Weltwirtschaft

Russland nutzt US-Schwäche: Rosneft expandiert in Nahost

Lesezeit: 2 min
04.04.2017 01:13
Der Ölkonzern Rosneft baut seine Position im Nahen Ostens strategisch aus. Die Russen profitieren von der außenpolitischen Agonie der US-Regierung. 
Russland nutzt US-Schwäche: Rosneft expandiert in Nahost

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

[vzaar id="9771020" width="600" height="338"]

Der russische Erdölkonzern Rosneft weitet sein Engagement im Nahen Osten beträchtlich aus. In den vergangenen vier Monaten hatte das Unternehmen neue Lieferverträge mit Ägypten, Libyen und der kurdischen Autonomieregion im Irak bekanntgegeben, berichtet die Financial Times. Zudem eröffnete Rosneft neue Bohrlöcher in Iraks Süden und verhandelt derzeit über einen Liefervertrag mit dem Libanon.

Zu den Verträgen gehört eine Abmachung, dass Rosneft der Libya National Oil Corporation im laufenden Jahr zwischen 20 Millionen und 35 Millionen Barrel (Fass von je 159 Liter) Öl abkaufen wird. Der kurdischen Autonomiebehörde im Nordirak soll demnach vertraglich zugesichert worden sein, in den kommenden drei Jahren jeweils 15 Millionen bis 25 Millionen Barrel abzukaufen.

In Ägypten beteiligte sich Rosneft an einem Gasprojekt von Eni vor der Küste des Landes (Video am Anfang des Artikels). Rosneft hatte für bis zu 2,8 Milliarden US-Dollar eine Beteiligung von bis zu 35 Prozent an dem Shorouk-Projekt erworben. Zu diesem gehört auch das Zohr-Gasfeld, dem bislang größten je entdeckten Gasvorkommen im Mittelmeer. In einem ersten Schritt kaufte Rosneft 30 Prozent, sichert sich aber eine Option bis Ende 2017 über weitere 5 Prozent. Das von Eni vergangenes Jahr entdeckte Gasfeld ist auch für andere Wettbewerber interessant. Ende November hatte der britischen Ölkonzern BP einen Anteil von 10 Prozent gekauft. Auch BP kann seine Beteiligung noch um weitere 5 Prozent ausbauen.

Die Expansion Rosnefts spielt sich vor dem Hintergrund eines stärkeren Engagements Russlands in der Region ab – versinnbildlicht durch den Eingriff in den Stellvertreterkrieg in Syrien oder die Unterstützung von General Haftar in Libyen, dessen Truppen erst kürzlich wichtige Ölhäfen für die von ostlybische Regierung zurückerobern konnten. Seine Einheiten kontrollieren nun wieder die Terminals in den Städten Ras Lanuf, Al-Sidr und Bin Dschawad. In Libyen tobt ein Stellvertreter-Krieg und Öl und Pipelines. Das Land ist gespalten zwischen Söldner-Verbänden, die von verschiedenen ausländischen Staaten in den Kampf geschickt werden. Einer Analyse des privaten US-Informationsdiensts Stratfor zufolge geht es beim Stellvertreterkrieg in Libyen um die Kontrolle der Ölfelder und Pipelinerouten. Aktuell rivalisieren folgende Energiekonzerne in Libyen: ENI (Italien), Total SA (Frankreich), Repsol YPF (Spanien), Waha Oil Co. (Ein US-Joint Venture), BP (Großbritannien), ExxonMobil (USA), Statoil (Norwegen), Royal Dutch/Shell (Niederlande(Großbritannien), Gazprom (Russland), RWE (Deutschland).

„Es gibt politische Vorteile, schnell eine Reihe wichtiger Verträge abzuschließen, die sich mit den breiter gefassten Zielen Russlands in der Region decken. Aber Rosneft kann glaubwürdig darauf verweisen, dass sich die Investitionen lohnen – sie geben kein Geld für rein politische Projekte aus“, wird ein Analyst der Denkfabrik Energy Aspects von der FT zitiert.

Schätzungen weisen darauf hin, dass sich der Umfang der von Rosneft außerhalb Russlands raffinierten Ölmenge im laufenden Jahr um bis zu 50 Prozent gegenüber 2016 auf etwa 135 Millionen Barrel pro Jahr ausweiten könnte. Dies ist im Vergleich zu Konkurrenten wie BP oder Royal Durch Shell zwar nicht viel, der Umfang des traditionell eher auf den Heimatmarkt Russland beschränkten Konzern dürfte aber noch wachsen.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Politik
Politik Der Konzern-Sozialismus kommt: „Great Reset“ ist das Todesurteil für den deutschen Mittelstand

Die Ziele im Rahmen des „Great Reset“ und der Pandemie bedrohen vor allem den deutschen Mittelstand. Über 99 Prozent aller Unternehmen...

DWN
Politik
Politik Von Diktatoren umzingelt: Wann zerbricht in Europa die Demokratie?

In Europas Peripherie herrschen Diktatoren: Aber auch auf unserem so stabil scheinenden Kontinent steht die Demokratie im Feuer, schreibt...

DWN
Finanzen
Finanzen Vermeiden Sie diese 7 Fehler beim Aktienkauf

Fehler kosten an der Börse oftmals viel Geld. Privatanleger, die zum ersten Mal mit Aktien handeln, treten meistens in dieselben...

DWN
Politik
Politik Die Feinde von Byzanz: Putin vergleicht NATO und USA mit Kreuzfahrern

Russlands Präsident Putin hat angesichts der jüngsten Spannungen mit der NATO einen historischen Vergleich gezogen. Es dürfe niemals...

DWN
Finanzen
Finanzen Europa nach Corona: Werden die hohen Schulden eine nachhaltige Erholung bremsen?

Kann Europas Wirtschaft trotz der hohen Schuldenbelastung nach Corona wieder durchstarten? Der Chefvolkswirt der IKB Bank, Klaus Bauknecht,...

DWN
Finanzen
Finanzen In der Eurozone zirkulierende Geldmenge steigt weiter rasant an

Die in der Eurozone zirkulierende Geldmenge steigt weiter stark an. Offenbar decken sich die Bürger insbesondere mit Bargeld und schnell...

DWN
Deutschland
Deutschland Bundesbehörde behauptet nun: Vogelgrippe in Norddeutschland konnte sich durch Menschen verbreiten

Dem Friedrich-Loeffler-Institut zufolge, das eine selbstständige Bundesoberbehörde des Bundesministeriums für Ernährung und...

DWN
Finanzen
Finanzen Erster Euro-Zentralbankchef fordert offen noch stärkere Anleihekäufe durch die EZB

Griechenlands Notenbankchef Yannis Stournaras wagt sich aus der Deckung. Er fordert von der EZB ein noch stärkeres Gelddrucken, um den...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Großkonzerne verdrängen mit E-Autos und Vernetzung die kleinen Werkstätten

Zu den Verlierern von E-Mobilität und Digitalisierung gehören auch die freien Werkstätten. Die Autohersteller und ihre...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Das Ringen um die wichtigste Region der Welt - Teil 1

In Südostasien treffen geopolitische, wirtschaftliche und militärische Strategien von Amerikanern und Chinesen direkt aufeinander. Die...

DWN
Deutschland
Deutschland Reiseveranstalter sehen nur eine Rettung: Den digitalen Impfpass

Die deutsche Reisebranche will im Sommer endlich wieder höhere Umsätze machen. Sie setzt dabei auf den digitalen Impfpass, den alle...

DWN
Politik
Politik Lecker Essen und Geld-Spenden: Spahn beim Dinner während der Corona-Einschränkungen

Am 20. Oktober 2020 nahm Jens Spahn an einem Dinner mit mehreren Gästen teil, bei dem nach „BILD“-Informationen Geld-Spenden für ihn...

DWN
Politik
Politik Great Reset: Ansichten von SPD-Chefin Esken decken sich mit der Agenda des Weltwirtschaftsforums

Fleischverzicht, eine drastische Reduzierung von Flügen und weitere Maßnahmen sollen laut SPD-Chefin Saskia Esken gut sein, um das Klima...

DWN
Deutschland
Deutschland Bundesregierung schwört Bevölkerung auf fortgesetzten Lockdown ein

Die Mehrheit der Deutschen plädiert für Lockerungen, doch die Bundesregierung und ihre Experten halten dagegen und schließen ein...