Zahl der Börsengänge bricht europaweit ein

 

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29.07.2019 12:43
Die Zahl der Börsengänge ist im ersten Halbjahr europaweit strak eingebrochen.
Zahl der Börsengänge bricht europaweit ein
Der Kursverlauf des Dax mit Bulle und Bär, den Symbolen für Aufschwung und Niedergang. (Foto: dpa)

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2019 ist bislang kein guter Jahrgang, was die Zahl der Neuzugänge an den europäischen Börsen betrifft: In den Monaten Januar bis Juni dieses Jahres wagten deutlich weniger Unternehmen den Schritt auf das Parkett als in den beiden Jahreshälften zuvor. Insgesamt gab es im ersten Halbjahr 2019 nur 16 IPOs in Europa, im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es noch 59 gewesen. Das Emissionsvolumen sank deutlich auf nur noch 6,52 Milliarden Euro und ging damit gegenüber dem ersten Halbjahr 2018 (12,58 Milliarden Euro) um 48,2 Prozent zurück.

Das ist eines der Ergebnisse der aktuellen IPO-Analyse des Finanzierungsspezialisten FCF Fox Corporate Finance. „Die Entwicklung des europäischen IPO-Markts ist ernüchternd – und das erstreckt sich über alle Segmente“, erläutert Arno Fuchs, CEO von FCF. Mit dem deutlichen Rückgang an IPOs setzt sich ein Trend seit dem zweiten Halbjahr 2018 fort. Hier hatte die Zahl der Börsengänge bereits mit 23 auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau zum Vorquartal gelegen, und das kumulierte Emissionsvolumen war auf 8,54 Milliarden Euro gesunken. Im Bereich der Small Cap IPOs (IPOs mit einem Emissionsvolumen zwischen 50 und 100 Millionen Euro) etwa gab es im ersten Halbjahr nur noch einen einzigen Börsengang, nachdem dort im zweiten Halbjahr 2018 noch vier IPOs zu verzeichnen waren.

Doch auch bei Micro (Emissionsvolumen bis 50 Millionen Euro) und Medium Caps (100 bis 250 Millionen Euro) ging die Anzahl der IPOs von neun auf sechs bzw. von vier auf drei zurück. Lediglich bei den Large Caps (mehr als 250 Millionen Euro) war das Niveau mit sechs Emissionen zumindest gleichbleibend.

In den vergangenen sechs Monaten konnte nur Großbritannien etwas höhere Aktivitäten bei Börsengängen aufweisen als der Durchschnitt. „Die starke britische Präsenz im IPO-Markt ist schon Tradition, haben angelsächsische und internationale Unternehmer doch grundsätzlich weniger Scheu vor dem Gang an die Öffentlichkeit“, erklärt Arno Fuchs. Allerdings enttäusche der Blick auf die absoluten Zahlen auch hier: „Der UK-Markt war zuletzt nur noch für sieben IPOs verantwortlich, im ersten Halbjahr 2018 waren es noch 15 gewesen,“ so Fuchs. Die Entwicklung erstreckt sich seiner Ansicht nach auch über alle Branchen: „Die Vorsicht ist selbst in den Industrien zu spüren, die sonst nicht so zurückhaltend sind – nach 17 IPOs im Information-Technology-Sektor in der ersten Hälfte des vergangenen Jahres sind es im ersten Halbjahr 2019 nur fünf aus diesem Bereich gewesen.“

Dass die Skepsis gegenüber Börsengängen von Seiten der Unternehmen in Europa insgesamt noch größer geworden ist, führt Arno Fuchs auf verschiedene Aspekte zurück: „Die Gründe für die Flaute sind vielfältig – Börsenentwicklung und Volatilität gehören definitiv dazu“, so der FCF-CEO. Deren Ursachen lägen auf der Hand: „Auch im bisherigen Jahresverlauf 2019 hat die Politik die Börsen beherrscht. Konflikte und Wahlen verbreiteten große Unsicherheit und bewegten Aktienkurse und Währungen, darunter der US-Handelsstreit mit China, die Brexit-Verhandlungen sowie die Wahlen des EU-Parlaments.“

Immerhin gab es in den zurückliegenden sechs Monaten mit dem dänischen Pharma-Parallelhändler Abacus Medicine nur eine Absage, anders als im zweiten Halbjahr 2018, als acht Börsengänge gestrichen wurden, darunter seinerzeit die milliardenschweren IPOs des Flugzeugabfertigers Swissport und der BordverpflegungsfirmaGategroup. Doch auch diese Entwicklung relativiert Arno Fuchs: „Dass es weniger Absagen gibt, heißt ja nicht automatisch, dass mehr IPOs gelingen. Es sind einfach weniger Kandidaten in den Startlöchern gewesen. Mittlerweile überlegen es sich die Unternehmen sehr genau, bevor sie Börsenpläne konkretisieren. Und wenn weniger Börsengänge geplant werden, gibt es auch automatisch weniger, die abgesagt werden können“, erklärt der Finanzierungsexperte.

Die Kursentwicklung nach dem IPO rechtfertigt die Skepsis von Unternehmen im Übrigen nicht: Die durchschnittliche IPO-Performance liegt mit plus 5,3 Prozent seit dem Börsengang in der ersten Hälfte des Jahres 2019 deutlich höher als im zweiten Halbjahr 2018 (minus 12.2 Prozent seit IPO). Aus Sicht der vergangenen zwei Jahre konnten vor allem „Large Cap IPOs“ (IPOs mit mehr als 250 Millionen Euro Emissionsvolumen) punkten: Der FCF Large Cap IPO Index übertraf den MSCI Europe Index sowie den MSCI Europe Large Cap Index deutlich um 21 Prozentpunkte. „Die Wertentwicklung, speziell von Large Cap IPOs zeigt, dass eine grundsätzliche Skepsis gegenüber IPOs weder von Seiten der Unternehmen noch von Seiten der Anleger angebracht ist – im Gegenteil: Börsengänge sind und bleiben eine sehr gute Möglichkeit für Unternehmen an Eigenkapital zu kommen“, resümiert Arno Fuchs.

Der FCF IPO Market Monitor ist eine umfassende Analyse der europäischen IPO-Aktivitäten. Neben relevanten Bewertungskennzahlen (z. B. Ratios, Multiples) zeigt er allgemeine Informationen sowie Performancedaten der europäischen IPOs der jeweils letzten sechs Monate auf. Er bietet damit einen der umfassendsten Überblicke für Investoren und Unternehmen.


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