Politik

Shutdown: US-Zentralbank bekommt keine Konjunktur-Daten mehr

Lesezeit: 2 min
19.01.2019 18:13
Die US-Zentralbank erhält aufgrund des teilweisen Regierungs-Stillstandes keine Konjunkturdaten mehr. Je länger der Shutdown dauert, umso größer wird der Schaden für die USA.
Shutdown: US-Zentralbank bekommt keine Konjunktur-Daten mehr

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Die ökonomischen Folgen des teilweisen Regierungs-Stillstandes in den USA werden umso schwerwiegender, je länger dieser dauert, berichtet die dpa.

Der Grund für den Shutdown

US-Präsident Donald Trump will endlich die Grenzmauer zu Mexiko bauen, welche er seinen Anhängern im Wahlkampf versprochen hatte. Die Mauer soll Migration und Drogenschmuggel in die USA verringern. Für den Mauerbau sollten im aktuellen Staatshaushalt rund 5 Milliarden US-Dollar bereitgestellt werden. Die Demokraten im Kongress wollen die Mittel aber nicht bewilligen, weshalb bisher kein Haushaltsgesetz verabschiedet werden konnte. So sind zahlreiche öffentliche Einrichtungen wie Verwaltungen, Statistikämter oder Freizeitparks seit dem 21. Dezember geschlossen.

So lange sich Trumps Republikaner und die oppositionellen Demokraten nicht auf ein Haushaltsgesetz einigen können, dauert der Shutdown an. Schon jetzt ist es mit bald vier Wochen der längste Verwaltungsstillstand in der Geschichte der USA - und es gab einige davon. Trump will hart bleiben: Ohne Geld für die Mauer kein Haushalt, lautet seine Drohung. Die Demokraten erwidern: Kein Haushalt mit Mauer. Die Situation ist verfahren, eine schnelle Lösung nicht in Sicht. Der Shutdown könnte sich auf Monate hinziehen, warnt Paul Ashworth, US-Chefökonom vom Analysehaus Capital Economics.

Folgen für die Wirtschaft

Zunächst bedeutet der Shutdown einen Einkommensausfall für etwa 800 000 der insgesamt 2,1 Millionen Staatsdiener auf Bundesebene. Ein Teil von ihnen ist zurzeit zwangsbeurlaubt. Für die Dauer des Shutdowns werden die betroffenen Bundesangestellten nicht bezahlt, was sich in einem rückläufigen Konsum bemerkbar machen kann. Zudem können sich Schwierigkeiten bei der Bedienung von Privatkrediten ergeben, im schlimmsten Fall drohen Zahlungsausfälle, warnt Commerzbank-Experte Bernd Weidensteiner.

Hinzu kommt, dass die amerikanische Steuerbehörde IRS von dem Shutdown betroffen ist und sich damit Steuerrückzahlungen an die Bürger verzögern können. Auch dies würde einen zeitweisen Einnahmeausfall bedeuten, der nach Beendigung des Shutdowns aber nachgeholt würde. Die Lohnzahlungen wurden in der Vergangenheit ebenfalls nach dem Ende eines Shutdowns nachgeholt. Die Auswirkungen auf das gesamtwirtschaftliche Wachstum wären damit nur temporär.

Dauerhaft verloren ist dagegen die nicht geleistete Arbeitszeit der Staatsdiener, was die Produktivität des öffentlichen Sektors verringert. Das klingt technisch, die wirtschaftlichen Kosten sind aber nicht zu unterschätzen: Allein dieser Effekt kostete die US-Wirtschaft im vierten Quartal 2013 laut nationalem Statistikamt 0,3 Prozentpunkte Wachstum. Und damals handelte es sich nur um einen 16-tägigen Shutdown.

Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) weist zudem darauf hin, dass sich ein Verwaltungsstillstand auch auf private Unternehmen auswirken kann. Etwa, wenn diese Vertragspartner von Regierungsbehörden sind.

S&P schätzt, dass der Shutdown die gesamte US-Wirtschaft jede Woche 1,2 Milliarden Dollar kostet. S&P rechnet zudem vor, dass die Shutdown-Kosten für die US-Wirtschaft bald die 5 Milliarden Dollar übersteigen, die Trump in diesem Jahr für seine Grenzmauer haben will.

Die Volkswirte der Commerzbank nennen darüber hinaus weitere Negativeffekte des Stillstands. So werden seit Wochen wichtige Konjunkturdaten nicht veröffentlicht, weil die entsprechenden Behörden stillliegen. "Für die wirtschaftspolitischen Entscheidungsträger und nicht zuletzt für die US-Notenbank heißt dies, dass sie gegenwärtig im Blindflug unterwegs sind." Das sei besonders problematisch, weil die amerikanische Zentralbank ihre Geldpolitik seit neustem datenabhängiger gestalten will, Konjunkturdaten also gerade jetzt wichtig sind.

Auch hier gilt: Je länger der Shutdown anhält, desto schwerwiegender sind die Folgen. So warnen die Ökonomen von Capital Economics davor, dass Konjunkturdaten nicht nur verzögert, sondern vielleicht gar nicht veröffentlicht werden. Schlicht deshalb, weil die entsprechenden Daten wegen des Shutdown nicht erhoben worden sind.


Mehr zum Thema:  

Anzeige
DWN
Panorama
Panorama Halbzeit Urlaub bei ROBINSON

Wie wäre es mit einem grandiosen Urlaub im Juni? Zur Halbzeit des Jahres einfach mal durchatmen und an einem Ort sein, wo dich ein...

DWN
Technologie
Technologie Auftakt der Hannover Messe: Industrie mahnt Reformen an
22.04.2024

In Hannover hat wieder die traditionelles Messe für Maschinenbau und Elektrotechnik begonnen. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) eröffnete...

DWN
Politik
Politik Parteiensympathie unterscheidet sich zwischen Stadt und Land
22.04.2024

Wie unterschiedlich ticken die Menschen politisch auf dem platten Land und in der Großstadt? Eine Analyse der Konrad-Adenauer-Stiftung...

DWN
Unternehmen
Unternehmen VW befindet sich im „Preiskrieg" und will um Marktanteile in China kämpfen
22.04.2024

Lange war Volkswagen der Platzhirsch unter den Automobilherstellern in China. Doch nun tobt ein brutaler Wettbewerb um den Markt für...

DWN
Politik
Politik Wahlen zum EU-Parlament: Deutsche Spitzenkandidaten für Europa
22.04.2024

Als Zugpferde für den Europawahlkampf setzen in diesem Jahr viele Parteien auf altbekannte politische Gesichter. Es gibt aber auch...

DWN
Politik
Politik Habeck will bei Ukraine-Unterstützung weiter vorangehen
22.04.2024

Nach dem grünem Licht aus den USA zur Ukraine-Hilfe hat nun auch Robert Habeck (Grüne) appelliert, dass Deutschland in seiner...

DWN
Politik
Politik Kiew hofft auf baldige Lieferung von Militärhilfe 
22.04.2024

Nach der Zusage im US-Repräsentantenhaus, endlich das lange umstrittene Hilfspaket für die Ukraine freizugeben, wächst die Zuversicht in...

DWN
Politik
Politik FDP verlangt Wirtschaftswende: SPD über Vorstoß Lindners empört
22.04.2024

FDP-Chef Christian Lindner hat am Wochenende ein Papier seiner Partei mit Forderungen zur Verbesserung der Wirtschaftslage vorgelegt. In...

DWN
Politik
Politik Weltweite Militärausgaben durch Ukraine-Krieg auf Höchststand
22.04.2024

Immer mehr Geld wird für das Militär ausgegeben und das weltweit - Forscher sehen dafür erkennbare Gründe.