Deutschland

Schiffspropeller-Hersteller MMG zieht Produktion deutlich an

Lesezeit: 2 min
20.05.2019 17:22
Der deutsche Schiffspropeller-Hersteller hat seine Produktion angezogen und erwartet einen hohen Umsatz. Ausschlaggebend ist offenbar die gute Lage deutscher Werften.
Schiffspropeller-Hersteller MMG zieht Produktion deutlich an

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Knapp ein Jahr nach dem Weg in die Eigenständigkeit sieht sich der Schiffspropeller-Hersteller Mecklenburger Metallguss GmbH (MMG) wieder im Aufwind. "Für 2019 wird ein Umsatz von 50 Millionen Euro erwartet, etwa zehn Millionen Euro mehr als 2018", sagte Geschäftsführer Manfred Urban der Deutschen Presse-Agentur in Waren an der Müritz. So werden wieder mehr große Schiffsschrauben sowie mit Rudern kombinierte Propeller für Elektroantriebe produziert. Diese positive Entwicklung hängt offenbar auch damit zusammen, dass die deutschen Werften sich zu High-Tech-Unternehmen entwickelt haben, indem sie in ihre Belegschaft und Innovation investiert haben.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

MMG gilt als Weltmarktführer beim Guss riesiger Schiffsantriebe. So liefern die Mecklenburger auch Antriebe für die mit 22.000 Stellplätzen größten Containerschiffe sowie für eine Serie von Großtankern, die in Südkorea vom Stapel laufen.

"Doch Propeller sind nicht mehr allein die Messlatte", erklärte der zweite Geschäftsführer Lars Greitsch. Ihr Anteil am Gesamtumsatz wird von 95 Prozent 2018 auf 70 Prozent im Jahr 2019 sinken. Dazu kommen andere Bauteile. Zur Sanierung der Firma und Sicherung der 175 Arbeitsplätze habe auch der Vertrag mit der IG Metall im Juli 2018 beigetragen. "Die Rampe der Auftragseingänge ist aber noch nicht sehr steil", beschreibt der 43-jährige Greitsch die Lage.

MMG gehörte bis Juni 2018 zur DIHAG-Gießereigruppe mit damals elf Unternehmen. Durch Umstrukturierung ist das Traditionsunternehmen seit 1. Juli 2018 wieder eigenständig, wobei der 64-jährige Urban, Greitsch und eine Geschäftspartnerin 25 Prozent der Anteile halten, 75 Prozent gehört einer Beteiligungsgesellschaft aus Wien, so die dpa.

Die Gießerei hatte im Boom-Jahr 2015 noch einen Umsatz von rund 100 Millionen Euro, musste aber wegen der Schiffbaukrise 2017 und 2018 bereits Kurzarbeit einführen. "Das ist seit einem Jahr vorbei, wir brauchen jeden Mann", sagte Urban. Dabei profitiert das Unternehmen von seiner Forschungsarbeit, unter anderem mit Forschern von einem Fraunhofer-Institut und der Universität in Rostock. So hat MMG weltweit bereits 350 große Schiffsantriebe auf kraftstoffsparendere Propeller umgestellt. Das "Retro-Fit" hat aber zur Folge, dass nun fast nur noch kleinere Propeller an kleineren Schiffen ersetzt werden könnten. Da müsse man sehr genau rechnen.

Dazu kommen neue Stickoxid-Grenzwerte für die Schifffahrt, sagte Greitsch. So stiegen Reeder bereits auf Gasantriebe um, die keine Stickoxide ausstoßen, anstatt Schweröl oder Diesel. Auch die Kreuzfahrtbranche gehe diesen Weg. Dort werde an Bord viel Strom gebraucht. Ein italienischer Hersteller habe bereits das erste gasbetriebene Kreuzfahrtschiff im Betrieb genommen. Deshalb seien auch Antriebe über Elektromotoren entwickelt worden.

Ein weiterer Aspekt, dem sich die Warener widmen, ist der Lärm unter Wasser. Dafür wurde eine kleine Kappe entwickelt, die diesen reduziert und trotzdem die Leistung nicht beeinträchtigt. "Es gibt schon erste Häfen, die Reedern einen Preisnachlass gewähren, wenn ihre Schiffsantriebe leiser sind", lautet Urbans Erfahrung. Insgesamt sei das Geschäft aber schnelllebiger geworden.

Hatten Gießereien wie MMG, deren Hauptkonkurrenz in Südkorea und China produziert, 2008 noch etwa drei Jahre Auftragsvorlauf, so ist es heute nur noch ein Jahr. "Da muss alles Stimmen", erläuterte Greitsch. Man brauche Fachkräfte - vor allem Zerspaner für moderne Dreh- und Fräsmaschinen, einen optimalen Konstruktionsverlauf und intakte Verkehrswege. Die bis 110 Tonnen schweren Schiffsschrauben werden über die Autobahnen 19 und 24 via Hamburg verschifft. Dort hätten aber viele Brücken ihre Lebensdauer fast erreicht. "Wir müssen auch hier unseren Job machen können", forderte Greitsch.

Einem Bericht des World Chronicle zufolge gehören neben MMG auch Nakashima Propeller, Hyundai Heavy Industries Co.Ltd, Rolls-Royce, Wartsila Oyj Abp, Schottel GmbH., MAN Diesel & Turbo, Mitsubishi Heavy Industries, Ltd, Kawasaki, Berg Propulsion (Cat), Baltic Shipyard, Scana Volda, Veem Limited, Teignbridge, DMPC, Wartsila CME, Changzhou Zhonghai und Wuhan Kawasaki Marine zu den weltweit wichtigsten Schiffspropeller-Herstellern.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Ratgeber
Ratgeber Bestens geplant: Einkommensvorsorge für Beamte

Die neue Allianz Einkommensvorsorge schützt Beamte und alle, die es werden wollen, vor den finanziellen Risiken einer Berufs- oder...

DWN
Politik
Politik CDU-Kanzlerkandidatur: Merz kämpft jetzt für Laschet - und gegen Söder

Friedrich Merz hat den möglichen Kanzlerkandidaten Markus Söder (CSU) aufgefordert, doch erstmal die Landtagswahlen in Bayern zu...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Dialog statt Sanktionen: Grundlagen einer klugen westlichen China-Politik

Die Sanktionen gegen China sind scheinheilig und wirkungslos. Warum verzichten USA und EU auf einen kritischen Diskurs?

DWN
Finanzen
Finanzen Billiges Gold animiert Bürger zu Rekordkäufen

Die Goldimporte eines Staates, dessen Bürger traditionell große Gold-Liebhaber sind, haben sich im März fast verfünffacht. Die...

DWN
Finanzen
Finanzen Explosion der Immobilien-Preise: Mieten lohnt sich immer öfter als Kauf

In 51 von 75 Städten ist die finanzielle Belastung durch die Miete geringer als beim Kauf. Die Unterschiede sind vor allem in den...

DWN
Deutschland
Deutschland "Nervlich und finanziell am Ende": Jeder vierte Gastronom rechnet mit Betriebsaufgabe

Im Folgenden lesen Sie den Corona-Ticker vom Sonnabend, den 10. April, den wir für Sie selbstverständlich laufend aktualisieren.

DWN
Deutschland
Deutschland Ernste Lage: Versorgungsengpass bei Lebensmitteln und Rohstoffen droht

In zahlreichen Branchen innerhalb der deutschen Lieferkette droht ein Kollaps bei der Versorgung. „Dann sprechen wir nicht mehr bloß...

DWN
Finanzen
Finanzen EZB bereitet Gründung einer gesamteuropäischen Bad Bank vor

Medienberichten zufolge soll die EZB an der Gründung einer gesamteuropäischen Sammelstelle für faule Kredite arbeiten.

DWN
Finanzen
Finanzen Könnte der Staat das gesamte Gold der Bürger beschlagnahmen?

Die Einführung des Goldstandards ist in aller Munde. Doch ein Goldstandard würde in der großen Krise, die noch auf uns zukommt, dazu...