Erdgas: Türkei beginnt mit Bohrarbeiten vor Zypern

 

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02.11.2018 21:54
Das erste türkische Schiff hat mit Erdgas-Bohrarbeiten vor Zypern begonnen. Die Türkei sichert die Aktion mit Kriegsschiffen.
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Das erste Bohrschiff der Türkei „Fatih“ startete am 30. Oktober 2018 mit den ersten Bohrarbeiten am Bohrloch „Alanya-1“. Das Bohrloch befindet sich etwa 60 Seemeilen vor der Küste Zyperns. Das berichtet der türkischsprachige Dienst von Bloomberg. Die „Fatih“ wurde von türkischen Kriegsschiffen begleitet. Sie wird in den kommenden fünf Monaten tätig sein. Das 229 Meter lange Schiff kann nach Angaben von TRT bis in eine Tiefe von 12.200 Meter gelangen.

Die Türkei versucht, die Öl- und Gasexploration zu nutzen, um ihre maritimen Ansprüche im Mittelmeer zu festigen, so der US-Informationsdienst Stratfor. Während sich die Bohrstelle in nicht strittigen Gewässern befindet und mehrere Kilometer nördlich der selbst erklärten ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) Zyperns liegt, hat die Türkei angekündigt, in Zukunft weitere Bohrungen an weiteren Standorten durchzuführen.

Die Spannungen zwischen Griechenland, Zypern und der Türkei im östlichen Mittelmeerraum sind hoch. ExxonMobil kündigte am 5. Oktober 2018 an, dass Bohrungen in der AWZ von Zypern beginnen würden, und die Türkei gab bekannt, dass ein seismisches Vermessungsschiff Erkundungen an einem Ort durchführen wird, von dem Griechenland behauptet, es liege am griechischen Festlandsockel, so Stratfor.

Der türkische Verteidigungsminister Hulusi Akar sagte in der vergangenen Woche, die Türkei werde keine griechischen Interventionen in der Ägäis oder im Mittelmeerraum tolerieren und keine Eingriffe Griechenlands in türkische Explorationsarbeiten im östlichen Mittelmeerraum zulassen. Er bekräftigte, dass es in der Ägäis und im Mittelmeerraum ohne die Türkei und die türkischen Zyprer kein realisierbares Projekt geben kann. „Unsere Kriegsschiffe in der Region bieten den nötigen Schutz. Wir werden niemals eine neue Behinderung zulassen“, zitiert The Daily Sabah Akar.

Der Präsident Südzyperns, Nikos Anastasiades, sagte am Freitag, nach Angaben von Kathimerini, dass Zypern bereit sei, gemeinsam mit der Türkei die Ressourcen vor Zypern zu erschließen. Allerdings müsse es zuerst eine Wiedervereinigung Zyperns geben. Die Insel ist seit 1974 geteilt. Im Süden befindet sich der griechische und im Norden der türkische Teil. Doch eine Wiedervereinigung der Insel ist unwahrscheinlich. Im Jahr 2004 wurde auf Zypern unter UN-Aufsicht (Annan-Plan) ein Referendum für eine mögliche Wiedervereinigung durchgeführt. 73 Prozent der zypriotischen Griechen stimmten gegen die Wiedervereinigung, während 65 Prozent der zypriotischen Türken sich für die Wiedervereinigung aussprachen, berichtet die New York Times.

Der Congressional Research Service (CRS), die Denkfabrik des US-Kongresses, führt in einer Analyse aus, dass eine Wiedervereinigung Zyperns „schwer erreichbar“ sei. Der CRS wörtlich: „Die Einigungsgespräche, die die Teilung Zyperns nach 54 Jahren als politisch getrennte Nation und 44 Jahren als physisch gespaltenes Land beenden sollen, sind nach wie vor ausgesetzt. Die jüngsten Entwicklungen deuten jedoch darauf hin, dass die Verhandlungen vor Ende 2018 wieder aufgenommen werden könnten. Trotzdem bleibt die lang ersehnte bizonale, zweikommunale, bundesstaatliche Lösung für die Insel schwer erreichbar (...) Die Gespräche wurden im Juli 2017 ausgesetzt (...) Auf einer Pressekonferenz vom 15. März 2018, bei der der Besuch des stellvertretenden US-Außenministers für Europa und Eurasien, Wess Mitchell, auf Zypern begrüßt wurde, erklärte die US-Botschafterin Cathleen Doherty, dass die USA das Recht der Republik auf Explorationsaktivitäten in ihrer AWZ (Außergewöhnliche Wirtschaftszone, Anm. d. Red.), unterstützen. Doch die Energieressourcen sollten im Rahmen einer allgemeinen Einigung fair zwischen den beiden Teilen (Süd- und Nordzypern, Anm. d. Red.) aufgeteilt werden (...) In der Zwischenzeit hat das US-Energieunternehmen Exxon-Mobil im November 2018 mit den Vorbereitungen für die Einleitung der Gasexploration in der zypriotischen AWZ begonnen. Die Türkei hat ebenfalls angekündigt, mit ihren Bohrungen in den Gewässern zu beginnen, die sowohl Ankara als auch Zypern zu ihrer jeweiligen AWZ zählen.“

Konteradmiral a.D. Türker Ertürk führt in einer Analyse des Rechercheportals OdaTV aus, dass sich mittlerweile alle strategischen Rohstoffe unter dem Meer (Offshore-Rohstoffe) und an der Arktis befinden. Die Rohstoffe im Binnenland (Onshore-Rohstoffe) würden zur Neige gehen. Aufgrund neuer technologischer Möglichkeiten sind die Staaten dazu übergegangen, die Offshore-Rohstoffe auszubeuten, was zwangsläufig zu einer Konkurrenz in den Gewässern der Welt führe. Während in der Arktis aufgrund ihrer geographischen Nähe die USA, Kanada, Dänemark, Norwegen und Russland um die Rohstoffe konkurrieren, bestehe im Zusammenhang mit der Antarktis „zumindest jetzt“ ein Konsens, wonach die dortigen Rohstoffe der Allgemeinheit gehören.

Die Türkei habe keine Möglichkeit, an der Aufteilung der Ressourcen der Arktis teilzuhaben. Jedoch habe die Türkei eine Chance, an der Aufteilung der Rohstoffe im Schwarzen Meer, in der Ägäis und im Mittelmeer teilzuhaben. Das Territorium der Türkei umfasse etwa 800.000 Quadratkilometer, während die Gewässer, auf die die Türkei ein Anrecht habe, sich auf etwa 400.000 Quadratkilometer belaufen. Allerdings sei die aktuelle türkische Regierung nicht imstande, das Recht der Türkei in den Gewässern nachhaltig einzufordern.


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