Zentralbanken kaufen Rekordmengen Gold

Lesezeit: 2 min
05.08.2019 17:08
Die Zentralbanken der Welt haben ihre Goldreserven im ersten Halbjahr 2019 in historischem Umfang erhöht, wie die Daten des World Gold Council zeigen.
Zentralbanken kaufen Rekordmengen Gold
Carl-Ludwig Thiele, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank, präsentiert am 23.08.2017 in der Bundesbank-Zentrale in Frankfurt am Main einen Goldbarren. (Foto: dpa)

Die vom World Gold Council am Donnerstag veröffentlichten Daten zeigen, dass die Zentralbanken im ersten Halbjahr netto insgesamt 374,1 Tonnen Gold gekauft haben. Das ist der größte Nettoanstieg der globalen Goldreserven in einem ersten Halbjahr seit Beginn der Datenerhebung vor 19 Jahren.

Zentralbanken machten in der ersten Jahreshälfte fast ein Sechstel der gesamten globalen Goldnachfrage aus. Die Käufe verteilten sich erneut auf eine Vielzahl von Ländern, darunter vor allem Schwellenländer. Die größten Goldkäufer waren Polen, China und Russland.

Die Veränderung der Einstellung zu Gold seit der Finanzkrise zeigte sich auch in der letzten Woche, als 21 Zentralbanken Europas mitteilten, dass sie ihr Goldabkommen zum 26. September auslaufen lassen werden. Dessen offizieller Zweck war die Koordinierung ihrer Goldverkäufe, die jedoch in den letzten Jahren kaum noch stattfanden.

Insgesamt stieg die globale Nachfrage nach Gold im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 8 Prozent auf 1.123 Tonnen. Neben den Zentralbanken trugen dazu vor allem private Anleger bei, die verstärkt in goldbesicherte börsengehandelte Fonds (ETFs) investierten.

Die von den Zentralbanken weltweit angekündigte lockere Geldpolitik, geopolitische Instabilität und steigende Goldpreise haben die Anleger offenbar zu einer Aufstockung veranlagt. In der Folge stiegen die Bestände der Gold-ETFs im zweiten Quartal um 67,2 Tonnen auf einen Sechsjahreshöchststand von 2.548 Tonnen.

Die Nachfrage im zweiten Quartal wurde durch die Erholung im indischen Schmuckmarkt gestützt, wo die Nachfrage im Vergleich zum Vorjahr um 12 Prozent auf 168,6 Tonnen stieg. Der Technologiesektor hingegen reduzierte seinen Goldverbrauch aufgrund der schwierigen globalen Bedingungen.

In Großbritannien notierte Fonds machten drei Viertel des Umsatzes der Gold-ETFs aus. Anleger wollten sich offenbar gegen die Unsicherheit im Hinblick auf den Führungsstreit in der konservativen Partei, gegen die möglichen Folgen eines ungeordneten EU-Austritt und gegen einen Wertverlust des Pfunds absichern.

Auch deutsche Privatanleger investierten nach Angaben des World Gold Council verstärkt in Gold-ETFs. Sie wollten sich möglicherweise neben anderen Faktoren auch gegen die möglichen negativen Folgen des Handelskriegs zwischen den USA und China für das verarbeitende Gewerbe absichern.

Laut Alistair Hewitt, dem Leiter der Marktforschung beim World Gold Council war die Wende der Fed zu einer lockereren Geldpolitik der wichtigste Treiber für den starken Anstieg des Goldpreises im Juni. Allerdings habe das erste Halbjahr den Grundstein dafür gelegt, da die Goldnachfrage ein Dreijahreshoch erreichte.

Die US-Notenbank Federal Reserve hat am Mittwoch ihre lockere Geldpolitik fortgesetzt und ihre erste Zinssenkung seit mehr als einem Jahrzehnt angekündigt. Sie begründete den Schritt mit einer unter dem Ziel liegenden Inflation.

Der World Gold Council erwartet eine Fortsetzung der lockeren Geldpolitik und der geopolitischen Unsicherheiten. Daher würden Zentralbanken ihre Goldreserven weiter aufbauen. Und auch Anleger würden laut WGC verstärkt in Gold-ETFs investieren, obwohl die höheren Preise die Nachfrage beeinträchtigen könnten.



DWN
Termine
Wichtige Termine Unser Geschenk für Sie im Advent: Heute 34% sparen!

Seien Sie schnell & erhalten Sie 34% Rabatt auf das Jahresabo der DWN.

DWN
Politik
Politik Der späte Sieg des Sozialismus: Von der Leyens „Green Deal“ führt die EU zur zentral gelenkten Planwirtschaft

Der gute Wille, welcher dem wirtschafts- und energiepolitischen Entwurf des „Green Deal“ zu Grunde liegt, droht in einem totalitär...

DWN
Finanzen
Finanzen Federal Reserve pumpt zum Jahresende eine halbe Billion Dollar in den Geldmarkt

Um die erwarteten Liquiditätsengpässe zum Jahresende abzumildern, hat die Fed angekündigt, dem Repo-Markt auf der Schwelle zum neuen...

DWN
Finanzen
Finanzen JPMorgan und Goldman Sachs uneinig über Zukunft von Gold

Die beiden größten Investmentbanken der Welt, Goldman Sachs und JPMorgan Chase, haben Analysen mit entgegen gesetzten Erwartungen an die...

DWN
Deutschland
Deutschland Die Integration östlicher EU-Länder bleibt eine Erfolgsgeschichte

Westliche Kritiker mahnen ständig, dass Tschechien, Polen, Ungarn und die Slowakei immer nur Subventionen aus Brüssel nehmen und den...

DWN
Deutschland
Deutschland Anschlag am Breitscheidplatz: Einer lügt – entweder BKA-Beamter oder LKA-Beamter

Im Untersuchungsausschuss des Bundestages zum Anschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt verhärten sich die Fronten zwischen dem LKA aus...

DWN
Finanzen
Finanzen Lagardes Einstand bei der EZB: Nullzinsen bleiben bis zum Sankt Nimmerleinstag

Christine Lagarde bestätigt als neue Präsidentin die Geldpolitik ihres Vorgängers: die Leitzinsen bleiben auf unabsehbare Zeit bei null,...

DWN
Deutschland
Deutschland Bundesregierung verstärkt weltweite Rekrutierung von Fachkräften

Die Bundesregierung hat die Welt als Reservoir potenzieller Fachkräfte identifiziert und will dieses mit viel Aufwand ausbeuten. Niemand...

DWN
Politik
Politik Pentagon-Dokumente: Obama und Bush täuschten Öffentlichkeit systematisch über Afghanistan-Krieg

Bislang unveröffentlichten Dokumenten zufolge sollen die US-Regierungen seit 2001 die Öffentlichkeit über die Lage in Afghanistan...

DWN
Finanzen
Finanzen Repo-Guru: Liquiditätskrise zum Jahresende wird Fed zu massiven Anleihekäufen zwingen

Jener Analyst, welcher einen Monat vor Ausbruch der Liquiditätskrise am US-Geldmarkt genau diese Krise korrekt vorhergesagt hatte, warnt...

DWN
Finanzen
Finanzen Renditen steigen: Investoren verlieren das Vertrauen in Zombie-Unternehmen

Auf dem US-Markt geraten riskantere Unternehmensanleihen zunehmend unter Druck. Die Zahl der besonders gefährdeten Anleihen, der...

DWN
Politik
Politik Bosch: Von der Leyens „Green Deal“ bricht der deutschen Autobranche das Genick

Der Bosch-Vorstandsvorsitzende Volkmar Denner warnt vor den überzogenen CO2-Vorgaben der neuen EU-Kommission. Diese bedeuteten faktisch...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Droht das Aus? Traditionsreicher Zulieferer Leoni braucht plötzlich 200 Millionen Euro

Die Lage bei Leoni ist ernst: Der Konzern schreibt Verluste in zweistelliger Millionen-Höhe. Und das, obwohl der Hersteller zwölf Monate...

DWN
Politik
Politik In der EU hausen 120.000 Migranten unter ärmsten Lebensbedingungen

In Griechenland sind derzeit über 40.000 und auf der Balkanroute über 80.000 Flüchtlinge und Migranten gestrandet. Sie leben unter den...

DWN
Politik
Politik Anhörung eskaliert: „Das Soros-Orchester“ und die ernste Entfremdung zwischen EU-Kommission und Ungarn

Eine Anhörung zu Vorwürfen der EU-Kommission gegen die ungarische Regierung ist aus dem Ruder gelaufen. Die beiden Seiten scheinen sich...

celtra_fin_Interscroller