Politik

Bosnien: Neue Migrationsroute über den Balkan entsteht

Lesezeit: 1 min
26.03.2018 17:09
Bosnien könnte die Schlüsselposition einer neuen Flüchtlingsroute auf dem Balkan einnehmen.
Bosnien: Neue Migrationsroute über den Balkan entsteht

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Vor zwei Jahren wurde die Haupt-Flüchtlingstraße über den Balkan geschlossen. Nun haben Migranten von Nordafrika einen anderen Weg bis nach Europa über Bosnien gefunden. In Bosnien wird mit einer Flüchtlingskrise gerechnet.

Rund 700 Flüchtlinge aus Syrien, Pakistan, Libyen und Afghanistan sind seit Anfang des Jahres illegal in Bosnien eingereist, weitere 800 wurden an den Grenzen abgefangen. Wie Euraktiv berichtet, warnen bosnische Behörden bereits vor einer Flüchtlingskrise.

Der Grund: Die Flüchtlinge haben eine neue Route über den Balkan gefunden, über die sie von Nordafrika bis nach Europa einreisen können.

Bis März 2016 verlief die Hauptfluchtroute von Griechenland und der Türkei über die Balkanstaaten Albanien, Mazedonien, Bulgarien, Kroatien und Slowenien bis nach Österreich oder Ungarn. Auf einem EU-Gipfel im März hatten Vertreter Sloweniens, Österreichs und Ungarns die Schließung ihrer Grenzen bekannt gegeben. Die Zahl der geflüchteten Menschen nahm daraufhin stark ab.

Seit Beginn des neuen Jahres nutzen Migranten nun ehemalige Schmugglerpfade quer durch die bosnischen Gebirge, um nach Europa zu kommen. Die Route verläuft über Albanien, Montenegro, Bosnien und Herzegowina und Kroatien. Flüchtlingshelfer erwarten jedoch, dass sich die Zahl der Neuankömmlinge in den kommenden Wochen mit dem Einsetzen wärmeren Wetters und der damit leichteren Passierbarkeit der Bergpfade deutlich erhöhen wird. Auch nach Ansicht des bosnischen Sicherheitsministers, Dragan Mektic, wird sich die Lage zuspitzen. So seien bereits jetzt 45.000 bis 50.000 Flüchtlinge zwischen Griechenland und Bosnien unterwegs. Viele von ihnen beabsichtigten, sich in Bosnien niederzulassen.

Für Bosniens Premierminister Denis Zvizdic Grund zur Sorge. So habe das Land keine Kapazitäten, um tausende Flüchtlinge auch nur vorübergehend aufzunehmen.

Stephan Moissaing, Vorsitzender von Ärzte ohne Grenzen auf dem Balkan, mahnte, mit der aktuellen Situation vernünftig umzugehen und das Aufkommen einer Flüchtlingskrise unbedingt zu vermeiden.

Aktuell betreibt Bosnien eine Erstaufnahmeeinrichtung nahe Sarajewo mit Kapazitäten für 154 Menschen. Zwischen 2015 und 2016 hat das Land nur einige hundert Menschen dauerhaft aufgenommen. Im Jahr 2016 sind 3.151 Menschen aus Bosnien und Herzegowina geflohen und haben einen Asylantrag in anderen Ländern gestellt. Das entspricht laut Bundestatistikamt rund 0,09 Prozent aller Einwohner. Bei den Geflüchteten wurde nicht nach Herkunftsländern unterschieden. Aufgenommen wurden die meisten Menschen aus Bosnien und Herzegowina in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden. Insgesamt wurden ganze 100 Prozent der Asylanträge abgelehnt. Am erfolgreichsten waren hierbei die Asylbewerber in Belgien und in Frankreich.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Finanzen
Finanzen Lieferketten-Chaos und hohe Transportkosten fachen Inflation in Europa an

Produzenten geben die teils deutlich gestiegenen Kosten an die Kunden weiter, die Inflation in Europa erreicht die Geschäfte und...

DWN
Finanzen
Finanzen Bargeld boomt: Die Federal Reserve überschwemmt die Welt mit Dollar-Banknoten

Die Nachfrage nach Dollar-Banknoten zieht derzeit weltweit spürbar an – ein Beleg für die Flucht der Bürger in den sicheren Hafen...

DWN
Politik
Politik Die Politik beschließt Corona-Maßnahmen nach dem Mephisto-Prinzip

DWN-Kolumnist Christian Kreiß wendet zur Beurteilung der Corona-Maßnahmen ein neues Verfahren an. Die Ergebnisse sind verblüffend.

DWN
Politik
Politik Italien: Ein Land kann seinen größten Trumpf nicht nutzen

In der elften Folge der großen geopolitischen DWN-Serie zeigt Moritz Enders auf, warum Italien sein Potential als Regionalmacht nicht...

DWN
Politik
Politik Südostasiens Drahtseilakt zwischen den Giganten: Wo führt China, wo die USA? - Teil 2

Wie tief und verlässlich die bilateralen Beziehungen der Vereinigten Staaten und Chinas zu ihren Partnern in Südostasien sind, lässt...

DWN
Finanzen
Finanzen Es ist noch nicht zu spät: Warum Immobilien auf dem Land eine Chance sind

Trotz der sinkenden Lebensqualität in den Städten infolge von Corona kann das Statistische Bundesamt noch immer keine Flucht aufs Land...

DWN
Politik
Politik „Trump ist der Anführer der konservativen Bewegung“

Der republikanische Kongressabgeordnete Jim Jordan sieht den früheren US-Präsidenten Donald Trump auch nach dessen Wahlniederlage an der...

DWN
Politik
Politik Der Konzern-Sozialismus kommt: „Great Reset“ ist das Todesurteil für den deutschen Mittelstand

Die Ziele im Rahmen des „Great Reset“ und der Pandemie bedrohen vor allem den deutschen Mittelstand. Über 99 Prozent aller Unternehmen...

DWN
Politik
Politik Sozialismus, Rassenhass, Korruption: Südafrika steht am Abgrund

Fast 25 Jahre hat Sebastiaan Biehl in Südafrika gelebt. Im großen DWN-Interview erläutert der Politikwissenschaftler und Journalist, wie...

DWN
Politik
Politik Corona-Kontrolle in Stuttgart: Hunderte Jugendliche mit verbalen Attacken, Flaschenwürfen und Sprechchören gegen Polizei

Zu einem größeren Polizeieinsatz kam es am Samstagabend in der Stuttgarter Innenstadt. Mehrere Hundert, überwiegend junge Menschen,...

DWN
Politik
Politik Weltwirtschaftsforum feiert Lockdown auf Twitter – und zieht Tweet nach Protesten wieder zurück

Das Weltwirtschaftsforum hat die Lockdown-Politik in einem Tweet hochgelobt, um nach Tausenden von Protesten den Tweet zurückzuziehen....

DWN
Politik
Politik Anti-Lockdown-Proteste in Irland eskalieren – Dominoeffekt in Europa?

Hunderte Menschen haben am Samstag in der irischen Hauptstadt Dublin gegen die Lockdown-Maßnahmen in dem Land demonstriert. Die Situation...

DWN
Politik
Politik Ägypten: Die Tage des Merkel-Schützlings al-Sisi sind gezählt

Es gibt ernsthafte Hinweise dafür, dass der ägyptische Präsident Abdul Fattah al-Sisi bald gestürzt werden könnte. Internationale...

DWN
Politik
Politik Nordspanien: Impfverweigerern drohen bis zu 60.000 Euro Strafe

Die Regionalregierung von Galicien plant, ein Gesetz zu verabschieden, wonach Impfverweigerer in Bezug auf die aktuelle Corona-Impfung und...