Politik

Polen will 440 Milliarden Euro an Reparationen von Deutschland

Lesezeit: 2 min
24.03.2018 02:33
Polen beziffert die Reparationsforderungen an Deutschland auf insgesamt 440 Milliarden Euro.
Polen will 440 Milliarden Euro an Reparationen von Deutschland

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

+++Werbung+++

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

Den polnischen Opfern Hitler-Deutschlands stehen nach Angaben aus Warschau individuelle Entschädigungen in Höhe von insgesamt 440 Milliarden Euro (543 Milliarden Dollar) zu. Diese Zahl nannte der Vorsitzende des vom Parlament eingesetzten Ausschusses für die Reparationsforderungen, Arkadiusz Mularczyk, am Donnerstag laut AFP. Er verwies vor den Abgeordneten auf eine Studie aus dem Jahr 1990 wonach es in Polen "13,32 Millionen direkte Opfer von Nazi-Deutschland" gab.

Es handele sich um Vertriebene, Insassen der Arbeits- und Konzentrationslager, verstümmelte Zivilisten, Witwen, Kriegswaisen und Opfer von Krankheiten unter der deutschen Besatzung und während des Krieges. Die Studie habe damals die möglichen Reparationsforderungen an Deutschland mit 284 Milliarden Dollar angesetzt, sagte der Politiker der rechtsnationalen Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS). Bei in Rechnungstellung der Kaufkraft des Dollar im Jahr 2017 ergebe sich die von ihm genannte Summe.

Die Bundesregierung lehnt die Forderungen ab und verweist darauf, dass Polen 1953 "verbindlich und mit Wirkung für ganz Deutschland" auf weitere Reparationszahlungen verzichtet und dies in späteren Jahren mehrfach bestätigt habe. Die polnische Seite stellt die Gültigkeit der Erklärung von 1953 in Frage und argumentiert, die damalige Führung in Warschau habe auf sowjetischen Druck hin gehandelt.

Während der sechsjährigen NS-Besatzung wurden sechs Millionen Polen getötet, darunter drei Millionen mit jüdischen Wurzeln. Warschau wurde 1944 praktisch dem Erdboden gleich gemacht.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat bei ihrem Antrittsbesuch vor diesem Hintergrund betont freundliche Töne angeschlagen. Sie werde "alles dafür tun, dass wir in Europa eine gemeinsame Agenda haben", sagte Merkel am Montagabend bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Polens Ministerpräsident Mateusz Morawiecki in Warschau. Sie deutete zudem Unterstützung für Polen bei den anstehenden Verhandlungen zum EU-Haushalt an.

Merkel sagte, angesichts der Herausforderungen in der Welt müsse Europa ein starkes Bündnis eingehen, um "unsere Anliegen weltweit gemeinsam" vorzubringen - etwa gegenüber Russland oder China. Allerdings sei die EU "nicht irgendein Bündnis", sondern beruhe auf Rechtsstaatlichkeit und Demokratie.

Regierungssprecher Steffen Seibert zitierte die Kanzlerin auf Twitter mit den Worten, sie wünsche sich "sehr gute, intensive und freundschaftliche Beziehungen" zu Polen. Das werde "zum Wohle Europas und unserer beiden Länder" sein. Die Bundesregierung wolle die nachbarschaftlichen Beziehungen pflegen und stärken.

Beim Aufstellen des EU-Finanzrahmens wolle Deutschland "Länder wie Polen, die diese Mittel sehr effizient einsetzen, stärken", erklärte Merkel. Zunächst müssten aber die Vorschläge der EU-Kommission abgewartet werden.

Die Kommission liegt seit Anfang 2016 mit der nationalkonservativen Regierung in Warschau wegen deren umstrittener Justizreform im Konflikt. Im vergangenen Dezember beantragte Brüssel ein bisher beispielloses Strafverfahren, das bis zum Entzug von Stimmrechten auf EU-Ebene führen kann.

Einige Mitgliedstaaten haben vorgeschlagen, das Strafverfahren sowie die Aufnahme von Flüchtlingen nach einer EU-Quotenregelung mit dem künftigen Finanzrahmen der EU zu verknüpfen. Morawiecki verteidigte am Montag die Justizreform, kündigte aber eine "sehr detaillierte Antwort" auf Brüssels Bedenken an. Eine Lösung im Konflikt zwischen Kommission und polnischer Regierung wäre "sehr erfreulich", sagte Merkel.

Beim Thema Migration zeigte sich Merkel nach dem Gespräch mit Morawiecki "optimistischer", dass ein Kompromiss für eine gemeinsame europäische Flüchtlingspolitik gefunden werden könne, der "allen Seiten Rechnung" trage.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Unternehmen
Unternehmen Bloß raus aus Russland: Rückzug westlicher Firmen wird zum Eigentor

Als der Ukraine-Krieg begann, wurden westliche Unternehmen zum Rückzug aus Russland gedrängt. Dieser ist zwar schnell verkündet. Doch...

DWN
Finanzen
Finanzen Riskante Wette: US-Pensionsfonds setzen verstärkt auf Hebelwirkung

Die staatlichen Pensionsfonds in den USA investieren massiv mit geliehenem Geld. Dies soll die Renditen steigern und die großen...

DWN
Politik
Politik Angriffsdrohungen und ein mysteriöser Brief: Lukaschenko und der Krieg

Der weißrussische Machthaber gilt zwar als Unterstützer Putins, hielt sich bislang aber aus dem Ukraine-Krieg raus. Dann kamen die...

DWN
Finanzen
Finanzen Wie eine Familienstiftung vor staatlicher Enteignung schützt

Parteien und Gewerkschafter fordern immer wieder eine Vermögensabgabe. Wer sich davor schützen möchte, dem raten Experten zu einer...

DWN
Deutschland
Deutschland Energieriese soll mit Steuergeld gerettet werden

Erst die Banken, dann die Fluglinien und jetzt die Energieriesen. Erneut bittet eine Branche darum, mit Steuergeldern gerettet zu werden....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Also doch: Fusion zwischen deutschen Hafenbetreibern ist geplatzt

Die seit September 2017 andauernden Gespräche über eine Fusion der zwei Hafen-Logistik-Unternehmen HHLA und Eurogate wurden jetzt...

DWN
Deutschland
Deutschland DWN: In eigener Sache

Die Geschäfsführung der DWN über die Neubesetzung der Chefredaktion.

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Historisches Handelsdefizit: „Rohstoff-Zeitalter“ bedroht Deutschlands Wohlstand

Der „Exportweltmeister“ Deutschland erzielt ein historisches Defizit - ein Fingerzeig, wohin die Reise im nun angebrochenen...