Finanzen

Gesundheitswesen: Struktureller Wachtumsmarkt für Anleger

Lesezeit: 2 min
15.06.2019 17:11
Nach Ansicht der Analysten von J.P. Morgan Asset Management ist das Gesundheitswesen ein defensiver Sektor mit langfristigem Wachstumspotenzial.

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Der Gesundheitssektor wird durch den medizinischen Fortschritt mit neuen medizinisch-technischen Diagnose- und Behandlungsmethoden massiv verändert. Zuletzt machte die Zulassung eines Medikaments zur Behandlung einer seltenen Erbkrankheit Schlagzeilen, das für die Einmalanwendung 1,9 Millionen Euro kosten soll, begleitet von Diskussionen über die enormen Kosten. Dieses Beispiel ist aber auch ein eindrucksvoller Beleg dafür, was mit Gen-Therapien heute alles möglich ist.

Anne Marden, Fondsmanagerin der Global Healthcare-Strategie bei J.P. Morgan Asset Management, betont: „Solche maßgeschneiderten Arzneimittel werden die Medizin in Zukunft immer stärker prägen.“ Die Managerin führt aus, dass die rasante Innovationswelle im Gesundheitssektor nicht nur dafür sorgt, dass sich der Lebensstandard verbessert und die Lebensdauer der Menschen verlängert. „Solche zugegebenermaßen sehr teuer erscheinenden Therapien können langfristig sogar dafür sorgen, dass die Gesundheitskosten sinken, wenn durch eine Einmalanwendung langwierige Folgekosten oder auch der Ausbruch von Krankheiten verhindert werden können“, erläutert Marden.

Das Beispiel aus dem Pharmasektor zeigt, dass der Gesundheitsbereich ein Wachstumsmarkt für Anleger ist, der einerseits zum Wohle der Patienten beiträgt, aber auch finaziell attraktiv sein kann. Neben der Pharma-Forschung tragen auch technologische Entwicklungen und der demographische Wandel weltweit zum Wachstum dieses Sektors bei. So haben neue Technologien unseren Alltag bereits in vielerlei Hinsicht verändert und schaffen auch für Patienten, Ärzte und Pflegepersonal Vorteile – sei es durch mobile Geräte und Apps, Roboter und Automatisierung oder Augmented Reality und 3D-Druck.

Der medizinische Fortschritt sorgt für eine höhere Lebenserwartung

Während die Menschen vor hundert Jahren im Durchschnitt nur dreißig Jahre alt wurden, beträgt das globale Durchschnittsalter heute 71,5 Jahre. Dass die Lebenserwartung weltweit steigt, liegt vor allem an der erfolgreichen Bekämpfung von Infektionskrankheiten aber auch einer besseren Früherkennung und Behandlungsmöglichkeiten von Krankheiten, die früher als unheilbar galten.

Das höhere Durchschnittsalter sorgt wiederum langfristig für eine steigende Nachfrage nach Medikamenten und medizinischen Dienstleistungen. So ist das Krankheitsspektrum heute stark von chronischen Erkrankungen geprägt, die vom biologischen Alter beeinflusst werden, aber auch vom Wandel der Lebensgewohnheiten. Und die Ausgaben im Gesundheitswesen hängen stark vom Alter ab: Die Hälfte der gesamten Krankheitskosten in Deutschland fällt für Patienten über 65 Jahre an – ihr Anteil an der Bevölkerung liegt bei 21 Prozent.

Diese Entwicklung zeigt sich besonders deutlich in den Schwellenländern, die mit steigendem Wohlstand zunehmend einen westlich geprägten Lebensstil annehmen. Marden erklärt: „Während in den Schwellenländern dank besserem Zugang zur medizinischen Versorgung einerseits die Lebenserwartung steigt, führt ein verändertes Verhalten wie Bewegungsmangel, schlechte Ernährung und Übergewicht zu westlichen „Wohlstandskrankheiten“ wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen.“

So wundert es nicht, dass der Anteil der Gesundheitsausgaben am Bruttoinlandsprodukt der OECD-Länder stetig größer wird und erwartet wird, dass dieser von 6,2 Prozent im Jahr 2010 bis zum Jahr 2060 auf rund 9,5 Prozent ansteigt, was eine Vervierfachung des Gesundheitsmarktes bedeutet. Damit einher geht eine größere Vielfalt des Sektors mit zunehmendem Zusammenspiel von Medizin, Biotechnologie und Technik.

 

„Auch für die Zukunft sind die Wachstumsperspektiven im Gesundheitswesen langfristig überdurchschnittlich. Für Anleger ist zudem erfreulich, dass der Sektor zurzeit in seiner Gesamtheit relativ günstig bewertet ist“, unterstreicht Karsten Stroh, Investment Spezialist in der International Equity Group bei J.P. Morgan Asset Management in Frankfurt. Der Experte betont darüber hinaus, dass der Gesundheitssektor ein defensives Investment bietet, das nicht wie andere Sektoren des Aktienmarktes stark von den eher kürzerfristigen und oftmals stark schwankenden wirtschaftlichen Entwicklungen abhängt, sondern von den langfristigen strukturellen Trends.


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