Deutsche Geschäfte mit Iran wegen Sanktionen auf der Kippe

 

Mehr zum Thema.

Benachrichtigung über neue Artikel:  
 
Lesezeit: 2 min
14.09.2018 01:11
Der DIHK sieht für deutsche Unternehmen erhebliche Schwierigkeiten, im Iran weiter Geschäfte zu betreiben.
Deutsche Geschäfte mit Iran wegen Sanktionen auf der Kippe

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

DIHK-Außenwirtschaftsexpertin Angela Dube gibt eine Einschätzung der wirtschaftlichen Aktivitäten Deutschlands im Iran. Diese dürften deutlich erschwert werden, wenn die US-Sanktionen gegen den Iran im November in Kraft treten.

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Welche Maßnahmen wurden bisher getroffen, um die negativen Auswirkungen der Iran-Sanktionen für die deutsche Wirtschaft abzufedern?

Angela Dube: Parallel zu den US-Sanktionen gegen den Iran hat die EU die Blocking-Verordnung, VO (EG) Nr. 2271/96, aktualisiert. Diese ist wohl vor allem als politische Gegenmaßnahme zu verstehen. In der Praxis kann die Verordnung aber nicht verhindern, dass Unternehmen etwa in den USA gelistet werden. Unternehmen, die sich entscheiden, ihr Iran-Geschäft entsprechend dem in Deutschland und der EU geltenden Recht zu betreiben, stoßen in der Praxis auf große Herausforderungen bei der Suche nach einer Bank. Die überwiegende Mehrheit der deutschen und europäischen Banken haben ihre Kunden darauf hingewiesen, dass der Zahlungsverkehr nicht mehr abgewickelt wird. Das bisherige Iran-Geschäft der deutschen Wirtschaft ist damit infrage gestellt. Die Bundesregierung sollte sich gemeinsam mit den europäischen Partnern gegenüber den USA dafür einsetzen, dass deutsche und europäische Unternehmen, die sich nach hiesigem Verständnis rechtskonform verhalten, nicht von den USA bestraft werden.

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Welche Rat hat das BMWI den deutschen Unternehmen, die bisher Geschäfte mit dem Iran betrieben haben, gegeben, um mit den Iran-Sanktionen umzugehen?

Angela Dube: Exportkreditgarantien sowie Investitionsgarantien der Bundesregierung stehen weiterhin zur Verfügung. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie hat eine Kontaktstelle Iran eingerichtet. An die Kontaktstelle können sich Unternehmen mit Fragen zum Iran-Geschäft wenden, eine Rechtsberatung erfolgt aber nicht. Mit den Industrie- und Handelskammern (IHKs) stehen den Unternehmen ebenfalls Ansprechpartner vor Ort zur Verfügung.

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Wie hoch wird der Umsatz-Ausfall für die deutsche Wirtschaft (schätzungsweise) sein, wenn ab dem 4. November die erweiterten Sanktionen in Kraft treten?

Angela Dube: Der deutsch-iranische Außenhandel stieg im Jahr 2017 gegenüber dem Vorjahr um 16% und erreichte einen Wert von rund 3,3 Mrd. EUR. Deutschland lieferte Waren im Wert von 2,9 Mrd. EUR (+15,3%); die iranischen Importe lagen bei über 400 Mio. EUR (+30%). Im ersten Halbjahr 2018 lag der deutsch-iranische Außenhandel durch die veränderte Lage mit 1,5 Mrd. EUR bereits 7% niedriger als im ersten Halbjahr 2017. Deutschland lieferte Waren im Wert von 1,3 Mrd. EUR (-7%); die iranischen Lieferungen nach Deutschland lagen bei 194 Mio. EUR (-3%). Allein in den Monaten Mai und Juni 2018 – also direkt nachdem US-Präsident Trump ankündigte, dass sich die USA aus dem Atomabkommen zurückziehen und die Iran-Sanktionen wieder in Kraft setzen wollen, brachen die Exporte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund 20% ein. Es ist davon auszugehen, dass sich der Trend weiter fortsetzt.


Mehr zum Thema:  

DWN
Finanzen
Finanzen Die neue Weltmacht: Der digital-finanzielle Komplex

Die Zeiten, in denen das Wirtschaftsleben des Westens vom militärisch-industriellen Komplex dominiert wurde, sind vorbei. Mit dem...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Das Großraumbüro ist out – und der Hype um die Heimarbeit entpuppt sich als Falle

Im Zuge der Corona-Krise findet ein fundamentaler Wandel in der Arbeitsorganisation nahezu aller Unternehmen statt. Doch die Fokussierung...

DWN
Finanzen
Finanzen USA im Schuldenrausch: Neuschulden werden drastisch angehoben

Das US-Finanzministerium wird im laufenden Quartal deutlich mehr Neuschulden am Anleihemarkt aufnehmen, als ursprünglich geplant....

DWN
Politik
Politik Corona-Krise: Hunderte Belgier verklagen Bill Gates und Regierung

240 Belgier haben eine Klage gegen Bill Gates, die belgische Regierung und einen Epidemiologen eingereicht. Ihr Anwalt argumentiert, dass...

DWN
Politik
Politik US-Geopolitiker Friedman droht Merkel im Streit um Nord Stream 2

Der umstrittene US-Geopolitiker George Friedman kritisiert in einem Interview mit den Deutschen Wirtschaftsnachrichten den Umgang der...

DWN
Finanzen
Finanzen Russland und China bilden kein Militär- oder Handelsbündnis, sondern eine Finanzallianz

Viele hatten erwartet, dass Russland und China im geopolitischen Streit mit den USA ein Militärbündnis oder ein Handelsbündnis bilden...

DWN
Politik
Politik Machtvolle Symbolik: US-Sanktionsdrohung trifft direkt Merkels Wahlkreis

Die Sanktionsdrohung aus den USA gegen den deutschen Ostseehafen Sassnitz-Mukran wegen der Gaspipeline Nord Stream 2 hat einen...

DWN
Technologie
Technologie Roboter sollen künftig aufgebrachte Kunden beruhigen

Viele Kunden benehmen sich beim Kontakt mit den Unternehmen alles andere als höflich, wenn sie nicht sofort bedient werden. Eine KI soll...

DWN
Deutschland
Deutschland Pandemie schiebt Logistikmarkt für E-Commerce nach vorne

Viele Branchen werden durch die Corona-Krise erschüttert. Es gibt nur ein paar, die sogar davon profitieren. Dazu gehört der E-Commerce.

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Explosion im Hafen von Beirut ist ein Schlag gegen Chinas Seidenstraße

Der Hafen von Beirut sollte aus chinesischer Sicht eine wichtige Rolle beim Aufbau der Neuen Seidenstraße und beim Handel mit Europa...

DWN
Politik
Politik Am Sonntag Anti-Corona-Demo in Dortmund

Am Sonntag findet in Dortmund die nächste Anti-Corona-Demo statt. Angemeldet wurde sie von der Gruppe "Querdenken-231".

DWN
Deutschland
Deutschland Reiche wollen denkmalgeschützte Nazi-Bauten in Luxus-Oasen umbauen

In einem Hamburger Villenviertel wurde ein denkmalgeschützter NS-Bau zur Luxus-Wohnanlage umgebaut. Dafür gibt es Kritik von Experten....

DWN
Finanzen
Finanzen US-Aktien der Schweizer Notenbank springen auf Rekord-Stand

Die Schweizer Notenbank hat im zweiten Quartal weiter US-Aktien gekauft und hält nun einen Rekordwert von 118,3 Milliarden Dollar....

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Chinas Exporte ziehen an: Hoffnung auf Schub für Weltwirtschaft

Die Exporte Chinas sind zu Beginn des zweiten Halbjahres überraschend gestiegen und nähren Hoffnungen auf eine Belebung der...

celtra_fin_Interscroller