Politik

Assad: Syrien stimmt unabhängiger Untersuchung von Giftgas-Einsatz zu

Lesezeit: 2 min
13.04.2017 16:19
Syriens Präsident Assad stimmt einer unabhängigen Untersuchung des Giftgas-Einsatzes in Syrien zu.
Assad: Syrien stimmt unabhängiger Untersuchung von Giftgas-Einsatz zu

Mehr zum Thema:  
Syrien >
Benachrichtigung über neue Artikel:  
Syrien  

+++Werbung+++

[vzaar id="2845103" width="600" height="338"]

Der Vorfall mit chemischen Kampfstoffen bei Chan Scheichun ist nach den Worten des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad zu "hundert Prozent konstruiert". Assad warf dem Westen und vor allem den USA in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AFP in Damaskus vor, den angeblichen Chemiewaffenangriff als "Vorwand" für den US-Luftangriff auf die syrische Armee genutzt zu haben. Die syrische Armee verfüge über keine Chemiewaffen mehr.

In seinem ersten Interview nach dem US-Angriff auf eine syrische Luftwaffenbasis vor einer Woche sagte Assad mit Blick auf den mutmaßlichen Chemiewaffenangriff: "Das ist für uns zu hundert Prozent konstruiert." Der Westen und die USA seien "Komplizen der Terroristen", fügte er mit Blick auf seine bewaffneten Gegner in Syrien hinzu.

Den Vorwurf westlicher Länder, dass die syrische Luftwaffe den Chemiewaffenangriff auf Chan Scheichun geflogen habe, wies er klar zurück: "Wir haben keine Chemiewaffen. (...) Vor mehreren Jahren, 2013, haben wir auf unser gesamtes Arsenal verzichtet." Selbst wenn Damaskus solche Chemiewaffen noch hätte, hätte es diese "nie" eingesetzt.

Der syrische Machthaber machte darüber hinaus deutlich, dass er einer "unabhängigen" externen Untersuchung des mutmaßlichen Chemiewaffenangriffs zustimmen werde. "Wir können eine Untersuchung nur erlauben, wenn sie unabhängig ist", sagte er. Unparteiische Länder müssten Teil einer solchen Untersuchung sein, um sicherzustellen, dass diese nicht für politische Zwecke genutzt werde.

Am Donnerstag kam es zu einem neuerlichen Zwischenfall, bei dem angeblich Giftgas ausgetreten sein soll.

Die syrische Armee wirft den USA laut Reuters vor, die von ihnen angeführte Koalition habe bei einen Luftangriff im Osten Syriens Giftgas freigesetzt. Bei dem Angriff am Mittwoch sei ein Giftgas-Depot der Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) getroffen worden, berichtete das staatliche Fernsehen. Die dabei freigesetzte Substanz habe Hunderte Menschen getötet. Der Zwischenfall in der Provinz Deir al-Sor beweise, dass der IS und die mit der Al-Kaida verbundenen Extremisten Chemiewaffen besäßen, heißt es in der Erklärung des Militärs. Auch die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtet über den Vorfall, allerdings nur unter Berufung auf offizielle syrische Quellen. Dasselbe gilt für die staatliche russische Nachrichtenagentur TASS. Auch die Times of Israel berichtet über den Vorfall.

Die US-Luftwaffe dementierte die Vorwürfe umgehend: "Die Koalition hat zu der Zeit und in dem Gebiet keine Luftangriffe geflogen", teilte der US-Luftwaffenoberst John Dorrian, ein Sprecher der Koalition, der Nachrichtenagentur Reuters per E-Mail mit. "Die Behauptung Syriens ist falsch und wahrscheinlich eine absichtliche Fehlinformation."

Das syrische Staatsfernsehen veröffentlichte ein Video, um den Angriff nachzuweisen. Die israelische Zeitung Haaretz machte einen Screenshot von dem Video und berichtete über den Vorfall und das Dementi der US-Luftwaffe. Die Nachrichtenagentur SANA berichtete, dass der US-Luftangriff auf das Dorf Hatla ausgeführt worden sein soll. Nach dem Angriff entstand eine weiße Wolke, die anschließend gelb wurde, berichtet The Independent.

Eine unabhängige Bestätigung der Vorwürfe liegt nicht vor. Die Ereignisse können nicht verifziert werden.

Die USA und andere westliche Staaten werfen der syrischen Regierung vor, Giftgas bei einem Luftangriff in der Ortschaft Chan Scheichun eingesetzt zu haben. Die USA beschossen daraufhin einen syrischen Luftwaffenstützpunkt. Syrien und sein Verbündeter Russland bestreiten die Darstellung der USA. Russlands Präsident Wladimir Putin sagte, entweder sei ein Giftgas-Depot der Rebellen getroffen worden oder der Zwischenfall sei inszeniert worden, um die syrische Regierung in Misskredit zu bringen.

Unterdessen wurde ein Team der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) entsandt, um Proben zu nehmen und Betroffene zu befragen, wie die Nachrichtenagentur Reuters von Insidern erfuhr. Es solle erkunden, ob chemische Waffen freigesetzt worden seien. Die Gruppe habe aber kein Mandat festzustellen, wer eventuell verantwortlich sei.

Die britische Delegation bei der OPCW erklärte am Donnerstag, Wissenschaftler des Landes hätten bei Proben aus Chan Scheichun Spuren des Nervengifts Sarin gefunden.

The Independent analysiert, dass es seit dem Jahr 2014 keinerlei unabhängige Informationen über die US-Luftangriffe in Syrien gebe.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  
Syrien >

DWN
Deutschland
Deutschland Es ist offiziell: Lockdown wird bis zum 28. März verlängert

Der Lockdown zur Bekämpfung der Corona-Pandemie in Deutschland wird angesichts weiter hoher Infektionszahlen grundsätzlich bis zum 28....

DWN
Deutschland
Deutschland Brandbrief an Merkel: Deutschland spielt mit dem Verlust seiner mittelständischen Basis

Vertreter des Mittelstands warnen in einem Brandbrief an Bundeskanzlerin Merkel vor einer mutwilligen Zerstörung der wirtschaftlichen...

DWN
Politik
Politik Gegen den Lockdown: Texas hebt Maskenpflicht auf und öffnet alle Restaurants

Der US-Bundesstaat Texas wird zum Missfallen der in Washington D.C. sitzenden Biden-Regierung am 10. März alle Geschäfte und alle...

DWN
Finanzen
Finanzen Höhere Inflation im Anmarsch - ein gutes Omen für Gold

Während viele andere Geldanlagen zuletzt starke Gewinne verzeichneten, zeigte Gold eine auffällige Schwäche. Doch dies dürfte sich nun...

DWN
Politik
Politik Studie lobt Lockdowns, weil sie gut für das Klima sind – doch ging es eigentlich nicht um ein Virus?

Laut Experten sind über ein Jahrzehnt hinweg gleichwertige Emissionsrückgänge wie während des aktuellen Corona-Lockdowns erforderlich,...

DWN
Politik
Politik 2021: Jahr der Wahlen - oder der Wählertäuschungen?

2021 ist das Jahr der großen Wahlen. Doch eigentlich ist es egal, für wen sich die Wähler entscheiden, schreibt DWN-Gastautor Henrik...

DWN
Politik
Politik DWN-Recht: Dürfen nun Beamte, die der AfD angehören, gefeuert werden?

In den Reihen der als „Verdachtsfall“ eingestuften AfD befinden sich auch deutsche Beamte. Welche beruflichen und rechtlichen...

DWN
Politik
Politik Medienberichte: Intensivstationen sind voll mit Leuten, die kein Deutsch verstehen

Die Bild-Zeitung berichtet von einem Gespräch zwischen RKI-Chef Lothar Wieler und mehreren Chefärzten. Demzufolge sei die Mehrheit der...