professionell" organisierten, beispiellosen Verleumdungskampagne.

  1. Februar

"Le Canard Enchaîné" legt nach: Die Zeitung deckt auf, dass Fillon in seiner Zeit als Senator zwei seiner Kinder für insgesamt knapp 84.000 Euro als Mitarbeiter beschäftigte. Das Gehalt von Penelope Fillon als parlamentarische Mitarbeiterin beziffert das Wochenblatt auf insgesamt rund 830.000 Euro. Erste Parteifreunde rufen Fillon zum Rückzug auf.

  1. Februar

Ein wieder aufgetauchtes Video bringt Fillon weiter in Bedrängnis: In einem Interview sagte seine Ehefrau 2007 der britischen Zeitung "Sunday Telegraph": "Ich war niemals die Assistentin meines Mannes."

  1. Februar

Fillon bezeichnet die Beschäftigung seiner Ehefrau erstmals als "Fehler" und entschuldigt sich. Er weist aber erneut jeden Gesetzesverstoß von sich und hält an seiner Präsidentschaftskandidatur fest.

  1. Februar

Die Anwälte des Ehepaars Fillon fordern die nationale Finanzstaatsanwaltschaft auf, die Ermittlungen einzustellen oder abzugeben. Die Behörde sei in dem Fall nicht zuständig.

  1. Februar

Fillon rückt von seiner früheren Aussage ab, er werde bei Einleitung eines Ermittlungsverfahrens auf seine Kandidatur verzichten. Er will also auch antreten, wenn er formell beschuldigt wird.

  1. Februar

Die Ermittlungen gegen Fillon werden ausgeweitet: Die Finanzstaatsanwaltschaft übergibt den Fall an drei Untersuchungsrichter.

  1. März

Fillon teilt in einer Pressekonferenz mit, dass die Untersuchungsrichter ihn formell beschuldigen wollen und ihn deswegen für den 15. März vorgeladen haben. Er bezeichnet die Ermittlungen als politisch motiviert und betont, an seiner Präsidentschaftskandidatur festzuhalten.

 

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Marktbericht
Marktbericht Steigende Infektionszahlen drücken Dax unter psychologisch wichtige Marke von 12.000 Punkten

Die deutschen Börsen werden weiter von der Pandemie belastet. Da konnten auch positive Nachrichten der Deutschen Bank nur wenig helfen,...

DWN
Deutschland
Deutschland Risiko einer zweiten Rezession in Deutschland steigt

Ökonomen schließen wegen der stark steigenden Corona-Positivtests und wegen der drohenden Gegenmaßnahmen einen Rückfall der deutschen...

DWN
Deutschland
Deutschland So verrückt sind manche Corona-Regelungen in Deutschland

Karneval ohne Schunkeln, Fußball ohne Fangesänge, Sex nur mit einem Partner: Eine Auswahl von interessanten Corona-Regelungen in den 16...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Londoner Airport Heathrow verliert europäischen Spitzenplatz

Die Corona-Pandemie kostet den Londoner Flughafen seinen europäischen Spitzenplatz. Das Management kürzte für das kommende Jahr seine...

DWN
Deutschland
Deutschland Einzelhandel fürchtet Einbruch bei wichtigem Weihnachtsgeschäft

Wegen des drohenden zweiten Lockdowns droht den deutschen Einzelhändlern nach einem schlechten Jahr nun auch ein schlechtes...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Krisen-Profiteur Delivery Hero liefert jetzt mehr als nur Essen

Nachdem der Essenslieferdienst seinen Umsatz im dritten Quartal verdoppeln konnte, will er nun weitere Märkte erschließen. An der Börse...

DWN
Deutschland
Deutschland Psychotherapeuten-Vereinigung: "Die Bundesregierung muss umfangreich und differenziert aufklären und die Menschen beteiligen"

Die ständig schlechten Nachrichten sind eine massive Bedrohung für die psychische Gesundheit. Der Bundesvorsitzende der Deutschen...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin klettert auf höchsten Stand seit Anfang 2018

Die starken Kursgewinne des Bitcoin setzen sich fort. Erreicht die größte Kryptowährung noch vor Weihnachten ein neues Allzeithoch?

DWN
Deutschland
Deutschland Deutsche Exporteure fürchten verstärkte Corona-Maßnahmen

Die deutschen Exporteure blicken mit Sorge in die Zukunft, wie das Ifo-Institut am Dienstag mitteilte. Denn wichtige Handelspartner drohen...

DWN
Finanzen
Finanzen Kredit-Nachfrage in Deutschland legt zu, aber Banken verschärfen Vergabe-Standards

Aus einer heute veröffentlichten Umfrage der Bundesbank geht hervor: Die deutschen Banken zeigen sich aufgrund des fragilen...

DWN
Deutschland
Deutschland Hauptstadtflughafen BER soll weitere Staatshilfen erhalten

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer sieht weiteren Bedarf für staatliche Hilfen beim Hauptstadtflughafen BER. Der Flughafen eröffnet...

DWN
Deutschland
Deutschland Merkel plant landesweite Verschärfung der Corona-Maßnahmen

Die Bundesregierung wird sich am Mittwoch bei den Beratungen mit den Ministerpräsidenten der Länder für schärfere Corona-Maßnahmen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Stimmung unter Headhuntern so gut wie lange nicht mehr: Ende der Krise in Sicht?

Die Stimmung unter den Headhuntern hat sich nach den Einbrüchen im Frühjahr durch den Lockdown merklich gebessert.

DWN
Technologie
Technologie Enormes Wachstum: Plugin-Hybride boomen in Europa

In Europa wurden in den ersten drei Quartalen 316 Prozent mehr Plugin-Hybride zugelassen. In Deutschland ist das Wachstum sogar noch...