Finanzen

Streit zwischen Großaktionären der Deutschen Bank

Lesezeit: 2 min
21.09.2017 17:12
Gerüchten zufolge streiten sich große Aktionäre der Deutschen Bank um den richtigen Kurs für das Geldinstitut.
Streit zwischen Großaktionären der Deutschen Bank

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

+++Werbung+++

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

Zwei Tage lang trafen sich Vorstand und Aufsichtsrat der Deutschen Bank zu Wochenbeginn hinter verschlossenen Türen in Berlin. Stundenlang diskutierte das Top-Management der Bank mit seinen Kontrolleuren über den richtigen Kurs für die größte Bank des Landes. Über etwaige Anpassungen der Strategie ist bislang nichts nach außen gedrungen, wohl aber zeichnen sich Konturen eines Krachs unter den Großaktionären ab. Dabei geht es um das Schicksal des seit gut zwei Jahren amtierenden Vorstandschefs John Cryan, berichtet Reuters. Während das eine Lager in ihm nicht mehr den richtigen Mann an der Spitze der Deutschen Bank sieht, stärkt die andere Seite Cryan den Rücken.

Unter seiner Führung hat die Bank Skandale früherer Jahre abgearbeitet, hohe Strafen gezahlt und die Kapitaldecke aufgepolstert. Jetzt versucht der 57-Jährige, Aktienkurs und Gewinn trotz heftigen Gegenwinds zu steigern. Ob ihm letzteres gelingt, darüber könnten die Urteile wichtiger Investoren kaum weiter auseinandergehen. Cryans drängendstes Problem: Die Erträge der Bank liegen weit unter denen vergleichbarer Institute, etwa in den USA, aber auch im Rest Europas. „Die Neun-Monats-Zahlen werden richtig, richtig nicht gut ausfallen und es ist kein Silberstreif am Horizont zu erkennen“, hieß es am Donnerstag bei einem der fünf größten Anteilseigner der Bank.

Farbe bekennen muss die Bank am 26. Oktober, wenn sie ihre Zwischenbilanz vorlegt. Viele Aktionäre seien inzwischen sehr ungeduldig. „Ob Cryan dann noch bis zum ersten Quartal (2018) Zeit bekommt, das zu drehen, kann ich zwar nicht sagen, aber die Stimmung ist gereizt.“ Ein Vertreter eines anderen Top-5-Aktionärs verteidigt Cryan dagegen: „Wir sind nicht der Meinung, dass Cryan gehen muss. Wir glauben nach wie vor, dass er der richtige Mann ist, um die Sanierung der Bank durchzusteuern und abzuschließen. Aber das ist nunmal kein Sprint, sondern ein Marathon.“ Aktionismus und zu viel Druck auf Seiten der Eigentümer sei die falsche Medizin: „Die größte Gefahr ist derzeit, dass Cryan hinschmeißt. Dann hat die Bank ein echtes Problem.“

Dennoch: Die Tage des Briten an der Konzernspitze sind möglicherweise begrenzter, als er das eventuell selbst hofft. Immerhin kokettierte er bereits öffentlich, er könne sich auch vorstellen, über 2020 hinaus weiterzumachen, wenn sein jetziger Vertrag ausläuft. „Er sollte aufräumen und den Boden bereit machen für einen Nachfolger mit Visionen, das hat er bislang nicht geschafft. Die Platte ist nicht sauber“, heißt es aus dem Lager der Kritiker. Und die lassen – wie auch Cryans Unterstützer – an den beiden von Cryan und Aufsichtsratschef Paul Achleitner vor ein paar Monaten installierten Kronprinzen kaum ein gutes Haar. Marcus Schenck, Chef der Investmentbank, und Christian Sewing, der Leiter des Privatkundengeschäfts, hätten – jedenfalls aktuell – nicht das Format, Cryan zu beerben, heißt es unisono aus beiden Aktionärslagern.

Damit rückt Oberaufseher Achleitner wieder einmal ins Zentrum: Hat er schon begonnen, extern nach Nachfolgekandidaten für Cryan zu suchen? „Bislang sind keine konkreten Namen genannt worden“, sagt ein Vertreter eines Großaktionärs. Die Suche wäre dieses Mal womöglich schwerer als 2015, als es galt, einen Nachfolger für das bei Aktionären und Aufsicht in Ungnade gefallene Führungsduo Anshu Jain und Jürgen Fitschen zu finden. Achleitner hatte damals seinen Plan B, John Cryan, bereits im Aufsichtrat „zwischengeparkt“. Dieses Mal scheint es keinen Plan B zu geben – jedenfalls keinen, mit dem die wichtigen Aktionäre leben können. Die nächste Aufsichtsratssitzung Ende Oktober dürfte für Cryan und Achleitner deshalb ein heißer Tanz werden.


Mehr zum Thema:  

Anzeige
DWN
Panorama
Panorama Halbzeit Urlaub bei ROBINSON

Wie wäre es mit einem grandiosen Urlaub im Juni? Zur Halbzeit des Jahres einfach mal durchatmen und an einem Ort sein, wo dich ein...

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

DWN
Technologie
Technologie Auftakt der Hannover Messe: Industrie mahnt Reformen an
22.04.2024

In Hannover hat wieder die traditionelles Messe für Maschinenbau und Elektrotechnik begonnen. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) eröffnete...

DWN
Politik
Politik Parteiensympathie unterscheidet sich zwischen Stadt und Land
22.04.2024

Wie unterschiedlich ticken die Menschen politisch auf dem platten Land und in der Großstadt? Eine Analyse der Konrad-Adenauer-Stiftung...

DWN
Unternehmen
Unternehmen VW befindet sich im „Preiskrieg" und will um Marktanteile in China kämpfen
22.04.2024

Lange war Volkswagen der Platzhirsch unter den Automobilherstellern in China. Doch nun tobt ein brutaler Wettbewerb um den Markt für...

DWN
Politik
Politik Wahlen zum EU-Parlament: Deutsche Spitzenkandidaten für Europa
22.04.2024

Als Zugpferde für den Europawahlkampf setzen in diesem Jahr viele Parteien auf altbekannte politische Gesichter. Es gibt aber auch...

DWN
Politik
Politik Habeck will bei Ukraine-Unterstützung weiter vorangehen
22.04.2024

Nach dem grünem Licht aus den USA zur Ukraine-Hilfe hat nun auch Robert Habeck (Grüne) appelliert, dass Deutschland in seiner...

DWN
Politik
Politik Kiew hofft auf baldige Lieferung von Militärhilfe 
22.04.2024

Nach der Zusage im US-Repräsentantenhaus, endlich das lange umstrittene Hilfspaket für die Ukraine freizugeben, wächst die Zuversicht in...

DWN
Politik
Politik FDP verlangt Wirtschaftswende: SPD über Vorstoß Lindners empört
22.04.2024

FDP-Chef Christian Lindner hat am Wochenende ein Papier seiner Partei mit Forderungen zur Verbesserung der Wirtschaftslage vorgelegt. In...

DWN
Politik
Politik Weltweite Militärausgaben durch Ukraine-Krieg auf Höchststand
22.04.2024

Immer mehr Geld wird für das Militär ausgegeben und das weltweit - Forscher sehen dafür erkennbare Gründe.