Finanzen

Spekulation: Chinesen prüfen Ausstieg bei der Deutschen Bank

Lesezeit: 2 min
08.09.2018 01:29
Laut Wall Street Journal will der Großaktionär HNA seinen Anteil an der Deutschen Bank abstoßen.
Spekulation: Chinesen prüfen Ausstieg bei der Deutschen Bank

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Das Wall Street Journal berichtete am Freitag unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute, namentlich nicht genannte Personen, dass das chinesische Konglomerat HNA in den kommenden Monaten seinen Anteil von zuletzt 7,6 Prozent am größten deutschen Geldhaus abstoßen werde - auf Druck der Regierung in Peking, wie Reuters berichtet.

Sprecher des Instituts und von HNA wollten keinen Kommentar abgeben. Das Handelsblatt zitierte einen anonymen Mitarbeiter von HNA mit den Worten: "Mit dem Verkauf des Deutsche-Bank-Anteils beweisen wir, dass wir die Botschaft verstanden haben." Derzeit gebe es aber noch keinen konkreten Zeitplan oder einen bestimmten Abnehmer für die Papiere.

Der Staat und Gläubiger der hochverschuldeten HNA hatten zuletzt den Druck erhöht, sich wieder auf das alte Kerngeschäft Luftfahrt und Tourismus zu konzentrieren. An der Börse gab die Aktie der Deutschen Bank am Freitag in der Spitze 2,6 Prozent nach. HNA hatte sich in den zurückliegenden Jahren für viele Milliarden verschuldet und bei zahlreichen westlichen Firmen eingekauft, darunter Fluglinien und mehrere bekannte Hotelketten wie Hilton und NH. Seit einiger Zeit zieht sich HNA aus einigen dieser Beteiligungen wieder zurück - doch trotz dieser Abtrennungen in einem Umfang von rund 20 Milliarden Dollar leidet der Konzern unter Liquiditätsengpässen.

Das Konglomerat hält die Deutsche-Bank-Aktien über die österreichische Fondsgesellschaft C-Quadrat, deren Chef Alexander Schütz auch für HNA im Aufsichtsrat des Instituts sitzt. Sein Vertrag läuft offiziell noch bis 2023. Die Schweizer Großbank UBS unterstützt quasi als Hausbank. Gekauft wurden die Papiere auf Kredit und über eine komplexe Derivatekonstruktion ("Collar") abgesichert. Die UBS wollte sich am Freitag nicht äußern.

Die Finanzierungs- und Absicherungsstruktur führt dazu, dass die UBS bei Verlusten der Deutsche-Bank-Aktie entgegengesetzte Absicherungsgeschäfte auflösen muss. Diese würden sich dann auf den Aktienkurs tendenziell stützend auswirken. Allerdings gehen Fachleute davon aus, dass es trotzdem unter dem Strich einen - leicht - negativen Effekt auf die Aktie geben dürfte. Ob es bereits konkrete Interessenten für die Papiere gibt, blieb zunächst unklar. Nach einem Ausstieg von HNA verblieben nach jetzigem Stand mit dem Emirat Katar, dem US-Finanzinvestor Cerberus und der weltgrößten Fondsgesellschaft Blackrock drei Großaktionäre übrig.

Das chinesische Konglomerat wurde 1993 gegründet. Aushängeschild des Konzerns ist die Fluglinie Hainan Airlines, die viertgrößte Fluggesellschaft Chinas. Nach dem Unfalltod von Gründer Wang Jian vor einigen Wochen hatte es geheißen, HNA werde die mit den Gläubigern vereinbarten Verkäufe von Geschäftsteilen fortsetzen. Das Konglomerat hat in diesem Jahr bereits den Abverkauf von Firmenbeteiligungen, Immobilien und anderen Vermögenswerten für mehr als 16 Milliarden Dollar vereinbart, wie Berechnungen von Reuters ergaben. Das Unternehmen wollte sich nicht zur Höhe der Verschuldung äußern. Die Mehrheit an HNA, die wegen seiner undurchsichtigen Eigentümerstruktur wiederholt für Kritik sorgte, besitzen eine in New York ansässige Stiftung und eine in China beheimatete Stiftung, die zusammen 52 Prozent halten. Das HNA-Konglomerat hatte sich Anfang vergangenen Jahres bei der Deutschen Bank eingekauft.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Ratgeber
Ratgeber Bestens geplant: Einkommensvorsorge für Beamte

Die neue Allianz Einkommensvorsorge schützt Beamte und alle, die es werden wollen, vor den finanziellen Risiken einer Berufs- oder...

DWN
Technologie
Technologie 50 Gigawatt stehen zur Disposition: Geplante Stilllegung von Kraftwerken gefährdet Deutschlands Stromversorgung

Die Regierung plant die Stilllegung von Atom- und Kohlekraftwerken - woher der dann fehlende Strom kommen soll, weiß niemand.

DWN
Politik
Politik Le Pen und das Militär gegen das Establishment: Frankreichs Kulturkampf spitzt sich zu

Die verfeindeten Seiten stehen sich unversöhnlich gegenüber. Doch im Grunde genommen kämpft jeder gegen jeden - die französische...

DWN
Politik
Politik Indien: Von Gebirgen geschützt, auf dem Meer herausgefordert

In Folge vierzehn der großen geopolitischen DWN-Serie befasst sich Moritz Enders heute mit Indien. An wohl keinem anderen Beispiel lässt...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin-Konkurrent Ethereum setzt seinen Höhenflug fort

Ethereum eilt von Allzeithoch zu Allzeithoch. Damit entkoppelte sich die Währung in den letzten Wochen vom restlichen Kryptomarkt, der...

DWN
Finanzen
Finanzen Warum die Kritik an den Zentralbanken scheinheilig ist

Die Deutschen Wirtschaftsnachrichten sind in einer Reihe von Artikeln sehr kritisch mit den Zentralbanken umgegangen. Jetzt nimmt DWN-Autor...

DWN
Finanzen
Finanzen Bargeldabschaffung nimmt immer konkretere Formen an: Nach neuem EU-Vorschlag drohen Verhältnisse wie in Schweden

DWN-Gastautor Hansjörg Stützle analysiert, wie die Abschaffung des Bargelds schrittweise voranschreitet. Zum Schluss zeigt er auf, wie...

DWN
Technologie
Technologie Biotreibstoff-Verband: Klima-Kritik an Grünem Diesel ist Unfug!

Verbraucherorganisationen behaupteten, dass der Grüne Diesel schädlicher als der Treibstoff aus Erdöl sei. Im exklusiven Interview mit...

DWN
Finanzen
Finanzen Erneute Inflationsangst drückt den Dax wieder unter 15.000 Punkte

Die Angst vor der Inflation dominierte heute Morgen die Märkte. Der Dax zeigt ein schwaches Bild.