Politik
Vorkommen schwinden massiv

Der schier unendliche Übernahme-Kampf der Goldgiganten

Der Goldpreis steigt zwar kontinuierlich. Doch bauen sich die Lager immer mehr ab, und die Kosten laufen den Minenbetreibern davon. Das hat eine nicht enden wollende Spirale an Akquisitionen und Zusammenschlüssen in Gang gesetzt.
16.08.2019 16:51
Lesezeit: 3 min

„Die Akquisition von Goldcorps durch Newmont Mining ist doch eine Totgeburt,“ kritisierte Mark Bistrow, der CEO des kanadischen Konkurrenten Barrick. „Die Assets von Goldcorps würde ich doch nie kaufen“, stichelte der Chef des Minenbetreibers, der lange Zeit die unangefochtene Nummer eins am internationalen Goldmarkt gewesen war.

Bistrow ärgerte sich bei einem Conference Call mit Analysten über die Mega-Fusion, die im laufenden Jahr 2019 dem internationalen Goldmarkt ihren Stempel aufgedrückt hat. Newmont Mining (NM), die bisherige Nummer zwei, hatte Mitte April den Mitbewerber Goldcorps übernommen – die bisherige Nummer sieben, wenn es um die Produktion geht. Die Transaktion, die einen geschätzten Wert von mehr als zwölf Milliarden Dollar hat, war der größte Deal, den es je in der Geschichte gegeben hat.

Deswegen waren die spitzen Worte Bistrow nicht das einzige, was der Manager seinem direkten Konkurrenten entgegen schleuderte: So machte der Barrick-Boss den Aktionären von NM ein Angebot, um im Zuge einer feindlichen Übernahme den direkten Konkurrenten zu schlucken. So nach dem Motto: „Wenn man die Kreise des Gegners nicht einengen kann, muss man ihn halt unschädlich machen, indem man ihn kauft.“ Doch das war noch nicht alles: Die Summe der Offerte, die hier im Raum stand, lag bei sogar geschätzten 18 Milliarden Dollar – also noch einmal mehr als die Hälfte des Wertes der Übernahme von Goldcorps durch NM.

„Dieses Angebot ist doch völlig sinnlos“, ließ die Antwort von seinem CEO-Kollegen von NM/ Goldcorps, Gary Goldberg, nicht lange auf sich warten. „Ich bin schockiert und besorgt“, sagte der Konzernboss. „Wie kann er sowas über die Fusion sagen?“ ärgerte sich Goldberg. „Bistrow hat doch noch nie einen Due Dilligence von Goldcorps gemacht“, sagte der CEO.

Nerven der Gold-Bosse liegen blank

Die Auseinandersetzung zwischen den beiden Männern zeigte, wie sehr die Nerven bei den Chefs der Konzerne derzeit blank liegen. Alle Unternehmen sind gerade dabei, sich durch Übernahmen breiter aufzustellen. Und wie sehr sich gerade NM durch den Zukauf von Goldcorps verstärkt hat, wird an folgenden Zahlen deutlich: Der neue Gigant NM/ Goldcorps verfügt jetzt über eine jährliche Herstellung von zehn Millionen Unzen und verdrängt damit die Barrick-Gruppe, die acht Millionen Unzen aufweist.

Darüber hinaus ist das hohe Tempo interessant, in dem der Merger durchgedrückt wurde: So hatte sich der NM-Chef Goldberg erstmals Mitte Januar an die Medien gewendet und die Akquisition angekündigt. Und nur vier Monate später war die Angelegenheit tatsächlich in trockenen Tüchern.

Wie hoch die Geschwindigkeit ist, mit der sich die Unternehmen verbunden haben, wird insbesondere an der Größe der beiden Minenbetreiber deutlich: NM verfügt über mehr als 20 Tochtergesellschaften und Beteiligungen, die auf dem ganzen Erdball verteilt sind – in den USA genauso, wie in Afrika und in Australien. Die Firma aus dem US-Bundesstaat Colorado, die pro Jahr mehr als fünf Millionen Unzen fördert, hat insgesamt 12.400 Mitarbeiter auf ihren Lohnlisten.

Mega-Fusion im Eiltempo durchgepeitscht

Daran reicht der kanadische Partner Goldcorps zwar nicht heran, doch weist das Unternehmen schon eine beträchtliche Größe auf. Der Goldabbauer beschäftigt 10.400 Angestellte, produziert mehr als zwei Millionen Unzen und verfügt über zehn Töchter und Beteiligungen, die sich überwiegend in Nord- und Südamerika befinden.

Solche Riesen zu verbinden, kann sich normalerweise über Jahre erstrecken. Dass dies in einer so relativ kurzen Zeit passierte, zeigt, wie sehr alle Beteiligten am Markt derzeit unter Druck stehen.

Dieser Zusammenschluss kann die sehr aggressive Stimmung am Welt-Markt nicht verdecken, dessen jährlicher Produktionswert bei fast 50 Milliarden Dollar liegt. Denn die Branche ist gerade dabei, sich stark zu konsolidieren. Übernahmen, Partnerschaften und Fusionen sind an der Tagesordnung. So hatte auch die Barrick-Gruppe gerade zum Jahreswechsel den Mitbewerber Randgold geschluckt – einen britischen Minenbetreiber, der sich auf Afrika konzentriert. Die Übernahme von Goldcorps ist letztlich nur als Antwort auf diese Fusion zu sehen.

Die Unternehmen werden von vergleichsweise hohen Kosten belastet, und die Vorräte in den Lagern bauen sich immer mehr ab. Der Goldpreis steigt zwar derzeit auf Niveaus zwischen 1.400 und 1.500 Dollar, ist aber von seinem Höchststand im Jahr 2011 noch weit entfernt, der bei 1.900 Dollar lag.

Darüber hinaus halten Analysten halten der Aktien der Minenbetreiber für nicht günstig bewertet. Die Akquisitionen scheinen für die Verantwortlichen ein geeignetes Mittel zu sein, um die Konkurrenzfähigkeit zu erhalten. „Es ist sehr wahrscheinlich, dass wir noch mehr Übernahmen und Mergers sehen", zitierte die Nachrichtenagentur Bloomberg beispielsweise Pierre Lassonde, Chairman des Minenbetreibers Franco-Nevada.

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