Technologie
Schritt der Emanzipation

Huawei präsentiert eigenes Betriebssystem für Smartphones

Der chinesische Technologiekonzern Huawei hat sein eigenes Betriebssystem für Smartphones vorgestellt. Dieses verleiht dem Unternehmen Unabhängigkeit vom derzeit verwendeten US-System iOS.
09.08.2019 13:44
Lesezeit: 2 min

Aus Furcht vor dem Verlust des Zugangs zum Android-System von Google hat der chinesische Huawei-Konzern ein eigenes Betriebssystem für seine Smartphones präsentiert. Sollte Huawei künftig Android nicht mehr nutzen können, "können wir sofort vollständig auf HarmonyOS umstellen", sagte Huawei-Manager Richard Yu am Freitag bei der Entwicklerkonferenz im südchinesischen Dongguan. Huawei drohen Sanktionen aus den USA, die das chinesische Unternehmen umgehen will - zugleich will es unabhängiger von Google werden.

Das HarmonyOS oder HongMeng getaufte System werde "mehr Harmonie und Komfort in die Welt bringen", sagte Yu. Die zukunftsgerichtete Software sei "sicher" und unterscheide sich von Android sowie vom Apple-Betriebssystem iOS. Der Telekommunikationskonzern machte dabei klar, dass er weiterhin Android bevorzuge. Jedoch sei der Konzern vorbereitet, sollte die Nutzung nicht mehr möglich sein.

Im Mai hatte Yu bereits der "Welt" gesagt, Huawei sei "gewappnet", sollte das chinesische Unternehmen andere Systeme nicht mehr nutzen können. "Das ist unser Plan B."

Der US-Konzern Google rüstet mit seinem Betriebssystem Android derzeit noch die große Mehrheit der Smartphones weltweit aus, darunter auch die Huawei-Telefone. Huawei arbeitet aber auch bereits seit Jahren an einem eigenen Betriebssystem - um unabhängiger zu werden und nun auch, um drohende US-Sanktionen zu umgehen.

Die USA hatten Huawei kürzlich auf eine schwarze Liste gesetzt. Das Land befürchtet Spionage, was das chinesische Unternehmen zurückweist. US-Präsident Donald Trump untersagte zudem Unternehmen seines Landes per Dekret die Nutzung von Telekommunikationstechnik, die als Sicherheitsrisiko eingestuft wird - das zielt auf Huawei ab. Daraufhin schränkten mehrere Unternehmen ihre Zusammenarbeit mit Huawei ein, auch Google selbst.

Zwar gewährte die US-Regierung kürzlich einen Aufschub von drei Monaten für Technologieexporte an Huawei - dieser läuft aber Ende kommender Woche ab. Vor allem die eingeschränkte Zusammenarbeit von Google mit Huawei könnte letztlich weitreichende Folgen für die Nutzer haben - betroffen wären nicht nur Updates von Android, sondern auch der Zugriff auf Dienste wie Gmail und Google Maps.

Huawei will nun die erste Version seines eigenen Betriebssystems in China noch in diesem Jahr auf den Markt bringen. In den kommenden Jahren sollen Produkte wie Smartwatches und intelligente Lautsprecher dazukommen. Das System werde auf Open Source basieren, also auf einem öffentlichen Quellcode, sagte Yu. Das Unternehmen wolle ein globales Betriebssystem schaffen, das "nicht nur von Huawei genutzt wird".

Experten gehen indes davon aus, dass der Konzern sein eigenes System eher auf dem chinesischen Markt nutzen und dort seine Geräte damit ausstatten wird. Außerhalb des Landes dürfte es demnach schwer werden für das Unternehmen, die Verbraucher von der Alternative zu Android zu überzeugen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deal mit Nvidia: Bundesregierung plant Kooperation mit US-Chiphersteller
16.10.2026

Deutschland will die Lücke beim Einsatz künstlicher Intelligenz in der Industrie schließen. Viele deutsche KMU hinken bei der digitalen...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Ein Großhändler stellte 35 Roboter ein und verdreifachte so die Kapazität – ist das die Zukunft?
16.10.2026

Wenn Kunden eine Lieferung innerhalb von 24 Stunden erwarten, wird das Lager zu einem Wettbewerbsfaktor. Dies hat den dänischen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Die 723.000-Mitarbeiter-Lücke: Deutschlands schleichender Verlust an Wohlstand
16.10.2026

Die deutsche Wirtschaft steuert auf eine historische Belastungsprobe zu. Während politische Debatten häufig von akuten Konjunktursorgen,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutsche in der Dauerkrise: Immer mehr Ausfälle aufgrund psychischer Erkrankungen
16.10.2026

Die Krisen der vergangenen Jahre hinterlassen Spuren in der Psyche vieler Menschen und am Arbeitsmarkt: Immer mehr Arbeitnehmer fallen...

DWN
Politik
Politik Frühstartrente kommt: Bundestag beschließt 10 Euro für Kinder
16.10.2026

Mit der Frühstartrente will der Staat Kindern monatlich zehn Euro für ein langfristiges Aktiendepot geben. Wer zuerst von der...

DWN
Panorama
Panorama DWN-Podcast Folge 47: Die Woche im Rückblick – KW 42
16.10.2026

Unser neuer Podcast ist da: Die ganze Woche in wenigen Minuten. Der DWN-Wochenrückblick bringt die Themen, die zählen – eingeordnet,...

DWN
Politik
Politik Analyse: Europa steht geschlossen gegen China, verschärft aber den Konflikt um den Milliardenhaushalt
16.10.2026

Die EU sieht erste Fortschritte im Handelskonflikt mit China. Doch das Defizit wächst weiter, und Brüssel bereitet bereits neue...

DWN
Politik
Politik Deal um Verbrenner-Aus: Deutschland und Frankreich haben sich geeinigt
16.10.2026

Deutschland setzt sich dafür ein, dass weiter Neuwagen mit Verbrennungstechnologie zugelassen werden können. Frankreichs Präsident...