US-Truppen ziehen sich überraschend aus Syrien zurück

 

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19.12.2018 16:53
Die US-Truppen ziehen sich offenbar aufgrund der anstehenden türkischen Militäroperation aus Teilen Nordost-Syriens zurück.
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Die USA haben nach Angaben des Weißes Hauses mit dem Rückzug ihrer Soldaten aus Syrien angefangen. „Wir haben damit begonnen, US-Soldaten nach Hause zu holen, während wir in die nächste Phase dieses Einsatzes übergehen“, heißt es in einer von der Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Sanders, am Mittwoch verbreiteten Stellungnahme.

US-Präsident Donald Trump meldete inzwischen über den Kurznachrichtendienst Twitter: "Wir haben den IS in Syrien besiegt. Das war mein einziger Grund, um (...) dort zu sein."

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Der US-Analyst Charles Lister sieht Trumps Ankündigung kritisch. Lister teilt über den Kurznachrichtendienst Twitter mit: "Ungefähr zehn Minuten vor Trumps 'Mission erfüllt'-Tweet übernahm der IS die Verantwortung für einen Angriff in Rakka. Dort sind US-Truppen und das Personal von USAID (...) stationiert. Für die meisten Menschen wird dies wie 'Rückzug' und nicht wie ein 'Sieg' aussehen."

In einem weiteren Tweet teilt Lister mit: "Der IS in Syrien wurde nicht besiegt. US-Geheimdienste schätzten im August 2018, dass sich in Syrien noch 14.500 IS-Kämpfer aufhalten."

Trumps Entscheidung werde Russland, den Iran und den IS stärken, so der Analyst.

Die Sprecherin des US-Verteidigungsministeriums, Dana W. White, sagte den Deutschen Wirtschaftsnachrichten: "Die Koalition hat das IS-Territorium befreit, aber die Kampagne gegen den IS ist noch nicht vorbei. Wir haben mit dem Rückzug der US-Truppen aus Syrien begonnen, während wir in die nächste Phase der Kampagne übergehen. Aus Gründen des Truppen-Schutzes und der Sicherheit geben wir keine weiteren Details an."

Zuvor hatte ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums den Deutschen Wirtschaftsnachrichten gesagt, dass die Türkei und die USA all ihre Aktivitäten im Nordosten Syriens koordinieren, um die Sicherheit der Türkei zu gewährleisten. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hatte eine Militäroperation im Nordosten Syriens angekündigt. Dabei soll es um die Bekämpfung der Kurden-Miliz PKK/YPG gehen. Das türkische Militär hat bereits schwere Geräte, Truppen und Mitglieder der Freien Syrischen Armee (FSA) an die Grenze zu Syrien verlegt.

Bei seiner jährlichen Pressekonferenz am Donnerstag sagte Russlands Präsident Wladimir Putin, dass er den geplanten US-Truppenabzug aus Syrien "begrüße". Allerdings sei er skeptisch. "Wir sehen noch keine Anzeichen für den Abzug der US-Truppen. Seit wann sind die USA in Afghanistan? Seit 17 Jahren? Und fast jedes Jahr sagen sie, sie würden ihre Truppen abziehen", zitiert Bloomberg Putin. Er stimme mit Trump darüber überein, dass der IS besiegt wurde. "Donald hat recht und ich stimme ihm zu. Wenn die USA dem Versprechen, ihre militärische Präsenz in Syrien zu beenden, nachkommen, wäre das das Richtige", so Putin.

Militärische Optionen der Türkei

Dem Hürriyet-Journalisten Uğur Ergan zufolge habe die Türkei mehrere operationelle Optionen. Der von der PKK/YPG besetzte Landstrich hat direkt an der türkisch-syrischen Grenze eine Länge von etwa 500 Kilometer. Ein direkter Angriff, der sich über diese gesamte Linie erstreckt, sei unwahrscheinlich. Allerdings könne die Türkei über die türkisch-syrischen Grenzstädte in den Nordosten Syriens eindringen. Es sei davon auszugehen, dass vor dem Einmarsch der Bodentruppen die Stellungen der PKK/YPG im Nordosten Syriens von der türkischen Luftwaffe und Haubitzen attackiert werden, um sie "aufzuweichen".

Der westliche Teil Nordsyriens steht unter der Kontrolle der Türkei. In Dscharabulus sind Verbände der FSA stationiert. Diese könnten von Dscharabulus aus in das Gebiet östlich des Euphrats eindringen.

Eine weitere Option sei, der Einmarsch von der türkischen Stadt Suruç in die syrische Grenzstadt Ayn al-Arab. Am 28. Oktober 2018 hatten türkische Haubitzen die Region Zor Magar, die sich westlich von Ayn al-Arab und direkt bei Dscharabulus befindet, beschossen.

In der türkischen Stadt Akçakale wurden schwere Geräte und Truppen zusammengezogen. Hier hat die Türkei die Option von Akçakale aus nach Tal Abyad einzudringen.

Weiterhin besteht die Möglichkeit, dass die türkischen Streitkräfte von Ceylanpınar aus nach Ras al-Ayn, von Şenyurt nach Al-Darbasiyah oder/und von Nusaybin nach Qamischli eindringen. Der türkische Sicherheitsanalyst Abdullah Ağar sagte der Hürriyet, dass die türkischen Streitkräfte im Verlauf ihrer Operation ein Auge auf das Sindschar-Gebirge haben werden. Das Sindschar-Gebirge ist eines der Hauptkontrollzentren der PKK/YPG.

Arabische Clans unterstützen Türkei

Nach Informationen der türkischen Zeitung Sabah unterstützen die arabischen Clans im Nordosten Syriens die anstehende türkische Operation. Der Co-Vorsitzende der Union der turkmenischen und arabischen Stämme,  Ömer Dede Fırat, sagte dem Blatt: "Wenn die Operation der türkischen Streitkräfte und der FSA mit Unterstützung der Clans beginnt, wird der PKK/PYD der Gar ausgemacht werden (...) Mehr als 2.000 Clan-Mitglieder bereiten sich auf die Operation vor."

Das Oberhaupt der arabischen Clans in Manbidsch, Adbulkarim Fahal, sagte dem türkischen regierungsnahen Sender Ahaber: "Die Region wird nach der Operation aus der Gefangenschaft der PKK befreit werden. Sie (die PKK, Anm. d. Red.) konfiszieren die Besitztümer der Bürger."

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