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Langstrecke ohne Zwischenstopp: 20 Stunden Flugzeit möglich

Lesezeit: 3 min
15.09.2018 23:26
In der Passagier-Luftfahrt bahnen sich Umwälzungen an. Sie betreffen vor allem die Langstrecke, die künftig auch von Regionalflughäfen aus möglich sein soll.
Langstrecke ohne Zwischenstopp: 20 Stunden Flugzeit möglich

Die ohne Zwischenstopp geflogenen Routen werden immer länger. Weil die Zahl der Direktverbindungen sowie das Passagieraufkommen erheblich steigen, wächst auch die Zahl der Flughäfen, von denen Interkontinentalflüge starten. Marktbeobachter gehen davon aus, dass in Zukunft von deutschen Regionalflughäfen Flüge nach Asien und Amerika angeboten werden.

Singapur Airlines wird im Oktober die Strecke Singapur – New York in ihr Liniennetz aufnehmen. Mit einer Länge von rund 16.700 Kilometern wird es sich um den längsten direkten Linienflug der Welt handeln. Eingesetzt wird dafür der neue A350-900 URL von Airbus, ein sogenanntes Ultralangstrecken-Flugzeug. Es bietet 161 Passagieren in der Business und Premium Economy Class Platz und soll die Strecke in rund 18,5 Stunden bewältigen. Der bislang längste Direktflug ist die rund 14.500 Kilometer lange Verbindung zwischen Katars Hauptstadt Doha und dem neuseeländischen Auckland, die Qatar Airways anbietet.

Der neue Rekord wird wohl schon bald gebrochen werden. Die australische Fluglinie Qantas plant eine Direktverbindung zwischen Sydney und London. Die Flugzeit für die circa 17.800 Kilometer lange Strecke beträgt mehr als 20 Stunden – ein Meilenstein für die Luftfahrt. Im Zuge des von Qantas „Sunrise“ (Sonnenaufgang) genannten Projekts waren letztes Jahr Repräsentanten von Airbus und Boeing in Australien, um ihre Ideen für die notwendige Umrüstung ihrer jeweiligen Flugzeuge (Airbus: A350, Boeing: 777-8) zu präsentieren. Flugtechnisch stellt die Länge der Stecke kein Problem dar. Die Herausforderung liegt vielmehr darin, zwei Erfordernisse miteinander in Einklang zu bringen: Zum einen das Innere des Flugzeugs so mit Annehmlichkeiten auszustatten, dass die Passagiere einen torturfreien Flug haben. Und gleichzeitig die Annehmlichkeiten so anzuordnen, dass sie keine Sitzplätze kosten, was die Rentabilität des Flugs in Frage stellen könnte. Die Vorbereitungen dafür seien im vollen Gange, sagte Airbus-Sprecher Justin Dubon den Deutschen Wirtschaftsnachrichten: „Wir sind sogar dabei, die Zahl der Sitzplätze noch zu erhöhen“. Unter anderem werden die für die Strecke vorgesehenen A350s möglicherweise mit Bar, Bürozellen, Schlafkojen, Fitnessgeräten und Kinderkrippe eingerichtet werden.

„Die technische Evaluierung ist im Gange, wir haben von Airbus und Boeing gute Vorschläge gesehen“, sagte Qantas-Chef Alan Joyce dem Luftfahrtnachrichten-Dienst aero.de. 2022 soll die Strecke in Betrieb genommen werden. Joyce: „Wir arbeiten mit dem Gesetzgeber an Regelungen, um mit der Ermüdung der Besatzungen auf 21-Stunden-Flügen umzugehen. Außerdem wollen wir Abkommen mit den Piloten-Vereinigungen treffen. Dann beginnt die Auditierung der angebotenen Flugzeuge. Wenn alles gut läuft, geben wir dann die Bestellung auf, so dass die Flugzeuge 2022 ausgeliefert werden können.“

Derzeit ist Quantas auch dabei, eine Direktverbindung zwischen Australien und Frankfurt zu planen. Die Flüge sollen von und nach Perth gehen, das an der australischen Südwestküste liegt. Die Entfernung zwischen Frankfurt und Perth beträgt 13.850 Kilometer.

Für die Lufthansa komme die Bedienung von sogenannten Ultralangstrecken derzeit nicht in Betracht, sagte Unternehmenssprecher Michael Lamberty den Deutschen Wirtschaftsnachrichten. Bis Mitte der 90er Jahre bot die Airline eine Verbindung nach Australien an (mit Zwischenlandung), stellte diese jedoch wegen mangelnder Rentabilität ein. Der längste derzeit angebotene Lufthansa-Direktflug geht von Frankfurt nach Buenos Aires und dauert etwas mehr als 13 Stunden. „Wir beobachten die Situation und werden bei Bedarf reagieren“, so Lamberty, „aber derzeit besteht für uns keine Notwendigkeit, längere Strecken anzubieten“.

„Der Trend geht eindeutig hin zu längeren Flügen“, sagte Prof. Andreas Strohmayer, Leiter des Bereichs Flugzeugentwurf des Instituts für Flugzeugbau (IFB) der Universität Stuttgart, den Deutschen Wirtschaftsnachrichten. In den 80er Jahren habe die Diskussion begonnen, welche Streckennetz-Variante besser geeignet sei, dem vermehrten Passagieraufkommen zu begegnen: Point to Point, also die direkte Verbindung zwischen Ankunfts- und Zielort, oder Hub and Spoke (Nabe und Speiche), also die Verbindung über eine oder mehr zentrale Drehscheiben. Mittlerweile sei klar, dass sich erstere Variante durchgesetzt habe. Strohmayer glaubt allerdings nicht nur, dass es zukünftig mehr längere Direktflüge geben wird. Weil das Passagieraufkommen kontinuierlich wächst (1980 wurden knapp 800 Millionen Passagiere pro Jahr transportiert, 1991 waren es 1,5 Milliarden, 2000: 1,6 Milliarden, 2010: 2,8 Milliarden, 2017: 4,1 Milliarden, für Mitte der 2030 Jahre wird mit 7,8 Milliarden gerechnet), würden in Zukunft immer mehr direkte Interkontinentalflüge von deutschen Flughäfen abgehen, die bislang nur für den nationalen und kontinentalen Flugverkehr genutzt werden. Die Fluglinien seien bereits dabei, mit Hilfe von Big Data und Künstlicher Intelligenz (KI) passende Strecken zu evaluieren. Strohmayer: „Es ist beispielsweise vorstellbar, dass es – angesichts des wachsenden China-Geschäfts von VW – eine Direktverbindung von Hannover nach Peking oder Schanghai geben wird.“

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