Finanzen

Britische Unternehmen rechnen mit schwacher Konjunktur

Lesezeit: 2 min
11.07.2017 01:05
Eine Untersuchung zeigt das Vorherrschen pessimistischer Gefühle bei britischen Unternehmen.
Britische Unternehmen rechnen mit schwacher Konjunktur

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

In Großbritannien mehreren sich die Hinweise auf eine Konjunktureintrübung. Einer am Montag veröffentlichten Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte zufolge haben große Unternehmen ihre Investitionspläne zusammengestrichen, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Die Einschätzung der Firmen bezüglich der Konjunkturentwicklung sei im zweiten Quartal deutlich zurückgegangen, heißt es in dem Bericht von Deloitte.

Ein wichtiger Grund dafür sei das uneindeutige Ergebnis der Parlamentswahl im Juni, das in den kommenden Monaten zu politischer Unsicherheit führen könnte. Die konservative Partei von Premierministerin Theresa May verlor damals die absolute Mehrheit und befindet sich nun einer Minderheitsregierung mit Unterstützung der kleinen, nordirischen Partei DUP.

Inzwischen gehen 72 Prozent der befragten Finanzchefs davon aus, dass sich das Geschäftsumfeld durch den geplanten Austritt des Landes aus der EU eintrüben wird. Der Wert lag noch nie höher. Die Frage ist seit einem Jahr Teil der Erhebung.

Die britische Wirtschaft schwächelt unterdessen weiter. Das zeigen am Freitag veröffentlichte Konjunkturdaten. Die Industrie-Betriebe drosselten ihre Produktion im Mai überraschend um 0,2 Prozent, wie das nationale Statistikamt mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hingegen hatten mit einem Anstieg von 0,5 Prozent gerechnet. Allein die Herstellung von Fahrzeugen sank um 4,4 Prozent und damit so stark wie seit Februar 2016 nicht. Auch beim breiter gefassten produzierenden Gewerbe gab es ein überraschendes Minus von 0,1 Prozent. Zugleich kamen enttäuschende Daten vom Außenhandel: Das Handelsdefizit weitete sich stärker aus als erwartet – auf umgerechnet rund 15,33 Milliarden Euro.

Im ersten Quartal hatte die gesamte Wirtschaft spürbar an Fahrt verloren und war nur um 0,2 Prozent gewachsen. „Hier zeichnet sich immer mehr ein Muster ab, das signalisiert: Die Wirtschaft büßt deutlich an Schwung ein“, sagte Commerzbank-Experte Peter Dixon. Das Forschungsinstitut NIESR geht davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt im abgelaufenen zweiten Quartal wohl nur um 0,3 Prozent gestiegen ist. „Wachstum bei den Dienstleistern hat den Rückgang bei der Industrieproduktion wettgemacht“, sagte NIESR-Expertin Rebecca Piggott. Im Vergleich zum Vorjahr bleibe die Entwicklung allerdings schwach.

Einer Umfrage des Kreditkartenanbieters Visa zufolge gingen die britischen Verbraucherausgaben im zweiten Quartal um 0,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal zurück. Es war damit das schwächste Vierteljahr seit fast vier Jahren. Besonders die im Zuge der Abwertung des Pfund zum Euro gestiegenen Preise für Importartikel sowie die schwachen Einkommenszuwächse der Briten dämpfen die Nachfrage.

Der Austritt Großbritanniens aus der EU könnte zudem dazu führen, dass in den kommenden Jahren weniger gut ausgebildete EU-Bürger in dem Land arbeiten und leben werden. Aus einer Ende Juni von Deloitte veröffentlichten Untersuchung geht hervor, dass fast die Hälfte (47 Prozent) der hoch qualifizierten Berufstätigen aus anderen EU-Ländern die Insel in den nächsten fünf Jahren verlassen möchten. 48 Prozent der im Land lebenden ausländischen und 21 Prozent der im Ausland lebenden Arbeitskräfte, die befragt wurden, stimmten laut Studie der Aussage zu, dass Großbritannien nun „weniger attraktiv“ sei.


Mehr zum Thema:  

DWN
Technologie
Technologie IW-Regionalranking 2024: Landkreise sind Vorreiter der Energiewende
23.05.2024

Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) spielen ländliche Regionen eine zentrale Rolle in der Energiewende...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Flüchtlingswelle 2015: Drei Viertel der Zugezogenen in Arbeitsmarkt integriert
23.05.2024

Arbeitsmarktexperte bringt mit der Initiative „Job-Turbo“ Geflüchtete schneller in Arbeit: Die Erwerbstätigenquote der 2015 nach...

DWN
Finanzen
Finanzen Silberpreis erreicht Jahreshoch und knackt Marke von 30 Dollar
23.05.2024

Der Silberpreis legt im Fahrwasser der Goldpreis-Rekorde massiv zu und erreichte nun ein neues Jahreshoch. Was sind die Gründe und wie...

DWN
Immobilien
Immobilien Wohnungsbau in Deutschland: Warum stockt der Bau trotz hoher Nachfrage?
23.05.2024

Trotz hoher Nachfrage stockt der Wohnungsbau in Deutschland weiterhin. Welche Maßnahmen sind notwendig, um den Mangel zu beheben? Die...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Handelskonflikt mit USA und EU heizt sich auf: China erwägt höhere Import-Zölle auf Verbrenner
23.05.2024

Der Handelskonflikt zwischen den USA und China eskaliert weiter und erfasst nun auch europäische Autobauer, die gar keine E-Autos...

DWN
Politik
Politik Fußball-EM 2024: Warum Sicherheitsmaßnahmen verstärkt wurden
23.05.2024

Deutschland rüstet auf: Die Sicherheitsvorkehrungen für die Fußball-Europameisterschaft 2024 zur Abwehr von Terrorismus, Cyberangriffen...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft EU-Austritt Deutschlands: Ist „Dexit“ der Weg in die Katastrophe?
23.05.2024

Seit dem Brexit-Referendum wird in Deutschland immer wieder über einen möglichen EU-Austritt, den „Dexit“, diskutiert. Eine aktuelle...

DWN
Politik
Politik Grundgesetz und Demokratie: Herausforderungen und Lehren nach 75 Jahren
23.05.2024

Das Grundgesetz und die Lehren aus Weimar: Wie entstand die deutsche Verfassung, welche Herausforderungen stehen heute an und warum ist die...