Finanzen
Autobauer in Trumps Visier

Schwere Verluste: Dax durchbricht Marke von 12.000 Punkten nach unten

Am deutschen Aktienmarkt hagelt es schwere Kursverluste. Besonders betroffen sind die Autobauer vor der anstehenden Ansprache Trumps zum Handel der USA mit Europa.
02.08.2019 11:57
Lesezeit: 1 min

Besitzern von Aktien konjunktursensibler Unternehmen ist am Freitag der Angstschweiß auf die Stirn getreten. Die Androhung weiterer Strafzölle gegen China durch US-Präsident Donald Trump am Vorabend löste an den Märkten eine Verkaufswelle aus. Immer neue Hemmnisse im weltweiten Handel drohen die Konjunktur immer mehr abzuwürgen. "Zykliker" stehen folglich auf den Verkaufslisten ganz oben, der Kurs des Leitindex Dax verzeichnete am Mittag Verluste von 2,6 Prozent und rutschte unter die MArke von 12.000 Punkten.

Im Dax traf es beispielsweise die Chemiewerte BASF und Covestro, die um jeweils mehr als vier Prozent abrutschten. BASF-Vorstandschef Martin Brudermüller hatte am Dienstag die gekappten Jahresziele mit dem langsameren wirtschaftlichen Wachstum begründet, vor allem in China. Es steht viel auf dem Spiel: Der Konzern schätzt, dass bis 2030 fast zwei Drittel des weltweiten Wachstums in der Chemieindustrie auf China entfallen.

Angesichts dieser Bedeutung des Landes als Wachstumsmarkt zogen Investoren branchenweit die Reißleine: Im MDax büßten die Papiere von Lanxess, Siltronic, Evonik und Brenntag zwischen 3,2 und 6 Prozent ein. Auch die laut Analysten soliden Quartalszahlen von Lanxess konnten den Kurs am Freitag nicht stützen. Der europäische Chemiesektor rutschte auf den niedrigsten Stand seit Anfang Juni.

Anleger wiesen darauf hin, dass die Ankündigung weiterer US-Zölle auf Waren aus China die Anleger am Freitag auf dem falschen Fuß erwischt habe. "Man war optimistisch, dass es wenigstens für eine kürzere Zeit einen Waffenstillstand geben würde", sagte Analyst Michael Hewson vom Broker CMC Markets. In dieser Zeit hätten beide Seiten ihre Positionen nochmals begründen können. Die abrupte Eskalation des Konflikts habe die Märkte nun aber gänzlich überrascht.

Das bekamen auch die Aktien der Automobilhersteller und deren Zulieferer zu spüren. Die Kurseinbußen von BMW, Daimler und Volkswagen reichten bis zu 4,6 Prozent. Das Auto als teures Konsumgut unterliegt konjunkturellen Einflüssen ganz besonders. Erschwerend kommt hinzu, dass US-Präsident Trump auch für die europäische Autoindustrie jederzeit höhere Einfuhrzölle verhängen könnte, die die Hersteller unmittelbar treffen würden - welche derzeit ohnehin schon unter einer selbstverschuldeten aber von der eigenen politischen Führung verstärkten Krise leiden.

Das dürfte dann auch der Chip-Hersteller Infineon zu spüren bekommen. Die Automobilindustrie ist Großabnehmer von Halbleitern des Unternehmens. Dessen Management hatte sich unlängst vorsichtig geäußert mit Blick auf die Autobranche. Zudem steht die Halbleiterbranche im Zusammenhang mit US-Sanktionen gegen Chinas Technologieriesen Huawei im Fokus von Anlegern. Auch Infineon beliefert Huawei. Infineon-Aktien lagen mit einem Minus von 6,5 Prozent am Ende des Dax.

Am Freitagabend mitteleuropäischer Zeit will sich Trump zum Handel mit der Europäischen Union äußern.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft ESG-Investitionen unter Druck: Was der amerikanische Rückzug für europäische Anleger bedeutet

Die Entscheidung mehrerer grosser amerikanischer Vermögensverwalter, sich aus ESG-bezogenen Investitionsallianzen zurückzuziehen, hat in...

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis auf tiefstem Stand seit April: Warum Anleger plötzlich nervös werden
15.05.2026

Der Absturz beim Goldpreis am Freitag überrascht die Anleger. Und auch der Silberpreis steht vor dem Wochenende deutlich unter Druck. Vor...

DWN
Finanzen
Finanzen Rheinmetall-Aktie: Rekordaufträge reichen nicht mehr – Zweifel bei Anlegern bleiben
15.05.2026

Rekordaufträge, Milliarden aus Verteidigungshaushalten und neue Großprojekte: Eigentlich spricht vieles für die Rheinmetall-Aktie,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Zwischen Risiko und Wachstum: Wie Führungskräfte unter Druck handlungsfähig bleiben
15.05.2026

Unternehmen stehen vor der Herausforderung, die richtige Balance zwischen Risikobewusstsein und Investitionsbereitschaft zu finden, um...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Kartenzahlung statt Bargeld? Hinweis bei Edeka-Markt entfacht hitzige Netz-Debatte
15.05.2026

Ein Foto aus einem Edeka-Markt entwickelt sich plötzlich zum Social-Media-Thema. Der Grund: Kunden werden gebeten, möglichst bargeldlos...

DWN
Technologie
Technologie KI-Agenten: Die neue Machtmaschine aus San Francisco
15.05.2026

Im Silicon Valley herrscht Goldgräberstimmung, doch diesmal geht es nicht um eine neue App. KI-Agenten schreiben Code, erledigen Aufgaben...

DWN
Finanzen
Finanzen Pharma-Aktien zwischen Wachstum und Dividende: Worauf Anleger jetzt achten
15.05.2026

Pharma-Aktien stehen vor einer neuen Bewährungsprobe, da Wachstum, Patente und Preisdruck die Unterschiede im Sektor deutlich...

DWN
Politik
Politik Bei Wahlsieg in Sachsen-Anhalt: AfD will Hunderte Behördenstellen neu besetzen
15.05.2026

Die AfD in Sachsen-Anhalt plant für den Fall eines Wahlsiegs offenbar einen tiefgreifenden Umbau der Landesverwaltung. Hunderte Stellen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Rabattaktionen im Einzelhandel: Warum eBooks trotz Krise boomen – und wie Sie persönlich davon profitieren
15.05.2026

Steigende Preise, verunsicherte Verbraucher und schwache Konsumdaten setzen den Handel unter Druck. Gleichzeitig werben Anbieter mit...