Trump droht mit Sanktionen gegen Pipeline-Projekt Nord Stream 2

 

Mehr zum Thema.

Benachrichtigung über neue Artikel:  
USA  
Russland  
Energie  
 
Lesezeit: 2 min
12.07.2018 15:49
US-Präsident Donald Trump hat erneut mit Sanktionen gegen das Pipeline-Projekt Nord Stream 2 gedroht.
Trump droht mit Sanktionen gegen Pipeline-Projekt Nord Stream 2

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  
USA  
Russland  
Energie  

US-Präsident Donald Trump macht Front gegen das mit deutscher Beteiligung betriebene Gasleitungs-Projekt Nord Stream 2 und stößt damit auf Empörung in der Wirtschaft. Beim Nato-Gipfel in Brüssel war das Energieprojekt, das auch innerhalb der EU Kritiker hat, ein großes Streitthema, wie Trump am Donnerstag sagte.

Die US-Regierung erneuerte ihre Drohung mit Sanktionen gegen daran beteiligte Firmen. Die deutsche Wirtschaft sprach daraufhin von einem Eingriff in die Energiepolitik sowie in Geschäfte deutscher und europäischer Firmen. Das russische Präsidialamt warf Trump vor, er wolle die Europäer zum Import von Energie aus den USA drängen.

Die deutsche Regierung betrachtet die geplante Ostsee-Pipeline als ein vornehmlich unternehmerisches Projekt. Sie verwies ganz allgemein auf eine diversifizierte Energie-Versorgungsstruktur im Land, auch beim Erdgas. Mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien werde die hohe Energie-Importabhängigkeit Deutschlands, die nach amtlichen Zahlen aktuell bei rund 70 Prozent liegt, sinken, hieß es im Wirtschaftsministerium. Trump hatte den Deutschen vorgeworfen, sie machten sich mit Nord Stream 2 noch weiter zum Gefangenen Russlands. Ein Sprecher des US-Außenamtes sagte, die Pipeline untergrabe die Energiesicherheit Europas und wäre für Russland ein Werkzeug für "politische Nötigung" der EU.

In das Pipeline-Projekt Nord Stream 2 haben vor allem fünf westliche Firmen Geld investiert: Die BASF-Tochter Wintershall, die E.ON-Abspaltung Uniper, OMV aus Österreich, der britisch-niederländische Konzern Royal Dutch Shell sowie das französische Unternehmen Engie. Zu den Drohungen mit US-Sanktionen wollte sich kaum einer von ihnen konkret äußern. Uniper-Chef Klaus Schäfer merkte allgemein an: "Die aktuelle Sanktionsspirale in der Weltpolitik verfolge ich mit einem sehr unguten Gefühl."

Beim Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft, der Stimme der in Osteuropa engagierten deutschen Firmen, fielen deutliche Worte. "US-Sanktionsdrohungen gegen europäische Unternehmen, die sich an Nord Stream 2 beteiligen, sind ein Eingriff in die europäische Energiepolitik", sagte der Chef des Ausschusses Wolfgang Büchele. Er nannte jüngste Äußerungen Trumps ebenso wie die US-Sanktionen gegen Russland, die auch auf ausländische Unternehmen träfen, "einen Angriff auf die Geschäftsbeziehungen deutscher und europäischer Unternehmen mit Russland". Es könne nicht sein, dass in Washington darüber entschieden werde, mit welchen Ländern deutsche Firmen Geschäfte machen dürften.

Russland, dessen Präsident Wladimir Putin Trump Anfang kommender Wochen treffen wird, warf dem US-Präsidenten vor, eigene wirtschaftliche Interessen in den Vordergrund zu stellen. Der Sprecher des Präsidialamtes Dmitri Peskow sprach von einer Kampagne, den Europäern US-Flüssiggas (LNG) zu verkaufen. Trumps Darstellung, Deutschland sei "ein Gefangener Russlands", wies er in einer Telefonkonferenz mit Journalisten zurück. Die Lieferung von Gas durch Pipelines führe nicht zu einseitigen, sondern zu gegenseitigen Abhängigkeiten. "Das ist die Garantie für Stabilität und künftige Entwicklung", sagte Peskow.

Die Kosten des Pipeline-Projekts werden auf gut acht Milliarden Euro kalkuliert. Durch die Röhren sollen jährlich 55 Milliarden Kubikmeter Gas nach Deutschland und Europa fließen. Die beteiligten Firmen haben nach früheren Angaben des Ost-Ausschuses schon über vier Milliarden Euro investiert. Widerstand gegen das Vorhaben kommt beispielsweise von der Ukraine. Sie befürchtet, Gebühren als wichtiges Transitland für russisches Gas zu verlieren. Auch Polen zählt zu den harten Kritikern des Vorhabens in der EU, weil die Pipeline durch die Ostsee verläuft und das Land damit ebenso umgangen wird.


Mehr zum Thema:  

DWN
Finanzen
Finanzen Wie die EU-Kommission den deutschen Mittelstand in eine neue Leibeigenschaft führt

Die Corona-Krise könnte sich als bedeutendste Bruchlinie in Wirtschaft und Gesellschaft seit dem Zweiten Weltkrieg herausstellen....

DWN
Politik
Politik Wer ein Interesse an der Bargeld-Abschaffung hat

Hinter dem Bestreben, Bargeld aus dem Zahlungsverkehr zu verbannen, steht eine durchaus heterogene Gemeinschaft mit Eigeninteressen.

DWN
Politik
Politik „Es ist zu früh, die Korken knallen zu lassen“: EU-Milliardenpaket hat zwei große Schwächen

Willem Buiter über die zwei großen Schwächen des EU-Rettungspakets.

DWN
Deutschland
Deutschland Wie Deutschland bei den E-Batterien gegen China aufrüstet

Deutschland hängt weit hinter China hinterher, wenn es um die E-Mobilität geht. Doch jetzt beginnt das Land, mit Milliarden-Förderungen...

DWN
Politik
Politik Wie das FBI US-Präsident Donald Trump mit Lügen stürzen wollte

Der ehemalige FBI-Chef Jamey Comey wollte Trump mit einer fingierten „Trump-Russland-Affäre“ stürzen. Um dieses Ziel zu erreichen,...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Wie die deutschen Einzelhändler beim Einsatz von KI international hinterher hinken

Die künstliche Intelligenz (KI) im Einzelhandel kommt weltweit voran, in Deutschland hingegen spielt sie weiterhin nur eine unterordnete...

DWN
Politik
Politik Gegen China: Deal zwischen Israel und VAE bildet Startschuss für „arabische Nato“

Das jüngste Friedensabkommen zwischen Jerusalem und Abu Dhabi zielt offenbar darauf ab, eine „arabische NATO“ gegen den Iran, aber...

DWN
Finanzen
Finanzen Tübinger Impfstoff-Firma CureVac sammelt bei US-Börsengang Millionen ein

Das Biotechunternehmen CureVac hat mit seinem Börsengang an der Nasdaq frisches Geld eingesammelt. Der von den Tübingern entwickelte...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft USA beschlagnahmen Rekordmenge an iranischem Öl auf Tankern

Die US-Behörden melden eine Rekord-Beschlagnahme von iranischem Öl auf vier Tankschiffen. Laut einer Erklärung beförderten die vier...

DWN
Finanzen
Finanzen Apple auf dem Weg zum 2-Billionen-Dollar-Konzern

In der Corona-Krise ist es Apple gelungen, sich zum teuersten Börsen-Unternehmen der Welt aufzuschwingen. Zuletzt wurde der Kurs auch...

DWN
Politik
Politik Finanz-Spekulanten wollen Türkei aus dem östlichen Mittelmeer vertreiben

Die türkische Lira ist einer alljährlichen Spekulanten-Attacke, die auf den Monat August fällt, ausgesetzt. Doch diesmal geht es nicht...

DWN
Politik
Politik Was bringt die Rettung des Bargelds, wenn es seinen Wert verliert?

Politiker aller politischen Richtungen bemühen sich darum, die scheinbar unaufhaltsam voranschreitende Abschaffung des Bargelds noch...

DWN
Deutschland
Deutschland IfW: Corona-Paket der Bundesregierung schadet der Wirtschaft

Ein erheblicher Teil des Konjunkturpakets der Bundesregierung gegen die Corona-Krise verursacht mehr Schaden als Nutzen, so das Kieler...

DWN
Politik
Politik Trinkwasser in Gefahr? Bürger von Lüneburg protestieren gegen Bauvorhaben von Coca Cola

In Lüneburg will Coca Cola einen dritten Brunnen bauen, um mehr Wasser für die Produktion zu haben. Doch die Einwohner befürchten, dass...

celtra_fin_Interscroller