Finanzen

Großbritannien will Konkurrenz zum EU-Programm Galileo aufbauen

Lesezeit: 2 min
05.05.2018 20:49
Großbritannien könnte nach dem EU-Austritt in der für Kriege wichtige Satellitennavigation mit den USA kooperieren.
Großbritannien will Konkurrenz zum EU-Programm Galileo aufbauen

Mehr zum Thema:  
EU >
Benachrichtigung über neue Artikel:  
EU  

Nachdem die EU angekündigt hat, Großbritannien aus dem Satellitenprogramm Galileo auszuschließen, will das Land ein eigenes Programm aufbauen.

In Betrieb gehen soll das britische Satellitenprogramm Mitte der 2020er Jahre, berichtet die Financial Times. Großbritannien will vor allem im militärischen Bereich nicht von der EU abhängig werden. Für das EU-Programm bedeutet der britische Ausschluss einen Rückschlag von bis zu drei Jahren. Mit der Ankündigung, ein eigenes Satelliten-Navigationsprogramm auflegen zu wollen, reagiert Großbritannien auf die Aufforderung der EU an das britische Technologieunternehmen CGI, sein Wissen an den französischen Konkurrenten Thales zu verkaufen. Der Technologiehersteller Thales ist maßgeblich am Bau und dem Betrieb von Bodenstationen für die Steuerung der Galileo-Satelliten beteiligt.

Die CGI ist laut Financial Times der größte Zulieferer von Sicherheitssoftware, mit der die von den Satelliten gewonnenen Positionsdaten ver- und entschlüsselt werden können. Seit 2016 liefern derzeit 18 Satelliten Positionierungssignale, mit denen zivile Navigationsgeräte und auch militärische Systeme betrieben werden können. Bis 2020 soll die Zahl der von der Europäischen Weltraumbehörde ESA betriebenen Satelliten auf 30 erhöht werden. Um diese künftig steuern zu können, plant die EU-Kommission die Errichtung zusätzlicher Bodenstationen.

Technisch betrieben werden diese Stationen von der Thales-Gruppe. Diese will bis 2021 ein neues Navigationssystem für den europäischen Luftverkehr entwickeln. Um die sensiblen Flugzeug-Positionsdaten vor unberechtigten Zugriffen zu schützen, ist Thales auf eine entsprechende Ver- und Entschlüsselungssoftware angewiesen.

In der vergangenen Woche bot die EU-Kommission der CGI an, auch nach dem Brexit am Galileo-Projekt mitwirken zu können, wenn die CGI im Gegenzug ihre Software an die Thales verkaufe.

Bereits im Januar hatte die EU den Ausschluss Großbritanniens vom Galileo-Projekt bekannt gegeben. Brexit-Chefunterhändler Michel Barnier begründete den Ausschluss damit, dass die EU keine sensiblen Daten mit Staaten teile könne, die nicht der EU angehörten. Gleichzeitig schloss er künftige Kooperationen im Wissenschaftsbereich nicht aus. Der Financial Times sagte er, es gebe Möglichkeiten, wie auch Drittstaaten an dem Galileo-Projekt teilnehmen könnten – allerdings seien diese auf die zivile Nutzung von Navigationsdaten beschränkt.

Für die britische Premierministerin, Theresa May ist diese Art der Kooperation keine Alternative zur regulären Teilnahme am Galileo-Programm. Vielmehr habe Großbritannien einen entscheidenden Beitrag zum Galileo-Projekt mit der Entwicklung der Codierungstechnologie geleistet, berichtet die Daily Mail. Nach Einschätzung des britischen Wirtschaftsministers Greg Clark könnte sich die künftige Entwicklung des Satellitenprogramms durch den Ausschluss Großbritanniens um bis zu drei Jahre verzögern.

Allerdings wollen die Briten nicht um jeden Preis vollständig aus Galileo austreten, weil das Land im Angriffsfall seine Raketen mittels der Galileo-Satellitentechnik zur eigenen Verteidigung steuern wolle.

Neben der Möglichkeit, ein eigenes Satellitenprogramm zur militärischen Verteidigung aufzubauen, könnten sich die Briten entscheiden , sich dem amerikanischen Global-Positioning-System (GPS) anzuschließen. Dieses wurde in den 1970er Jahren durch das US-Verteidigungsministerium für zivile und militärische Zwecke weltweit errichtet.

Ziel der EU ist es, sich durch die flächendeckende Initiierung des europäischen Satellitennavigationssystems von dem US-amerikanischen System zu lösen.

Der raumfahrtbasierte Softwarehersteller CGI ist seit 1975 Handelspartner der ESA. Mit seinen Programmen unterstützt er zudem nationale Forschungsprogramme in der EU. Zu seinen Kunden gehören neben Deutschland und Italien auch die Niederlande. Laut der Financial Times hat das Unternehmen bereits sensible Computerprogramme für das Galileo-Projekt an niederländische Partnerfirmen transferiert. Das Unternehmen wollte sich dazu auf Anfrage nicht äußern.

Der britische Schatzmeister Philip Hammond kündigte in der vergangenen Woche an, einen derartigen Technologietransfer nach dem Brexit verhindern zu wollen, und warb für die Auflegung eines britischen Satellitenprojektes. Weitere Einzelheiten gab er nicht bekannt. Aus britischen Regierungskreisen wird jedoch bezweifelt, dass sich ein solcher Technologietransfer durch die CGI nach dem Brexit an EU-Staaten verhindern lässt.

***

Für PR, Gefälligkeitsartikel oder politische Hofberichterstattung stehen die DWN nicht zur Verfügung. Bitte unterstützen Sie die Unabhängigkeit der DWN mit einem Abonnement:

Hier können Sie sich für einen kostenlosen Gratismonat registrieren. Wenn dieser abgelaufen ist, werden Sie von uns benachrichtigt und können dann das Abo auswählen, dass am besten Ihren Bedürfnissen entspricht. Einen Überblick über die verfügbaren Abonnements bekommen Sie hier.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  
EU >

DWN
Finanzen
Finanzen Kampf gegen das Bargeld: Australiens Zentralbank startet Testphase für digitale Währung

Die Zentralbank Australiens arbeitet an der Einführung einer digitalen Währung. Damit folgt sie einem Aufruf der Bank für...

DWN
Deutschland
Deutschland Impfnebenwirkungen: TK meldet fast eine halbe Million Behandlungen in 2021

Die Debatte um Impfnebenwirkungen der Corona-Impfstoffe nimmt wieder Fahrt auf. Die Techniker Krankenkasse musste nun Daten offenlegen, die...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Fußball-Bundesliga: Die bunte Welt der Sponsoren

Die neue Bundesligasaison bietet vielen Unternehmen eine große Bühne, um ihre Zielgruppen zu erreichen und ihre Produkte zu bewerben....

DWN
Finanzen
Finanzen EZB traut sich nicht: Maßnahmen gegen Inflation sind äußerst zaghaft

Zwar hat EZB hat die geldpolitische Straffung tatsächlich begonnen und ihre Bilanz schon um 90 Milliarden Euro reduziert. Doch im Kampf...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Wie Frankreich der Dijon-Senf ausgegangen ist

In den Regalen von Frankreichs Supermärkte herrscht ein akuter Mangel an Dijon-Senf. Dies ist vor allem die Folge zweier ganz unerwarteter...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft OPEC stellt Weichen für Drosselung der Öl-Förderung

Die OPEC bereitet den Markt auf eine Drosselung der Öl-Förderung vor. Zugleich erwartet die IEA eine steigende Nachfrage. Öl könnte...

DWN
Finanzen
Finanzen Die größten Vermögensverwalter der Welt setzen plötzlich auf Krypto

Die Vermögensverwalter Abrdn, BlackRock und Charles Schwab haben im August massive Geschäfte im Krypto-Sektor gestartet. Sie erwarten...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Energie-Krise: Russland erhöht Erdgas-Lieferungen an Ungarn

Ungarn hatte Russland um mehr Gas gebeten, um die Energieversorgung für den kommenden Winter sicherzustellen. Dieser Bitte kommt Gazprom...