Finanzen

Türkei: Lira gerät unter starken Verkaufsdruck

Lesezeit: 2 min
30.08.2018 11:37
Der Kurs der türkischen Lira steht weiterhin unter starkem Verkaufsdruck.
Türkei: Lira gerät unter starken Verkaufsdruck

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Die türkische Lira bleibt unter starkem Druck. Ein Dollar verteuerte sich am Donnerstag um fast 5 Prozent auf 6,75 Lira. Vor 24 Stunden hatte der Dollarkurs der Lira noch etwa 6,20 Lira betragen. Zum Euro betrugen die Verluste mehr als 5 Prozent auf jetzt 7,93 Lira, wie aus Daten von Trading Economics hervorgeht.

Als Auslöser für den neuerlichen Abverkauf gelten Berichte, wonach der Vize-Präsident der türkischen Zentralbank zurückgetreten sei. Dies könnte bedeuten, dass Präsident Erdogan seinen Einfluss auf die Notenbank ausbauen wird.

Einer offiziellen Umfrage zufolge sackte die Zuversicht von Konsumenten und Unternehmen im August ab. Der Index des türkischen Statistischen Instituts fiel von rund 92 Punkten im Juli auf nur noch 83 Punkte im August, wie die Financial Times berichtet. Der Abschwung betraf alle Branchen des Landes.

Die US-Ratingagentur Moody’s schätzt, dass türkische Unternehmen und staatliche Institutionen im kommenden Jahr rund 77 Milliarden Dollar an Anleihe-Tilgungen und Anleihezinsen zurückzahlen müssen.

Einige Marktteilnehmer befürchten, dass sich viele Investoren generell aus aufstrebenden Volkswirtschaften in Asien und Südamerika zurückziehen werden. „Die Gefahr, dass diese Krise zu einer globalen Schwellenländer-Krise wird, wird immer größer“, sagte Marktexperte Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners.

Am Donnerstag hat sich die Talfahrt zahlreicher Schwellenland-Devisen ungebremst fortgesetzt. Die Währungen von Indien und Argentinien rutschten im Handel mit dem amerikanischen Dollar auf neue Rekordtiefs.

„Dass die türkische Lira weiter abwertet, war leicht vorhersagbar“, sagte Devisenexperte Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank. Seiner Einschätzung nach ist keines der Probleme gelöst, die zu der beschleunigten Abwertung geführt haben. „Die zaghafte Symptom-Linderung durch Regierung und Zentralbank in Ankara und die Feiertage letzte Woche hatten der Lira eine kurze Verschnaufpause verschafft, mehr nicht“, sagte Leuchtmann.

Experten sind sich einig, dass nur eine konsequente Zinserhöhung durch die türkische Zentralbank den Wertverfall der Währung stoppen könnte. Allerdings gilt Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan als strikter Gegner von Zinserhöhungen, die seiner Einschätzung nach die Konjunktur bremsen würden.

Während die Lira ein neues Rekordtief nur knapp verpasste, rutschte die Währung Argentiniens auf ein Allzeittief. Für einen US-Dollar mussten rund 34 Peso gezahlt werden, und damit so viel wie noch nie. In dem südamerikanischen Schwellenland spitzt sich die Währungskrise weiter zu. Der Internationale Währungsfonds prüft nach einer Bitte der Regierung in Buenos Aires eine vorzeitige Auszahlung milliardenschwerer Finanzhilfen.

Etwa zeitgleich erreichte die indische Rupia ein neues Rekordtief im Handel mit dem Dollar. Generell leiden Währungen von Schwellenländern darunter, dass Investoren zunehmend Geld abziehen und es dank steigender Zinsen in den USA anlegen. Seit geraumer Zeit erhöht die US-Notenbank Fed die Leitzinsen, eine zehnjährige amerikanische Staatsanleihe wirft mittlerweile eine vergleichsweise hohe Rendite von knapp drei Prozent ab.

Neben den steigenden Zinsen in den USA werden Währungen von Schwellenländern durch interne Problemen belastet. Politische Skandale haben lange Zeit auch Südafrika erschüttert und der Kurs des südafrikanischen Rand hat sich zuletzt in Richtung eines neues Rekordtiefs bewegt.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Ratgeber
Ratgeber Bestens geplant: Einkommensvorsorge für Beamte

Die neue Allianz Einkommensvorsorge schützt Beamte und alle, die es werden wollen, vor den finanziellen Risiken einer Berufs- oder...

DWN
Finanzen
Finanzen Target2 macht's möglich: Deutsche Netto-Auslandsvermögen in Gefahr

Die Target-Forderungen Deutschlands innerhalb der EU haben längst astronomische Höhen erreicht. Ökonomen hatten zuvor inständig davor...

DWN
Politik
Politik Drei Brennpunkte bedrohen den Frieden: Schickt der Westen nur Berater - oder seine Armeen?

In seinem meinungsstarken Artikel analysiert DWN-Kolumnist Roland Barazon die weltweite Sicherheitslage.

DWN
Deutschland
Deutschland Ernste Lage: Versorgungsengpass bei Lebensmitteln und Rohstoffen droht

In zahlreichen Branchen innerhalb der deutschen Lieferkette droht ein Kollaps bei der Versorgung. „Dann sprechen wir nicht mehr bloß...

DWN
Finanzen
Finanzen Explosion der Immobilien-Preise: Mieten lohnt sich immer öfter als Kauf

In 51 von 75 Städten ist die finanzielle Belastung durch die Miete geringer als beim Kauf. Die Unterschiede sind vor allem in den...

DWN
Politik
Politik EU-Direktorin für Impfstoff-Zulassung war Pharma-Lobbyistin – unter anderem für AstraZeneca

Die aktuelle Direktorin der Europäischen Arzneimittelagentur, die für die Impfstoffzulassung verantwortlich ist, war zuvor für den...

DWN
Deutschland
Deutschland Gesetzes-Verschärfung steht bevor: Regierung will deutschlandweite Ausgangsbeschränkungen - Bundestag dürfte zustimmen

Die Bundesregierung will mittel einer Gesetzesverschärfung die Einspruchmöglichkeiten der Länder brechen.

DWN
Finanzen
Finanzen Banken sprechen von "Verwahrentgelt": In Wahrheit handelt es sich um Strafzinsen

Immer mehr deutsche Banken und Sparkassen berechnen ihren Kunden Strafzinsen.

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Nord Stream 2: Deutschland gegen Polen, die Ukraine und das Baltikum

Im Streit um das Pipeline-Projekt Nord Stream 2 sind die Fronten verhärtet. Während Deutschland und Russland das Projekt fördern, werden...