Russland wirft USA Einsatz von Phosphor-Bomben in Syrien vor

 

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10.09.2018 01:14
Russland meldet US-Luftschläge in Syrien. Das Pentagon dementiert den Einsatz von Phosphor-Bomben.
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Das russische Militär meldete am Sonntag, dass zwei US-Kampfflugzeuge der F-15 am Samstag Phosphor-Bomben auf die syrische Provinz Deir al-Zor abgeworfen hätten, berichteten die Nachrichtenagenturen TASS und RIA, eine Behauptung, die die Vereinigten Staaten dementierten. Die Luftangriffe zielen auf das Dorf Hajin, die letzte große Hochburg des islamischen Staates in Syrien, und führten zu Bränden, aber es gab keine Informationen über Verluste, sagte das russische Militär.

Ein Pentagon-Sprecher bestritt, dass amerikanische Flugzeuge Phosphorbomben abgeworfen hätten. "Zu dieser Zeit haben wir keine Berichte über die Verwendung von weißem Phosphor erhalten", sagte Commander Sean Robertson dem englischsprachigen Dienst von Reuters. "Keine der militärischen Einheiten in der Gegend ist sogar mit weißer Phosphor-Munition jeglicher Art ausgestattet."

Menschenrechtsgruppen haben gesagt, dass die von den USA geführte Koalition gegen den Islamischen Staat im Verlauf des Syrien-Konflikts weiße Phosphor-Munition verwendet habe, berichtet Reuters. Die Bomben können dicke weiße Nebelscheiben erzeugen und werden als Brandvorrichtungen verwendet. Die Menschenrechtsgruppen kritisieren den Einsatz der Munition in besiedelten Gebieten, weil sie töten und verstümmeln können, indem sie Menschen bis auf die Knochen verbrennen.

Die Koalitions- oder Partnerstreitkräfte hätten im Juli wahrscheinlich Luftangriffe auf Ostsyrien durchgeführt, wo Überreste des Islamischen Staates verschanzt seien, sagte die Koalition laut Reuters. Sowohl die USA als auch Russland haben in den vergangenen Tagen vor dem Einsatz von chemischen Waffen gewarnt.

Russische und syrische Jets haben am Sonntag in Idlib und Hama erneut bombardiert, als Damaskus seinen Angriff verschärfte, nachdem ein russisch-iranisch-türkischer Gipfel sich nicht auf einen Waffenstillstand geeinigt hatte.

Die staatliche syrische Nachrichtenagentur SANA meldet, dass am Sonntag im Norden von Hama und - unweit von Idlib – Höhlensysteme und Stellungen von HTS unter Beschuss genommen wurden. Auf den Al-Sayyad-Hügeln nördlich von Kafr Zita wurden Dutzende von Söldnern von HTS und der „Al-Izza-Brigaden“ getötet. Zudem wurden ein gepanzertes Fahrzeug und ein Munitionsdepot zerstört. „Die Terroristen Samer Swaidan und der Terrorist Abdul-Aziz Mu'ain Sbai'a wurden unter den getöteten Terroristen identifiziert“, so SANA.

Am Montag kommen in Genf der UN-Vermittler für Syrien, Staffan de Mistura, sowie Vertreter aus Russland, dem Iran und der Türkei zu Beratungen zusammen. Nach Angaben der UN wird de Mistura am Montag zunächst Einzelgespräche mit den Delegationen führen. Am Dienstag soll dann ein gemeinsames Treffen mit allen Vertretern folgen.

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) lässt laut Bild-Zeitung einen deutschen Militär-Einsatz in Syrien prüfen. Im Verteidigungsministerium werde erwogen, sich künftig an der Allianz von USA, Großbritannien und Frankreich zu beteiligen. Voraussetzung für eine deutsche Beteiligung sei allerdings ein erneuter Giftgas-Anschlag des syrischen Regimes auf die eigene Bevölkerung.

Anlass für die Prüfung sei eine Anfrage der US-Seite ans Kanzleramt. Bei einer Expertenrunde seien im Verteidigungsministerium zuletzt verschiedene Optionen diskutiert worden. Diese reichten von Aufklärungsflügen und einer Schadensanalyse nach einem Angriff bis hin zur Teilnahme an Kampfeinsätzen. Sollte Assad nachweislich wieder Giftgas gegen sein eigenes Volk einsetzen, könnten neben den USA, Großbritannien und Frankreich diesmal auch bewaffnete Bundeswehr-Tornados Angriffe auf militärische Infrastruktur wie Munitionsdepots fliegen, heißt es in dem Bericht. Demnach würde der Bundestag im Falle eines schnellen Eingreifens erst nachträglich befragt.

"Die Situation in Syrien gibt Anlass zu höchster Sorge", zitierte die Zeitung aus einer gemeinsamen Stellungnahme von Verteidigungsministerium und Auswärtigem Amt. "Selbstverständlich sind wir in diesen Zeiten im engen Kontakt mit unserem amerikanischen Verbündeten und europäischen Partnern. Auf allen Ebenen tauschen wir uns ständig aus über das aktuelle Lagebild, mögliche weitere Krisenszenarien sowie gemeinsame Handlungsoptionen. Ziel ist, dass die Konfliktparteien eine Eskalation der bereits jetzt für die betroffenen Menschen furchtbaren Situation vermeiden. Das gilt insbesondere für den Einsatz von verbotenen Chemiewaffen, die das Assad-Regime in der Vergangenheit bereits benutzt hat."

Im April hatten die USA, Frankreich und Großbritannien mit dem größten gemeinsamen Luftangriff seit Kriegsausbruch in Syrien Vergeltung für den angeblichen Giftgas-Einsatz im syrischen Duma geübt. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte eine deutsche Beteiligung an dem Militärschlag ausgeschlossen.


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